Jupp testet die Welt
Diese Woche: Das Barthaarmassaker
Karneval ist die Zeit des Bützens. Doch es wird nicht nur wahllos geknutscht. Bützen ist die höchste Form närrischer Zuneigung. Da will Mann gut vorbereitet sein. Beim Barbier hat sich Jupp daher schon einmal gesellschaftstauglich scheren lassen. Mit allen Konsequenzen...
Technisierung hin oder her: Am Beruf des Barbiers hat sich seit seiner ersten Erwähnung im Jahr 1397 nicht viel geändert. Noch immer wird das Gesicht vorgeweicht...
Was den Schaum damals ersetzt hat will man sich gar nicht erst vorstellen. Obwohl: Bei dem Geruch der heutigen Variante will auch kaum jemand die genaue Zusammensetzung studieren.
Als Ablage dient ein Stück alter Zeitung. Dann wird ein neues Messer eingesetzt und damit die erste Sorge über Bord geworfen: Das Messer ist schon mal frisch.
Dann aber der nächste Grund zum Fürchten: Der Kopf wird überstreckt und ein wildfremder Mann nähert sich dem Kopf mit einem (eigenen Angaben nach) "extrem scharfen" Messer.
Özkan macht aber einen souveränen Eindruck. Er drückt den Kopf nach links, dann nach rechts und schraddelt was das Zeug hält.
Noch wirkt er konzentriert, was die eigene Gemütslage zunehmend beruhigt.
Mit der Zeit bildet sich rund um die Nase aber das, was die Werbung mit dem schönen Begriff "Rasurbrand" vermarktet. Und der hat es bereits in sich!
Ein Gedanke an das vermutlich noch folgende Aftershave lässt Vernunft und Stolz blitzartig ein Duell ausfechten.
Während die Sorge vor den folgenden Schritten wächst, bringt Özkan seinen aktuellen gerade zu Ende.
Dann folgt der erste schmerzhafte Teil: Mit einem lippenstiftartigen Maltretier-Gerät beginnt er nun, die Blutpunkte zu bearbeiten. Das stoppt zwar in der Tat die Blutung, treibt weiter nördlich aber die erste Flüssigkeit in die Augen.
Puh, offenbar gibt es hier kein Aftershave, sondern nur ein bisschen Wasser.
Mist! Er hat das Zeug doch gefunden. Achtung!
Und rums! Während der Patient auf dem Stuhl leidet, erfreut sich Özkan an der bunten Klingelton-Werbung auf dem Decken-Fernseher. Mit innerem Blick auf seine Schnibbelei von davor, treibt mir das rückwirkend noch einmal einen Schauer über den Rücken.
Aber wir befinden uns ja kurz vor Karneval und da gilt: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Kurz vor dem Wahnsinn wird es übrigens nochmal lustig.
Gut, dass Özkan jetzt, da das Gesicht ohnehin kein Gefühl mehr kennt, die Creme auspackt. Aber immerhin ein Zeichen des guten Willens.
Trotzdem ist so eine Rasur aber wirklich ein Erlebnis - und mit sechs Euro immerhin günstiger als ein Facelifting.
In diesem Sinne, bis nächste Woche. Dann vermutlich noch immer ohne Gefühl rund um die Nase...