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Zieh dich an!: Jacken gegen den Strom

VON ULI SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 31.01.2009 - 00:01
Sich regen im Regen.  Foto: RPO
Sich regen im Regen. Foto: RPO

Düsseldorf (RPO). Unser Mode-Kolumnist Uli Schwenk erzählt von einem Freund und dessen Regenjacke. Gegen den Regen im Herzen hat sie kaum geholfen.

Ein Freund von mir litt nach dem Examen an Depressionen und verließ sein Kinderzimmer im Keller seines Elternhauses nicht mehr. Er hat mir einmal davon erzählt, obwohl es im peinlich schien, und aus der Therapie diese eine Aufgabe geschildert: Wie er Menschenmengen gegen den Strom durchschritt, um erst wieder zu lernen, die Gegenwart anderer auszuhalten. Ich habe nie aufgehört, mich zu fragen, was die Leute dachten über diesen wankenden Jungen in seiner Regenjacke, bis unters Kinn geschlossen, so als müsste er an den Landungsbrücken dem Sturm trotzen.

Man sah ihn später nur noch in dieser Jacke, ein Geschenk des Großvaters, dunkelblau und von der Art, wie sie Generationen zusammengeknüllt an Gummibändern um die Hüften hing. Er trug sie auch, als wir damals beisammen saßen. Der Ärger über die spöttischen Gedanken, die mir das ausgebeulte und zerknitterte Nylon eingab, hat nie nachgelassen. Es war eine K-Way-Jacke, wie ich heute weiß, der Urtyp der funktionalen Regenjacke. Kein besserer Harnisch denkbar. Das würde ich ihm gerne sagen, auch das. Aber ich habe ihn seither nie wieder gesehen. Bis auf einmal, obwohl ich nicht sicher bin.

Die K-Way-Jacke hat Leon-Claude Duhamel 1965 in Paris erfunden. Es soll geregnet habe, als ihm die Idee kam zu einer wasserundurchlässigen, leichten Jacke, deren eigene Tasche dazu dient, das Kleidungsstück in ein kleines Paket zusammenzufalten. Allein im ersten Jahr verkaufte er 250 000 Exemplare. Es spricht für die Zeitlosigkeit dieses Klassikers, dass das französische Modelabel A.P.C. taufrisch eine Kollaboration mit K-Way eingegangen ist mit dem Ergebnis zweier limitierter Edel-Varianten.

Die schwarze Grundfarbe haben die A.P.C.-Puristen einmal mit weißen Reißverschlüssen durchbrochen. Eine Jacke hat eine technisch verfeinerte Hülle bekommen, die andere ein wärmendes Fleece-Futter. (www.endclothing.co.uk)

Ich selber besitze keine K-Way. Wer weiß schon, was aus einem wird in einer fremden Haut. Auf der Suche nach Ersatz bin ich beim englischen Surfer- und Outdoor-Label Finisterre angelangt. Dessen Matanuska-Jacke ist ein schlichtes, funktionales Kleidungsstück. Schmal geschnitten, Druckknöpfe. Sie besteht aus einer Poly-Baumwolle, einer Mischung aus Natur- und Kunstfasern, ist wasser- und winddicht, versiegelt durch eine dünne, schützende Wachsschicht.

Meinen Freund habe ich nur noch einmal gesehen, in der Tür einer Berliner S-Bahn, zwei Schienenstränge zwischen uns. Es war seine Jacke, eine an den Taschen jetzt schon in Fetzen hängende K-Way. Schmaler wirkte er, dass man denken konnte, wenn mal der Wind durchs Haus geht, nimmt er ihn mit. Kurz bevor die Bahn anfuhr, schien er etwas zu sagen und wies in meine Richtung. Es war wohl mehr ein Deuten in die Zeit als in den Raum.


 
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