Kummerbuben: Schweizer packen Kulturbeutel
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.04.2010 - 07:59 Düsseldorf (RPO). Jede Woche füllen hier Musiker, Schauspieler und andere bekannte Menschen den "Herzrasen-Kulturbeutel". Hinein packen sie für uns alles, was ihnen lieb ist. Diesmal mit Simon Jäggi, Sänger der Schweizer Rumpelfolkrocker Kummerbuben, die mit "Schattehang" ihr neues ganz brillantes Album veröffentlichen. Darauf findet sich: trunkene Schweizer Folkrockmusik. Live ein Ereignis!
Mein Lieblingswort
Oder. Ein Wort, das der Berner hinter jeden zweiten Satz setzt – als Frage.
Meine Lieblingsband
Tom Waits. Es war die erste Musik, die bis in meine Herzkammern hervorgedrungen ist, es war mit zwölf, es wird immer so blieben, auch wenn ich ihn heute kaum noch höre.
Mein Lieblingsalbum
Momentan: Delaney Davidson, Self Decapation. Delaney ist ein Tramp, ohne festen Wohnsitz. Kommt ursprünglich aus Neuseeland, besucht immer wieder Bern, daher kenne ich ihn. Er macht grandiose Musik, nur wissen das nur wenige. Und wahrscheinlich will er das auch so.
Mein Lieblingsautor
Das ist wohl Max Frisch.
Mein Lieblings-Technikgerät
Natürlich mein Mikrofon. Das hat keine Knöpfe und ist daher auch für mich bedienbar.
Mein Lieblingsfilm
2046 von Won Kar Wei.
Mein Lieblingsbuch
Quatemberkinder von Tim Krohn.
Mein Lieblingsschauspieler
Das war Johnny Depp, als er noch keine Piratenfilme gemacht hat.
Mein Liebling
Das wird meine Tochter Klara immer bleiben.
Meine Lieblingsstadt
Es muss wohl Bern sein, sonst würde ich hier ja nicht feststecken. Es gibt aber diese Städte, die ihn mir das Fernweh hervorkitzeln und die Sehnsucht des Nichterfüllten, das ist etwa Hamburg, Berlin, Venedig und Paris.
Der Erfolg der Kummerbuben ist tröstlich – auf den ausgetretenen Pfaden des Pop sind auch 2010 noch Überraschungen möglich. Die Kummerbuben sind zunächst in die Katakomben der Schweizer Volksmusik getaucht, haben all jene Lieder hervorgeholt, die zu unflätig, morbide oder unpatriotisch waren, um ins zurechtgerückte Bild der heilen Heimat zu passen; sie haben dann die Melodien neu geschrieben und nur die für unsere Ohren possierlichen Texte behalten. Und siehe da: Aus den alten Liedern wurden kräftige Pop-, Rock-, oder Folksongs, denen man den Staub, der auf ihnen lag, kaum noch anhört. Vergessene Melodien der einfachen Leute, himmeltraurige Balladen und frivole Schunkellieder entdeckt man im Repertoire der sechs Musiker aus Bern.
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