Song des Spieltags: Gladbachs Rückkehr zur Erde
VON ANDREAS BUCHBAUER - zuletzt aktualisiert: 03.10.2011 - 09:41Düsseldorf (RPO). Unser Autor stellt jeden Montag den Song des Spieltages und seine Geschichte vor. Denn die TV-Kommentatoren lehren: „Solche Geschichten schreibt nur der Fußball“ – und jede Geschichte hat einen Soundtrack verdient. Diesmal: „Somewhere Over The Rainbow“ von Judy Garland.
Das mit dem Hochmut und dem Fall ist ja so ein Satz für das Phrasenschwein. Jetzt sind die Gladbacher Fans nicht unbedingt dafür bekannt, hochmütig zu sein. Dafür haben sie die vergangenen Jahre zu sehr Demut gelehrt. Aber gefallen sind sie durch das 0:1 in Freiburg dann doch, und zwar runter von der Wolke namens Euphoria, zurück in die Realität. Am Niederrhein fühlt es sich seither ein wenig so an, wie Judy Garland einst betörend sang: „Somewhere over the rainbow, there’s a land that I heard of once in a lullaby“, und dieses Lullaby besingt in Gladbach die Geschichte vom Spitzenteam und der Rückkehr zur Fohlen-Ära; ein Lied, das sie am Niederrhein immer spielen, wenn die Mannschaft mal wieder ein paar Spiele am Stück nicht verliert.
Da oben, über dem Regenbogen, werden laut Judy Garland Träume wahr. Kein Wunder, dass sich die Gladbacher dahin träumen. Aber leider ist dieses Land im Song von Judy Garland nur erreichbar, wenn man fliegen kann wie ein Vogel. „Why, oh why can’t I?“, klagt Judy Garland – und diese zentrale Frage konnten sie auf der Europhiewelle in Mönchengladbach zuletzt wunderbar ausblenden. Das Blöde ist nur: Dass man sie ausblenden kann, bedeutet nicht, dass die Frage verschwindet.
Seit Samstag, 17.15 Uhr und ein bisschen was an Nachspielzeit drauf sind sie in Gladbach wieder bei diesen klagenden Zeilen des Songs angekommen. Die Niederlage der Mannschaft hat natürlich mehrere Gründe, vor allem landeten die Torschüsse der Borussen in Freiburg stets „over the rainbow“. Besonders bei Marco Reus hatte der Zuschauer irgendwann das Gefühl: Wenn der aufs Tor schießt, wird der Ball wie ein Magnet Richtung Eckfahne oder Stadiondach gesogen – auf jeden Fall aber sehr weit vom Kasten der Freiburger weg. Gladbach rackerte, Gladbach ackerte, es mangelte an Präzision. Dass Raul Bobadilla gegen Ende des Spiels die Gelbe Karte dafür bekam, dass er gefoult wurde, passte irgendwie ins Bild: Es war nicht der Nachmittag der Gladbacher. Und doch haben sie wenig Grund zu hadern.
Judy Garlands Song ist mehr als nur ein „Lullaby“. Nicht umsonst wurde er durch die Verfilmung von „Der Zauberer von Oz“ populär, basierend auf der märchenhaften Erzählung von Lyman Frank Baum. Ein Märchen lesen sie in Mönchengladbach weiterhin, wenn sie die Tabelle anschauen: Es ist das Märchen von Lucien Favre. Gladbach, der Fast-Absteiger der vergangenen Saison, ist Dritter. Vermutlich wird das am Ende der Saison nicht mehr der Fall sein; wahrscheinlich ist, dass – wenn es gut läuft – ein einstelliger Tabellenplatz rausspringt, und wenn es schlecht läuft Platz zwölf. Das ist, gemessen an dem, was die Gladbacher in der vergangenen Saison durchlebten, auch schon fast ein Platz „over the rainbow“. Spiele wie das 0:1 in Freiburg erinnern daran und sorgen für Bodenhaftung.
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