Expedition: Jäger des mongolischen Todeswurms
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 09.02.2007 - 20:24Ulan-Bator (RPO). Früher zogen Monsterjäger mit einem Schwert ins nächste Abenteuer. Heute mit Plastikeimer und Videokamera. In der Wüste Gobi suchen vier junge Briten nach der schrecklichsten aller Kreaturen.
Der schaurigste Gedanke ist der, dass die vier Monsterjäger die Gejagten sind. Dass der Todeswurm sie verfolgt und nicht umgekehrt. Jeden ihrer Schritte aus sicherer Entfernung beobachtet wie diese Mörder in Teenager-Horrorfilmen und dann irgendwann zuschlägt. Sie wären nicht die ersten, so erzählen es die mongolischen Nomaden, die in der Wüste Gobi leben. "Ihr seid verrückt, den Todeswurm zu jagen", sagt ihnen ein Betrunkener, "er hat schließlich schon Tausende von Menschen getötet."
Die Monsterjäger Richard Freeman, Jon Hare, Chris Clark und Dave Churchill reisen im Auftrag des "Centre For Fortean Zoology" in die Mongolei. Die britische Organisation beschäftigt sich mit Tieren, deren Existenz nicht bestätigt ist. Dazu gehört der Todeswurm, der Allghoi Khorkhoi, ein wurstförmiger Wurm, über einen halben Meter lang und dick wie der Arm eines Mannes. Er sei dunkelrot wie Blut oder Salami. Sein Schwanz sehe aus wie abgeschnitten, und es sei schwer, seinen Kopf vom Schwanz zu unterscheiden, weil er weder sichtbare Augen noch Nasenlöcher habe und keinen Mund. Er lebe in einsamen Sanddünen und in den heißen Tälern der Wüste Gobi und komme nur nach Regen an die Oberfläche.
Er lebt in einsamen Sanddünen in der Wüste Gobi
Lebensgefährlich sei er, weil er Blasen bilde, die Gift oder Säure verspritzten. Das mache er vor allem, wenn er Gelb sieht. Manche behaupten, er könne elektrische Schläge versetzen. Viele wollen ihn gesehen haben, es gibt die gruseligsten Geschichten. Eine handelt von einem Jungen, der mit einer gelben Kiste spielt. Der Wurm, von der Farbe angezogen, schlüpft in die Kiste und wirft auf seiner Haut Blasen. Als der Junge eine berührt, stirbt er. Die Eltern verfolgen das Tier und sterben ebenfalls.
Um den Wurm zu finden, machen sich die Forscher auf den Weg von Ulan-Bator, der Hauptstadt der Mongolei, in den Südosten des Landes. Angeführt von Richard Freeman, ein Typ in Tarnuniform, der den Todeswurm vermutlich auch mit den Händen erledigen könnte. Sie haben zwei Führer und zwei Fahrer engagiert. Es ist eine unbequeme Reise, denn außerhalb der Hauptstadt gibt es kaum befestigte Straßen und ständig diese Sandstürme.
Nach einigen Tagen erreichen sie ein Gebiet, das "Long Red Mountain" heißt. Dort sieht es aus wie auf dem Mars. Der amerikanische Paläontologe Roy Chapman Andrews grub dort in den 1920er Jahren nach Fossilien und erfuhr als einer der ersten Ausländer vom Allghoi Khorkhoi.
Damals trat der mongolische Premierminister mit der Bitte an ihn heran, einen Todeswurm zu fangen. Er hatte keinen Erfolg, leugnete die Existenz des Tieres aber grundsätzlich nicht: "Wenn der Glaube daran unter den Mongolen nicht so stark wäre und es nicht jeder gleich beschrieben hätte, würde ich das ganze für eine Legende halten."
Auch die vier Briten treffen bald auf Menschen, die den Wurm gesehen haben wollen. Eine alte Frau führt sie über Wüstensand an den Ort, wo sie ihn entdeckt hatte, als sie mit ihrem Sohn die Kühe hütete. Sie heißt Sukhee und wie so viele Mongolesen wirkt sie älter, als sie ist. An einem Ast zeigt sie, wie lang der Wurm war, den sie gesehen hat. Knapp 40 Zentimeter.
Ein anderer Augenzeuge heißt Hurvoo, ein pensionierter Militär, der aussieht wie Mao mit grauen Haaren. Er sitzt auf einem Stuhl, beide Hände auf einem Stock verschränkt. Seine Geschichte geht so: An einem Maitag 1973 patrouillierte er mit seinem Motorrad, als er etwas Merkwürdiges sah. Ein Tier, das sich zusammengerollt hatte. Die Beschreibungen decken sich mit denen anderer Zeugen. Hurvoo holte eine Kamera, um das Tier zu fotografieren. Als er zurückkehrte, war es verschwunden.
Als es dunkel wird machen die Wissenschaftler eine Entdeckung
Die Wissenschaftler kommen in eine Gegend namens "Wall Canyon" und bauen Fallen. Sie graben Plastikeimer in den Sand und spannen ein Netz zwischen die Lücken. Der Plan: Will ein Tier vorbei, wird es sich solange am Netz entlang bewegen, bis es in einen der Eimer fällt. Als es dunkel wird, machen die Forscher eine schaurige Entdeckung. Um sie herum blitzen zahllose funkelnde Augen. Was kann das sein? Das ist doch nicht etwa..?
Entwarnung gibt es am nächsten Morgen: Es waren Geckos. In den Eimern: ein Haufen Ameisen, aber kein Todeswurm. Nach vier Wochen kehren sie zurück nach Ulan-Bator, sie haben den Wurm nicht gefunden. Freeman glaubt weiter an seine Existenz, jedoch nicht daran, dass er Gift verspritzt oder Stromstöße versetzt: "Es könnte eine Sandboa sein. Es könnte auch eine Wurm-Eidechse sein. Das sind primitive, sich eingrabende Reptilien, die weder Wurm oder Schlange noch Eidechse sind, aber mit den letzten beiden verwandt. Die Tiere sind bisher kaum erforscht."
Vielleicht haben die Nomaden mit ihren Geschichten die Legende vom Todeswurm aufgebauscht? Wie schnell das passiert, haben die Forscher zu Beginn ihrer Reise erfahren. Ein junger Typ erzählte ihnen die Geschichte eines Mannes, der eine Kreatur gesehen haben will, die aussah wie ein kleiner Yeti. Als das Tier gefangen wurde, sah die Wahrheit etwas anders aus: Der Yeti war ein Affe, der aus einem Zirkus ausgebrochen war.
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