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Interview mit "Sin-City"-Regisseur: "Scarlett Johansson hat sich selbst gecastet"

VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 03.02.2009 - 21:56

Berlin (RPO). Frank Miller ist erst durch sein Comics, dann durch seine Filme ("Sin City", "300") bekannt geworden. Am Donnerstag bringt er "The Spirit" ins Kino, eine Comicverfilmung mit Scarlett Johansson, Eva Mendes und Samuel L. Jackson. Im Interview erklärt Miller, wie er die Hauptdarstellerinnen ausgewählt hat, was einen echten Mann ausmacht und wie es um "Sin City 2" steht.

Frank Miller spielt gerne in seinen Filmen mit - und stirbt garantiert.  Foto: ddp
Frank Miller spielt gerne in seinen Filmen mit - und stirbt garantiert. Foto: ddp

Sie sind kurz im Film zu sehen, sterben dann aber. Hätten Sie sich nicht eine andere Rolle sichern können?

Miller Ich wusste, dass ich sterben würde, ich sterbe ja immer in meinen Rollen.

Warum haben Sie Scarlett Johansson und Eva Mendes für die weiblichen Hauptrollen ausgesucht?

Miller Die Frauen haben sich selbst gecastet. Nachdem ich mich das erste Mal mit Scarlett Johansson getroffen hatte, habe ich die Rolle sogar für sie umgeschrieben. Und Eva Mendes war nun auch wirklich keine schwierige Wahl. Schwierig war nur die männliche Hauptrolle.

Wieso?

Miller Wir haben Dutzende Schauspieler gecastet, aber es gibt ein grundsätzliches Problem:  Hollywood hat viele gute Schaupieler, aber nur wenige echte Männer. Gabriel Macht hatte, was wir gesucht haben.

Was macht einen Mann Ihrer Meinung nach aus?

Miller Selbstvertrauen, Ehre und Stolz. Vor allem Selbstvertrauen ist schwer zu finden. Ein Mann sollte eine Frau wie ein wundervolles Geschöpf behandeln und nicht wie seine Mutter.

Welche Szenen haben Sie aus dem Film geschnitten? 

Miller Der Tod des Octopus war viel ekelhafter, er wurde Stück für Stück zerlegt. Das wird dann aber sicher auf der DVD zu sehen sein.

In einer Szene treten Samuel L. Jackson und Scarlett Johansson als Nazis auf. Warum?

Miller Es stellt keiner mehr die Frage, ob jemand ein böser Mann ist, wenn er ein riesiges Bild von Hitler im Hintergrund zu sehen ist.

Stimmt es, dass Sie das Angebot, „The Spirit“ zu drehen, zunächst abgelehnt haben?

Miller Ja, weil der Erfinder Will Eisner mein Mentor als Comiczeichner war. Das Angebot hat mich überwältigt, weil er so viele tolle Sachen gemacht hat. Dann aber dachte ich: Niemand außer mir sollte den Stoff anfassen, weil es keiner besser könnte als ich.

Was fasziniert Sie so an Eisner?

Miller seine Sicht der Dinge. Selbst wenn eine Geschichte nicht funktionierte, hat er einen immer amüsiert. Du hast in seinen Bilder so viel entdecken können, Du siehst seinen Bildern seine Freude daran an.

Wie haben Sie es eigentlich geschafft, den Film in nur 48 Tagen zu drehen?

Miller Ich habe von Robert Rodriguez gelernt, effizient zu arbeiten. Du musst alle am Set elektrisiert halten. Du musst schlicht und einfach dafür sorgen, dass keiner Schauspieler wieder in seinen Wohnwagen geht.

Apropos Robert Rodriguez: Werden Sie beide einen zweiten Teil von „Sin City“ drehen?

Miller Das Buch ist fertig. Jetzt suchen Robert und ich jemanden, der es einen Film werden lässt.


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