Herzrasen: Korrekte Kamelle
VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 15.02.2010 - 00:01 Düsseldorf (RPO). Jecken geben jedes Jahr Millionen für Kamelle aus - auf Kosten von Arbeitern, die in der Dritten Welt für die Süßwaren-Industrie schuften.
Doch es geht auch anders.
Wer über die dunklen Seiten des Karnevals reden will, hat es nicht leicht. Das erleben die Mitarbeiter des Vereins „Jecke Fairsuchung” fast jeden Tag. Es gibt eben Dinge, die möchten die meisten lieber nicht so genau wissen. Zum Beispiel, dass für die Herstellung von Schokolade Kinder in Afrika fünfzehn Stunden am Tag auf Kakao-Plantagen arbeiten, statt zur Schule zu gehen. Sich dabei den Rücken ruinieren, sie dabei mit giftigen Pflanzenschutzmitteln hantieren oder sich beim Ernten mit der Machete verletzen können.
„Jecke Fairsuchung” setzt sich dafür ein, dass Karnevalisten bei den Zügen in Deutschland so genannte fair gehandelte Süßigkeiten unters Volk bringen. Im fairen Handel werden die Arbeiter auf den Plantagen in Entwicklungsländern wesentlich besser bezahlt als üblich und die Import-Firmen achten auf bessere Arbeitsbedingungen. Über den Verein „Jecke Fairsuchung” können Karnevalsgruppen fünf Sorten Kamelle aus fairem Handel mit Verpackung im Karnevalsdesign bestellen: Schokotäfelchen, Schokofußbälle, Sesam-Riegel, Maniok-Chips und Mango-Monkeys.
Faire Kamelle
Die Maniok-Chips etwa werden komplett in Indonesien produziert, von der Ernte der kartoffelähnlichen Maniokpflanze bis hin zur Verpackung. Rund 300 Bauernfamilien pflanzen dort Maniok für den fairen Handel an und verdienen damit mindestens 15 Prozent mehr, als die Händler auf dem nächsten Markt zahlen würden.
„Jecke Fairsuchung” wirbt bei Karnevalsvereinen und -gruppen für die politisch korrekten Kamelle, die die Karnevalisten dann über verschiedene Organisationen des fairen Handels wie Gepa oder El Puente beziehen können. Langfristig will der Verein den Anteil der fairen Kamelle im Karneval auf zehn Prozent steigern doch solche Zahlen liegen noch in weiter Ferne. „Momentan ist der Anteil verschwindend gering”, sagt Sprecher Roland Mohlberg.
Das Problem: Fürs gleiche Geld bekommen die Jecken im fairen Handel weniger Süßigkeiten und das kommt bei vielen Vereinen nicht gut an. „Vielen Karnevalisten geht es um Masse. Die sagen sich: Wenn ich schon Geld auf die Straße werfe, dann wenigstens mit vollen Händen”, erklärt Mohlberg. Die Fürsprecher des fairen Handels geben nicht auf, auch wenn ihre Arbeit oft frustrierend ist. Mohlberg sagt: „Fast jeder findet die Idee erst einmal gut. Aber nur die Wenigsten bestellen dann tatsächlich etwas.“
Doch die Hartnäckigkeit der Vereinsmitglieder zahlt sich langsam aus: Vor allem größere Unternehmen zeigen Interesse an den Kamelle, die sich gut als Teil einer politisch und ökologisch korrekten Firmenphilosophie verkaufen lassen. Ganz ohne schlechtes Gewissen geht es übrigens auch bei den Jecken in Krefeld-Hüls zu: Dort werfen die Zugteilnehmer mit Porree und das ist schon lange eine Tradition in dem Krefelder Ortsteil.
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