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So klingt der gute Kleinstadthorror

Klicktipps: So klingt der gute Kleinstadthorror
Zu "Stranger Things" gehört auch strange Musik. Die kommt vom texanischen Quartett "Survive". FOTO: Netflix
Düsseldorf. In der Rubrik "Klicktipps" stellen wir Links zu kostenlosen MP3-Downloads, Konzerten, Videos und Indie-Rockbands vor. In dieser Woche essen wir Oma. Von Stefan Petermann

Durch die Decke geht gerade die 80-Jahre-Nostalgie-Serie "Stranger Things". Darin versuchen Teenager auf BMX-Rädern die Welt zu retten. E.T. trifft auf Telekinese und den Kleinstadthorror von Stephen King. Für die unheimlich wabernden Synthie-Hymnen im Stil der frühen John-Carpenter-Sachen ist das texanische Quartett Survive verantwortlich. Bevor der Soundtrack erscheint, sollte man auf Soundcloud das energisch pluckernde "Hourglass" hören.

Das Heino zum dunkelsten gehört, was Deutschland zu bieten hat, wissen auch die drei Berliner von Black Heino. Die mischen scheppernden Garagenpunk mit rotzigem Pubrock. Dazu gibt es bärbeißige Texte über Guido Knopp, Sozialstudien über Arbeitslose in Marienthal und die Rache von Jürgen Ponto. Ihr Debütalbum "Heldentum und Idiotie", das Stellung gegen Intimitätsterror und Gefühlsgrütze bezieht, ist soeben erschienen. Im Video zur ersten Single "Weltzeituhr" suchen sie als Fähnlein Fieselschweif nach dem Sinn im neoliberalen Großstadt-Lifestyle.

Lass uns doch mal was anderes probieren, dachten sich die beiden Teenager Rosa und Jenny aus Norwich und gründeten Let's Eat Grandma. Mit verwaschenem Gesang, psychedelischer Attitüde und überquellender Instrumentierung versuchen ihre experimentellen Stücke Bewusstseinsgrenzen auszuhebeln. Dazu schleichen sich immer wieder großartige Popmelodien in die Arrangements. Das ist ebenso märchenhaft wie gruselig und vollgepackt mit ausgefallenen Gedankenblitzen. Im Video zu "Deep Six Textbook" treiben die zwillingsähnlichen Geschöpfe wie tot im Wasser.

Der Facebook-Name von Abra lautet Dark Wave Duchess. Kann man so stehenlassen. Denn die Amerikanerin klingt wie die düstere Ausgabe der frühen Neneh Cherry – klappernde Kunstbeats, zeitlupenhafter Gesang wie der von FKA Twigs, dazu ein divenhaftes Auftreten im tiefsten 80er-Jahre-Chic. Auf Soundcloud lassen sich die Hits "Crymama" und "Fruits" hören.

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