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Formel 1 Herzrasen
  Foto: Herzrasen
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Herzrasen: Expertentipps für Kamelle-Fänger

VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 14.02.2010 - 00:01

Düsseldorf (RPO). Wer sich einfach nur neben den Zug stellt und die Hände aufhält, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Bonbontüten der umstehenden Konkurrenz immer voller werden. Deshalb hat unsere Autorin Gesa Evers drei Wissenschaftler nach ihren Theorien gefragt.

 Foto: Herzrasen
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Theorie eins: Stehe vorn und mach Radau

André Bresges, Direktor des Instituts für Physik und ihre Didaktik, Universität Köln

Nach Berechnung der relevanten Parameter wie Geschwindigkeit, Masse und Temperatur legen Kamelle normalerweise drei bis vier Meter von der Hand des Werfers auf den Kopf des Zugbesuchers zurück (Kurve 1). Man könnte sich also strategisch günstig positionieren und einfach nur auf die Ware warten. Doch das wäre fahrlässig. Denn abgesehen von physikalischen Gesetzen existieren so genannte nicht-newtonsche soziale Kräfte, die bei aller Liebe zur reinen Lehre erheblichen Einfluss auf die Kamelle-Ausbeute nehmen. Sie lassen sich auf eine griffige Formel bringen: Wenn man ganz vorne steht, ordentlich Radau macht und dazu auch noch gut aussieht, beeinträchtigt das die Wurfverteilung ganz beträchtlich. Also: Andere durch Lautstärke und Vordrängeln ausstechen (Kurve 2).

Foto: Herzrasen

Theorie zwei: Suche die Nähe zu Kameras und hübschen Frauen

Karl-Heinz Erdmann, Leiter der Abteilung „Natur und Gesellschaft” im Bundesamt für Naturschutz und Professor für Kulturgeographie am Geographischen Institut der Universität Bonn

Zunächst lässt sich festhalten, dass die Teilnahme an einem Karnevalszug einem mehrstündigen rauschhaften Erlebnis gleichkommt, bei dem Karnevalisten durch verbale und optische Reize betört und zum Kamelle werfen animiert werden. So versucht das „Volk” alles, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und an die geliebten Kamelle zu gelangen. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass sich unter den Karnevalisten auf den Wagen verschiedene Kamelle-Wurftypen herausgebildet haben.

„Die Zugneulinge und Anarchos”: Sie verlieren bereits unmittelbar nach Beginn des Zugs komplett den Überblick über ihr Wurfverhalten. Die Fachwelt spricht hier von rauschhafter Orientierungslosigkeit. Tendenziell verpulvern sie ihre Munition früh, weshalb es ratsam ist, am Beginn des Zugs zu stehen. „Die Disponenten”: Mit zunehmender Erfahrung wechselt ein Teil der Neulinge in die Gruppe der Disponenten. Bei der Rationierung ihres Kamelle-Vorrats gehen sie nach strengen strategischen Kriterien vor. Wo stehen Freunde und Kollegen? Wo sind Fernsehkameras aufgestellt? Wo komme ich also als Kamelle-Spender besonders gut zur Geltung und kann mir später Vorteile im Privat- und Berufsleben ausrechnen? Wer bei dieser Gruppe als Süßigkeiten-Sammler erfolgreich sein will, sollte also die Nähe zu Kameras suchen oder Freunde auf die Karnevalswagen schleusen. Kleiner Tipp: Eher vor als hinter dem Scheitelpunkt des Zuges stehen, danach wird es tendenziell weniger.

„Die Charmeure”: Sie sind sozusagen die Steigerung der Disponenten. Ihre Kamelle sind einzig und allein einer Gruppe vorbehalten: schönen Frauen. Wer dieser illustren Gruppe eher nicht angehört, sollte sich als Trittbrettfahrer betätigen und stets dicht neben den entsprechenden Damen stehen.

Theorie drei: Unterscheide früh zwischen Fächer- und Stoßwerfern

Frederik Heber, Physiker an der Universität Freiburg

Diesem Ansatz liegt die Frage zugrunde, ob es eine generelle Ungleichverteilung der Kamelle gibt. Das heißt: Ist die Verteilung der Kamelle ortsabhängig? Antwort: ja. Denn es gibt im Großen und Ganzen zwei Wurftypen, die eine spezielle Positionierung der Kamellefänger erfordern: den Fächer- und den Stoßwerfer.

Letzterer ist der aus dem Schulunterricht bekannte Kugelstoßwurf, also eine Bewegung der um das Geschoss gelegten Hand, die ruckartig von der Schulter nach vorne schnellt. Die Kamelle legt also zunächst eine waagerechte Strecke zurück, die linear von der Anfangsgeschwindigkeit und der Falldauer abhängt (also der Zeit, die die Kamelle für die Distanz zu den Zuschauern braucht und der Schwerkraft, die sich wiederum aus der zu überwindenen Höhe und der Erdbeschleunigung ergibt). Die auf diese Weise geworfene Kamelle erreicht eine geschätzte Geschwindigkeit von 37 km/h und kommt tendenziell eher bei den weiter vorne Platzierten an.

Der Fächerwurf ist da schon weniger gut einzuschätzen, denn hier kommt eine Querkomponente in der Flugrichtung hinzu. Angenommen, der Jeck auf dem Wagen lässt eine Kamelle nach der anderen im Verlauf der Streichbewegung seiner Hand auf das johlende Volk gleiten, und zwar in Abständen von fünf Grad. Dann ergibt sich nicht, wie man meinen könnte, eine einigermaßen gleichmäßige Verteilung. Vielmehr kommt der verzerrende Einfluss der Sinus-Funktion zum Tragen. Er sorgt dafür, dass es eine perfide Umverteilung zugunsten der hinteren Ränge gibt.

Mit dem Wissen, dass es diese beiden Typen gibt, lässt sich insofern arbeiten, als man von weitem analysieren kann, ob die Mehrheit auf dem Wagen eher dem einen oder dem anderen Wurfverhalten zuneigt. Das bedeutet, wenig Hemmungen zu haben, sich im Sinne einer guten Positionierung regelmäßig nach vorn beziehungsweise nach hinten zu drängeln.


 
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