Herzensangelegenheit MSV Duisburg: 16.000 Kilometer für ein Heimspiel
VON JOHANNES BORNEWASSER - zuletzt aktualisiert: 02.10.2010 - 12:35Duisburg (RPO). Ein Umzug nahm ihm vor sieben Jahren die Nähe zu seinem Lieblingsverein. Manfred Heiartz kehrte der Heimat mit seiner Frau Andrea 2003 den Rücken Richtung Australien. Seine Liebe für den MSV Duisburg blieb immer bestehen. Am Freitag besuchte Heiartz den Fußball-Zweitligisten. Der Klub bedankte sich mit einem Trikot für die wohl weiteste Anreise aller Zeiten zu einem Heimspiel.
Seit er "vernünftig eigenständig denken kann", wie er sagt, hängt Manfred Heiartz am MSV Duisburg. Er wuchs im Stadtteil Beeck auf, gleich neben der Duisburger Brauerei König Pilsener. Bei dem heutigen Sponsor des MSV nahm "Manes" nach der Schule seinen ersten Job an.
Während der Kindheit und Jugend erlebte Heiartz alle Auf- und Abstiege des MSV. Ging es für den Fußball-Klub in die 2. Bundesliga, litt er genauso mit, wie er bei Aufstiegen ins Oberhaus der Zunft feierte. "Speziell die Zeiten um Bernard 'Ennatz' Dietz sind ihm in Erinnerung geblieben. Davon erzählt er bis heute", sagt Ehefrau Andrea Heiartz: "In den 70er Jahren ist er deshalb auch besonders oft ins Wedau-Stadion gegangen."
Vor siebeneinhalb Jahren wanderten Andrea und Manfred Heiartz in die Fußball-Diaspora Australien aus. Die Distanz von rund 16.000 Flugkilometern änderte vieles im Leben des Paares, die Liebe zum MSV blieb jedoch bestehen. "Die Distanz", so glaubt die Partnerin "hat sein Verhältnis zum MSV sogar gefestigt".
Verbindung über das Internet
"Vor einigen Monaten haben wir in Westaustralien ein Auto gesehen, auf dem ein großer Schalke-Aufkleber prangte. 'Manes' hat keine Ruhe gegeben. Er hat dem Fahrer aufgelauert, bis er zu seinem Wagen zurückgekehrt ist", erinnert sich die Ehefrau. "Als der arme Mann einsteigen wollte, hat er ihm dann erklärt, dass es im Ruhrgebiet nur einen einzig wahren Verein gibt."
Daheim in Westaustralien verfolgt der MSV-Anhänger jedes Spiel am Computer. Zwar liebt er seinen Job als Abteilungsleiter in einer Klinik für Aborigines, die Ureinwohner Australiens. Nach MSV-Spielen schleppt er sich jedoch auch schon mal mit Augenringen zur Arbeit: Zunächst saß der Fußbal-Fanatiker nachts vor dem Internet-Radio, inzwischen hat er sich bei "Zebra-TV", dem Videokanal des Klubs, angemeldet, um keine Spielminute mehr zu verpassen. "Dann hänge ich wegen der Zeitumstellung eben auch schon mal bis tief in die Nacht vor dem Rechner. Aber das ist es wert", sagt er.
Bei Schneeregen zum Training
Während des letzten Heimatbesuchs vor rund zwei Jahren konnten Manfred und Andrea Heiartz kein Spiel der Zebras live sehen. Kurzfristig entschlossen sie sich, nach Meiderich zum Training zu fahren. Bei minus fünf Grad und Schneeregen, was sich nach eigenen Angaben selbst für einen Wahl-Australier wie der Aufenthalt in einer Tiefkühltruhe anfühle, verfolgten sie die gesamte Übungseinheit. Andrea brachte dabei ein doppeltes Opfer: Als Düsseldorferin hält sie seit der Kindheit zum Liga-Rivalen Fortuna.
"Als wir nach Fortunas Aufstieg im vergangenen Jahr endlich wieder gegeneinander gespielt haben, saßen wir beide in voller Fan-Montur daheim und haben das Spiel verfolgt", erinnert die sich. Im Hinspiel zeigte der Aufsteiger den engagierteren Fußball, wurde von Duisburgs Routiniers am Ende jedoch mit 0:3 heim geschickt. Vielleicht ja auch für den häuslichen Frieden am anderen Ende der Welt egalisierten die Düsseldorfer das Liga-Duell durch einen 2:0-Sieg im Rückspiel.
Aufstiegsshirt aus der Heimat
Zu den beiden Bundesliga-Aufstiegen in den Jahren 2005 und 2007 schickte ein Freund der Familie jeweils ein Aufstiegs-T-Shirt nach Australien. Natürlich wartet Manfred Heiartz seit Beginn der aktuellen Spielzeit sehnsüchtig auf ein weiteres Päckchen. Für die Zwischenzeit überreichte der Verein dem treuen Fan am Freitag vor dem Spiel gegen Oberhausen für die wohl weiteste Anreise zu einem Heimspiel des MSV ein Trikot mit der 57 und seinem Namen auf dem Rücken.
Fußball wird in der Wahlheimat ab sofort nur noch im neuen Trikot geschaut. "Es scheint ja Glück zu bringen", sagte der überwältigte MSV-Anhänger nach dem deutlichen 3:0-Sieg im Derby gegen Oberhausen.
Bis zur nächsten Übertragung vor dem Computer wird das Trikot aber noch der gesamten Familie präsentiert: "Den MSV habe ich endlich wieder gesehen. Jetzt besuchen wir die Familie. Und das Trikot zeige ich selbstverständlich allen."
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