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Interview Scarlett Johansson: "Ich war immer stolz auf mein Land"

VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 26.01.2009 - 07:30

(RP). Vorüber ziehen Samuel L. Jackson und eine blasse Frau Anfang 20. Graues Oberteil, braver Rock, glatte, mittelbraune Haare. Wahrscheinlich die Assistentin der Assistentin von Herrn Jackson. Dann beginnt sie zu singen, "Ghetto Superstar", mit einer Stimme, die glänzt und an den Rändern genauso rau ist, wie sie es sein muss. Wenige Minuten später kommt die blasse junge Frau mit Jackson zum Interview zurück. Sie heißt Scarlett Marie Johansson und versetzt Regisseure wie Woody Allen regelmäßig ins Schwärmen.

Am Dienstag ist Barack Obama als neuer US-Präsident vereidigt worden. Was erwartest du von ihm?

Scarlett Johansson Es braucht mehr als ihn, um all das zu reparieren, was in den vergangenen Jahren kaputt gemacht worden ist. Es kommen aufregende Zeiten auf uns zu. Wichtig ist, dass es jetzt gelingt, die Leute auch weiter politisch aktiv zu halten, dafür zu sorgen, dass sie sich weiter engagieren. Barack Obama ist einer, der zuhört und ermuntert. Er lädt die Leute ein, Teil der Demokratie zu sein.

Bist du jetzt wieder stolz, Amerikanerin zu sein?

Johansson Ich war immer stolz, Amerikanerin zu sein. Ich habe nie verstanden, warum die Leute gesagt haben: ,Schande über uns'. Ich habe mich auch als Schülerin schon engagiert und die Stimme erhoben, wenn mir etwas nicht passte. Die Tatsache, dass ich die Möglichkeit dazu hatte, hat mich stolz gemacht. Anti-Amerikanismus hat für mich nie Sinn gemacht, Anti-Bushismus unter Umständen schon. Leute, die alle Amerikaner über einen Kamm scheren, halte ich für ignorant und dumm.

In deinem neuen Film, "The Spirit", bist du einer der Bösewichte. Hast du die Rolle deshalb angenommen?

Johansson Ich wollte nicht unbedingt ein Bösewicht sein, aber ich wollte unbedingt mit Samuel L. Jackson arbeiten. Wir haben bei den Dreharbeiten unser ganz eigenes Ding gemacht. Er ist unverwundbar und hat mich unter seine Fittiche genommen.

Ihr beide taucht in jeder Szene in einem neuen, abgedrehten Kostüm auf. Würdest du so etwas privat tragen?

Johansson Es war ein Riesenspaß, diese Sachen anzuziehen. Aber ich würde so etwas nicht tragen, wenn ich vor die Tür gehe – nur zuhause.

Was auch auffällt, sind die hochkomplizierten Texte. Wie oft habt ihr die Szenen wiederholen müssen?

Johansson Ich muss ehrlich sagen, ich kannte die Reihenfolge der Worte nicht. Ich bin immer wieder zu Frank [Regisseur und Drehbuchautor Frank Miller] gegangen und habe ihm gesagt: ,Ich habe es analysiert, und es hat keinen Sinn.' Und er hat geantwortet: ,Natürlich hat es keinen Sinn.' Es gab Tage, an denen habe ich nur noch gestaunt, was mein Mund da gerade redet.

Bist du ein Comic-Fan?

Johansson Ich habe da bis heute nicht richtig rein gefunden. Ich würde es aber gerne, weil die Fantasie dabei offensichtlich abdreht. Seit den Filmen ,Sin City' und ,300' bin ich ein großer Fan von Frank Millers Comics.

Du hast in den vergangenen Jahren sehr viele Filme gedreht. Wird das irgendwann zu viel?

Johansson Ich bin 24, wann, wenn nicht jetzt, sollte ich viel arbeiten? Aber ich nehme ja auch nicht jeden Job an, der mir angeboten wird. Ich habe schon immer eine gute Balance zwischen viel arbeiten und meinem Privatleben gefunden. Pausen sind mir wichtig. Du musst leben, denn sonst hast du nichts, für das du arbeiten gehst.


 
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