Jupp testet die Welt
Diese Woche: Luxus-Wasser
Der Weg von der Aufbereitungsanlage durch das Leitungssystem bis hin zum Verbraucher ist nicht mehr weit genug. Gutes Wasser wird inzwischen importiert. Australisches Regenwasser oder Quellwasser von den Fidschi-Inseln muss es neuerdings sein.
In unserer Region kommt das Wasser beispielsweise aus der Eifel. Gerolsteiner ist dort eine beliebte Marke. Es schmeckt nahezu nach nichts. Und das erwartet der Käufer ja eigentlich auch.
1,58 Euro kostet hier umgerechnet der Liter. Nicht gerade günstig, in einem Geschäft, in dem bis zu 16 Euro pro Liter fällig werden, aber dennoch ein Schnäppchen.
Widmen wir uns den edleren Tropfen: 1 half Litre heißt der Kandidat aus Amerika.
Immerhin liefert diese parfümflakonartige Flasche gleich einen Becher mit.
Der besteht allerdings "nur" aus Kunststoff. In dieser Liga hätte es ja wenigstens Glas sein können.
Das Wasser aus Michigan riecht nach... nichts!
Es fließt aus der Flasche wie... Wasser!
Und der edle Tropfen für immerhin sechs Euro pro Liter schmeckt nach... nichts! Immerhin mit einem bisschen Staub im Abgang. Eine kleine Überraschung gibt es also doch.
Jetzt haben wir wenigstens einen Becher. In dieser Liga trinkt man ja nicht proletarierartig aus der Flasche. Also dann, mögen die Spiele beginnen...
Auch hierzulande gibt es Wasserflaschen, die sich von der Kasten-Konkurrenz abheben. Ein Beispiel ist Black Forrest. Hier kostet der Liter 1,98 Euro.
Riesen Überraschung: Das Wasser kommt aus dem Schwarzwald.
Geschmacklich ist dieser Schluck voll im Soll. Kein Nachgeschmack, kein Kunststoff-Aroma. Alles bestens.
Werfen wir einen Blick übern großen Teich. Der Name Fiji verrät bereits die Quellregion.
Auch dort drüben wird das Wasser ganz primitiv aus der Erde gepumpt. Einen augenscheinlichen Unterschied zu uns gibt es dennoch: Das Rücketikett ist beidseitig bedruckt. Dadurch schimmern in der Flasche einige Palmblätter. Ein ganz netter Effekt.
Irgendwie wirkt das Wasser besonders weich. Vielleicht gibt es dort drüben ja keine alten und verkalkten Rohrsysteme, sondern nette Mitarbeiter, die das Wasser eigenhändig mit einem Holzeimerchen aus dem Brunnen holen.
Das würde jedenfalls den Preis erklären: 3,58 Euro werden hier für einen Liter fällig.
Werfen wir den Blick wieder zurück nach Europa: In Norwegen wird ganz profanes Brunnenwasser in besonders stylishe Flaschen gefüllt und dann teuer verkauft.
Allerdings wird hier offenbar weniger Geld in Hygiene reinvestiert. Der Flaschenhals ist jedenfall mit seltsamem Knas (für Nicht-Rheinländer: Dreck, Gedöns, sowas) verkrustet.
Egal: Im Dienste der Wissenschaft wird das Zeug dennoch probiert.
Es riecht seltsamerweise leicht nach Vanille und ist sehr weich.
Dafür darf man natürlich 3,58 Euro pro Liter verlangen. Ein fairer Kurs, bedenkt man, dass der Knas immerhin inbegriffen ist.
Kommen wir nun zum entferntesten und wohl teuersten Teilnehmen: Cape Grim ist laut Etikett "der Ort, an dem das reinste Regenwasser der Welt gewonnen wird". Wie die das wohl machen?
Das System ist sicher einzigartig und besonders aufwändig. Immerhin schaffen es die Australier, das Wasser nach nichts riechen zu lassen.
Und außerdem sieht es auch noch ganz besonders durchsichtig aus. Da darf man gerne mal 16 Euro pro Liter verlangen.
Geschmacklich hebt sich der Ferrari unter den Wassern übrigens tatsächlich von der Konkurrenz ab. Das Wasser schmeckt leicht erdig. Muss man nicht unbedingt haben! Aber irgendwie bringt mich dieses australische Geschäftsmodell auf eine Idee.
Regenwasser aus dem RP-Foundation-Tropenwald in Düsseldorf. Das Zeug ist immerhin handgeerntet. Da werden sicher ganz locker 80 Euro pro Fläschchen gezahlt.
Ich muss schnell los, das Patentamt schließt gleich. In diese Sinne, bis nächste Woche...