Jupp testet die Welt
Heute: Big Brother, Folge: „Vom Einzug bis zum ersten Kuscheln in Rekordzeit“
Nach dem erfolgreichen Boykott der ersten sieben Staffeln ist es nun soweit: Ich schaue mir fast freiwillig eine Folge der gefühlt immer weniger beliebten Hobby-Voyeurismus-Show "Big Brother" an.
Vom Hörensagen, und selbst das ist schon einige Zeit her, weiß ich, dass es Wochenaufgaben gibt. Außerdem soll ab und zu jemand rausgewählt werden.
Die allererste Folge habe ich vor vielen Jahren gesehen. Damals stellte sich jedoch nach telefonischer Anfrage heraus, dass der grinsende Moderator vom Rauswählen ausgeschlossen ist. Danach habe ich „BB“, wie Fachleute sagen, nie wieder eine Sekunde meiner kostbaren Zeit gewidmet.
Wie also wirkt der „große Bruder“ wohl auf völlig ahnungslose TV-Zuschauer, die sich eines Abends versehentlich in den zweistelligen Bereich ihrer TV-Sender-Liste verirren? Dieser Frage wollte ich unbedingt einmal nachgehen…
Der Vorspann: Was bisher geschah…
Erstmals wurde in der Liveshow ein „Supernominator“ gewählt. Alex musste entscheiden, wer auf die Abschussliste gestellt wird. Er nominierte Marcel S., Isi und Serafino. Die Zuschauer schützten Serafino jedoch, so dass Hassan nachnominiert wurde. Also dann, mögen die Spiele beginnen…
Phase 1: Die Eingewöhnung
Nach wenigen Sekunden ist klar, worum es geht: Einige Taugenixe sitzen eingepfercht in irgendeinem von fleißigen Holländern verkabelten Raum und langweilen sich gegenseitig an. Wenn sie das nicht tun, dann zicken sie sich an oder verlieben sich ineinander. Danach langweilen sie sich an, um dann irgendwann völlig verliebt zickig zu werden…
Bisher passiert: Es wird sinnloses Zeug geredet und dabei der Dümmste gesucht, um ihn darwinistisch korrekt rauswerfen zu lassen. Dann stellen sich ein paar neue Bewohner vor. Zunächst Mari, ein unterarm-tätowierter Alleinunterhalter, der Janis Joplins „Mercedes Benz“ quält. Dann taucht plötzlich Nora auf, die auch ohne jegliche Textkenntnis „Sexbomb“ singt.
Zwischenfazit: Eigentlich sollte doch irgendeine Art von Interesse geweckt werden, damit in der Werbepause niemand wegschaltet. Ich möchte das schon jetzt, deutlich vor der ersten Unterbrechung tun.
Phase 2: Verstand? Fehlanzeige!
Alles geht blitzschnell. Der Verstand wird gekonnt ausgehebelt, so dass sich der RTL-II-Besucher auch mit einem IQ jenseits der 80 nicht ausgegrenzt fühlt. Man muss sich ganz einfach darauf einlassen, um keine Kopfschmerzen zu bekommen.
Bisher passiert: Alle freuen sich darüber, dass jetzt Nora da ist. Sie machen ihr Komplimente wie: "Du siehst höchstens aus wie 39". Nora freut sich jetzt wie ein Honigkuchenpferd. Ich muss gleich weinen!
Zwischenfazit: Ich habe mich bereits dem Geschehen hingegeben. Mein Interesse an Nora und Mari liegt trotzdem nahe der Nullgrenze und mir war noch nie so langweilig!
Phase 3: Fremdschämen
Die Bewohner machen den Eindruck, als machten sie das alles tatsächlich freiwillig. Trotzdem tut mir weh, was ich da sehe.
Bisher passiert: Isi erzählt Nora beim Einzug, dass Hassan mit Naddel zusammen war. Die ist aber freiwillig gegangen. Jetzt suchen beide unter Naddels Matratze nach Utensilien, die das Liebespaar bei nächtlichen Aktivitäten hinterlassen haben könnte. Mir ist schlecht!
Zwischenfazit: Die Leute machen den Eindruck, als würden sie es tatsächlich als Chance begreifen, rund um die Uhr im Fokus irgendwelcher High-End-Webcams zu stehen. Dabei sind sie sich für keine Peinlichkeit zu schade.
Phase 4: Eindlich mal wieder ein Paar
Serafino ist verliebt. Das Objekt der Begierde zieht jetzt ein. Endlich wieder ein Päärchen, aber das ist bestimmt reiner Zufall.
Bisher passiert: Serafino und die ebenfalls gerade neu eingezogene Steffi sind glücklich. Beide kennen sich wohl aus dem Internet und sehen sich jetzt erstmals live und in Farbe. Er ist glücklich und grinst pausenlos. Sie wirkt dagegen höchstens einigermaßen erfreut. Vielleicht liegt es aber auch an dem vielen Metall in ihrem Gesicht, dass sie ihre Freude nicht durch glückliches Dreinschauen zeigen kann.
Zwischenfazit: Das Gesehene ist so belanglos, dass es nicht einmal zu bösartigen Kommentaren reicht.
Phase 5: Hoffen auf das Ende
Wenn ich eine Uhr am Handgelenk hätte, dann würde ich inzwischen vermutlich dem Sekundenzeiger bei seiner spannenden Arbeit zuschauen.
Bisher passiert: Inzwischen ist noch jemand eingezogen. Ich war schon vorher mit den ganzen Namen überfordert, die mir der Sprecher entgegenschmetterte. Alle sind irgendwie kreuz und quer ineinander verliebt und einige bleiben dabei auf der Strecke. Ein wenig Dramatik aus der Konserve!
Zwischenfazit: Ich würde so gerne Mitleid für die unglücklich verliebte Isi aufbringen, aber die Müdigkeit zehrt so sehr an meinen Augen, dass einfach keine Tränen mehr kommen und ich lieber an dass Sandmännchen denke. Sorry Isi!
Es ist vollbracht
Big Brother ist und bleibt für eine ganz bestimmte Zielgruppe. Dem Holländer, der das Voyeurismus-TV vor vielen Jahren zu und gebracht hat, liegt das Zuschauen vermutlich in den Genen. Irgendwo zwischen Gurkenzüchten und Käse kaufen.
Den freiwilligen Konsumenten kann ich dagegen nicht verstehen. BB ist höchstens zu empfehlen, wenn man unter chronischem Zeitüberfluss in Einklang mit einer Baldrianresistenz leidet. Nach elfeinhalb Stunden sind die 60 Minuten Big Brother endlich um und ich brauch erstmal ein Bier!
Bis nächste Woche…