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Herzensangelegenheit
Die zehn besten neuen Liedermacher
Herzensangelegenheit: Die zehn besten neuen Liedermacher
Spaceman Spiff als der Mann ohne Gitarre. FOTO: Dylan E. Thomas
Düsseldorf (RPO). Mitte März veröffentlicht Herbert Grönemeyer sein neues Album. Bis dahin ist noch genügend Zeit, um sich deutsche Songwriter anzuhören, die noch keine Fußballstadien füllen, es vielleicht aber auch gar nicht wollen. Wir stellen die zehn besten von ihnen vor und liefern Downloadlinks. Von der Redaktion

Nagel
Er war mal Sänger der sehr großartigen Punkband Muff Potter und hat schon gute Literatur verfasst Jetzt macht er beides auf einmal. Textdisco nennt das der Mann, der soeben seine erste Solo-EP veröffentlicht hat. Auf „Was kostet die Welt?“ vertont er zu recht gediegener Musik lustig-bitter-hasserfüllte Geschichten. Er beschreibt, wie der Tag eines Mannes stets mit einem hustenden Wecker in Form eines Nachbarn beginnt, erzählt über acht Minuten beängstigend detailgetreu aus dem Alltag eines Spießerpärchen und erfindet eine Liebesgeschichte, die schon mit einer Lüge beginnt. „Lesung ist the new stadionrock“, sagt Nagel.

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Maike Rosa Vogel

Man ahnte schon beim Debütalbum „Golden“ von Maike Rosa Vogel, dass die Frau bald das Zeug für große Bühnen hätte. Vollkommen unvollkommen sind ihre Songs. Wer solch mutige Lieder schreibt, so intim, verdient eine schweigende, staunende Masse als Publikum. Kurz vor Erscheinen ihres Albums „Unvollkommen“ im April wird dies wahr: Element Of Crime holen die Frau ins Vorprogramm. Maike Rosa Vogel, die mit ihrer Musik an Bright Eyes und Azure Ray erinnert, wird mit jedem Lied größer, das sie schreibt.

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Francesco Wilking

In den besten Momenten dieses Albums ist man verlockt, Francesco Wilking den deutschen Bob Dylan zu nennen. „Die Zukunft liegt im Schlaf“ ist Musik, wie es sie bisher hierzulande kaum gab: angenehm glatt, wohltuend einfühlsam, tiefgründig oberflächlich. In anderen Momenten ist man deshalb verlockt, Paul Simon zu hören. Der Sänger der Band Tele vereint auf seinem Solo-Debüt ein Stilsammelsurium von Country über Blues, Soul bis zu Bossa Nova – mehr Inspiration geht kaum. Die Zukunft der Musik sollte exakt so klingen.

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Video zu „Ein Film über uns“

Julian Gerhard

Wer einen Song schreibt mit dem Namen „Wenn einer von uns stirbt, zieh ich nach Italien“, hat schon gewonnen. Julian Gerhard aus Münster hat aber auch ein Album mit weiteren solcher tollen Sätze veröffentlicht, es heißt natürlich „Wenn du hier eh nur rumstehst, kannst du auch auf die Jacken aufpassen“. Songwriter-Indierock mit Band, der gute Gedanken macht und die schlechten erträglich. Und auch wenn man nicht immer begreift, was er meint, weiß man, dass er auf jeden Fall Recht hat.

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Gratis-EP „Wenn einer von uns stirbt…“

Spaceman Spiff
Es sind Zeilen wie „Du wirfst wie ein Mädchen, aber triffst, wo es wehtut“ die Spaceman Spiff in ein eigenes Sonnensystem katapultieren. Er hadert und sucht, verzweifelt und ist von Glück erfüllt. Dafür findet er genau die Worte, die den seltsamen Zustand „Leben in der Gegenwart“ angemessen beschreiben. Passenderweise erscheint sein zweites Album „und im fenster immer noch wetter“ nicht bei einer herkömmlichen Plattenfirma, sondern in einem Buchverlag.

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Video zum Song „Egal“

Friedemann Weise
Friedemann Weise ist einer von den Typen, wenn du denen sagst “Hör auf mit dem Quatsch”, dann sagt er „Klar“ und schmiert dir dann doch wieder Zahnpasta unter die Türklinke. Auf seinem aktuellen Album „Ein bisschen Friede“ vertont der Kölner nicht sein gebrochenes Herz, sondern singt über alle Olivers die er kennt, dass er in die Schwester seiner Freundin Katarina verliebt ist und über deutsche Songwriter: „Keiner, nein keiner braucht deutsche Songwriter“. Das gilt natürlich nicht für die zehn hier versammelten.

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Video zu „Keine Songwriter“

Schimmy Yaw
Das, was der junge Mann macht, der Dominik Wehren heißt und sich Schimmy Yaw nennt, ist manchmal noch komplett bescheuert, also unhörbar, reimt sich aber in vielen Momenten auf Zukunft. Songwriting, Noise, Elektro, Glockenspiel. Welches Geräusch auch immer, der Fürther baut es auf seinem neuen Album „This Boy Is All Twisted Up Inside“ ein. Vermutlich auch das Gepolter, das eine alte Waschmaschine macht. Er soll jetzt bloß nicht besser werden, sonst heißt er bald Wunderkind in diesen Musikzeitschriften.

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Good Bye, Tom herunterladen

Karo
Thees Uhlmann, der Thees Uhlmann von Tomte, hat über Karo aus Schweinfurt gesagt: „Eine Stimme, die das zerbrochene Herz wieder zusammenflickt.“ Wahr ist auf jeden Fall, dass die Stimme so herb ist, dass PJ Harvey sie sich gleich ausleihen würde. Die Songs lassen augenblicklich die Herzkammern pumpen. Wer das Stück „Sailor“ gehört hat, wird von allem geheilt. Das neue Album der 30-Jährigen kommt im Sommer, vorher gibt es eine EP auf iTunes mit Stücken vom Debütalbum „Sing Out, Heart!“.

Karos MySpace
Video zu „The Sailor“

Squares On Both Sides

Wenn Daniel Bürkner ein Album aufnimmt, dann zieht er in ein Waldhaus in Bayern und nimmt Klavier und Gitarre mit. Herrlich. Wenn er wieder rauskommt, bringt er eine Platte mit, die zum Beispiel „Salt Meadows“ heißt. Die hat er im vergangenen September unter dem Namen „Squares On Both Sides“ veröffentlicht. Es ist seine vierte und sie ist voll mit Songs, die so minimalistisch sind, dass sie aufhören, Songs zu sein.

Squares MySpace
Album „Salt Meadows“ im Stream anhören
Song „Castles“ herunterladen

Tim Neuhaus

Kommt aus Hagen. Das ist eine Stadt in Amerika oder England. Tim Neuhaus war Schlagzeuger von Clueso. Aber weil der Schlagzeuger von Clueso eher weniger gefordert ist, kam er vermutlich ins Überlegen und hat sich gedacht, dass er das mit den Songs genauso gut hinbekommt. Sein Album „The Cabinet“ ist gerade erschienen und es ist großer Gitarrenpop geworden. Zu dem Lied „As Life Found You“ muss auf jeden Fall geknutscht werden.

Tims MySpace
Video zu „As Life Found You“

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