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Klicktipps
Austropop aus der Hölle

Klicktipps: Austropop aus der Hölle
Mit diesen Songs herzrast dein Radio. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. In der Rubrik "Klicktipps" stellen wir Links zu kostenlosen MP3-Downloads, Konzerten, Videos und Indie-Rockbands vor. In dieser Woche gibt es Austropop aus der Hölle. Von Stefan Petermann

Rotterdam hat den größten Hafen Europas. Was nicht halb so wichtig ist wie: Aus Rotterdam kommt die beste Noiserockband dieser Tage. Die heißen The Sweet Release Of Death, sind zu dritt und machen das, was Sonic Youth machen würden, wenn sie noch mal zwanzig wären und in Drachenblut gebadet hätten. Mit Dissonanzen in Moll, verzerrten Gitarrenfeedbacks und Stakkatodrums verstören die Niederländer ebenso wie die Stimme von Alicia Ferrer Breton mitreißt. Auf Bandcamp lässt sich ihr zweites Album komplett hören, "Fox" und "Solaris" stechen heraus.

Den Vogel ab schießt Voodoo Jürgens. Der ist Liedermacher aus Wien, sieht aus wie ein schmieriger Strizzi und hat es letztens auf Platz 1 geschafft. In seinen Texten geht es um Watschn, Ohrwaschlreiber und Kadaverfabriken. "Anti-Folk fürs Beisl" wird das genannt und klingt wie Wolferl Ambros aus einem Bizarro-Universum. Nicht zufällig ist Jürgens auf demselben Label wie Wanda. Ein ähnlicher Hype ist auch zu erwarten, jedenfalls bei all jenen, für die guter Pop nach alkoholgeschwängerten Moritaten klingen sollte. Im Video zu "Heite grob ma Tote aus" geht es durch die Abwasserkanäle Wiens.

Mit ihrem Namen Viet Cong waren sie nicht mehr zufrieden. Deshalb nennen sich die vier Kanadier nun Preoccupations. Der Sound bleibt der gleiche – eiskalt scheppernder Postpunk in der Tradition von Joy Division, wie Nachtmusik für Horrorclowns. Auf Bandcamp lässt sich elf Minuten lang das erbarmungslose "Memory" streamen.

Bei der Band Die Nerven ist Max Rieger laut und wütend. Bei seinem Soloprojekt All diese Gewalt kehrt sich der Zorn nach innen. Dafür mischt er Dreampop mit dem Minimalelektro von The xx, unterlegt das mit monotonen Dronebässen und Synthiexylophonen. Gerade weil die Klangflächen nie aus dieser eigentümlichen Befangenheit ausbrechen, erzeugt das eine hypnotische Intensität. Dafür steht das Video zu "Kuppel", in dem Rieger mit irren Augen den interessierten Betrachter terrorisiert.

 
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