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Eurovision Song Contest
Lena gewinnt - der Abend zum Nachlesen

Lena gewinnt den ESC 2010
Lena gewinnt den ESC 2010 FOTO: ddp
Düsseldorf (RPO). Wir haben es ja immer gewusst: Lena Meyer-Landrut hat mit großem Abstand beim Eurovision Song Contest in Norwegen gewonnen und den ersten Sieg für Deutschland seit 1982 geholt. Unser Autor hat den Triumph vorm Fernseher erlebt. Hier sein Protokoll, das er mit dem Ernst geschrieben hat, der dem Eurovision Song Contest angemessen ist. Von Sebastian Dalkowski

20:00 Uhr Herzlich Willkommen, Freunde und Förderer von Eurodance, Kunstnebel und Geigen vom Band. Sie alle werden heute Zeuge sein, wie Lena Meyer-Landrut alles mit ihrem Sieg vergessen macht, was Deutschland in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten so unbeliebt hat werden lassen in der Welt (Schnappi, Michael Schumacher, Rammstein u.a.).

20:05 Uhr Gebt mir ein L! Gebt mir ein E! Gebt mir ein N! Gebt mir ein A! Und was heißt das? HAMMERFRAU! I even did my moustache for you!

20:10 Uhr Gold-Lena tritt gegen 22.35 Uhr mit ihrem Song "Satellite" an. Wer sich davor und danach die Gesangschablonen nicht antun will – hier die Alternativen im Fernsehen: Das deutsche Lazarett spielt im ZDF gegen die Nationalmannschaft aus Ungarn, Die 25 prominentesten Promi-Ausrutscher mit der eisernen Lady Sonja Zietlow auf RTL, Spektakel im Stubaital im MDR.

20:15 Uhr Nun beginnt die ARD ihre Übertragung. Bis 21 Uhr berichten Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich von der Grand-Prix-Party in Hamburg. Dann übernimmt Kommentatoren-Urgestein Peter Urban in Oslo. Der Eurovision Song Contest ist bekanntlich um seine Sprüche herum erfunden worden.

20:21 Uhr Heinrich und Opdenmöbel schalten zu Lena und Stefan nach Oslo. Heinrich: "Wo ist die Mütze?" Lena gewohnt schlagfertig: "Dafür ist es zu warm, ich würde mir einen Wolf schwitzen."

20:28 Uhr In einem Interview hat der Chef-Pyrotechniker des Grand Prix gesagt: "Ich habe keine Ahnung, wo sie diese Songs finden. Wir machen die größte Musikshow der Welt. So gesehen sollten hier auch die größten Künstler der Welt stehen. Nein."

20:39 Uhr Nena singt in Hamburg gerade über alle Menschen, die sie lieben. Es ist eine sehr kurze Aufzählung. Gehört die Einladung der ARD schon zu ihrer Altersteilzeit?

20:45 Uhr Neue Regel in diesem Jahr: Bereits nach dem Auftritt des ersten Teilnehmers darf man für seinen Favoriten anrufen. Mehr als hundert Geigensamples pro Song sind verboten. Die Kostüme dürfen nicht aus dem Altkleidercontainer des Roten Kreuzes gestohlen worden sein oder aus dem Kölner Karneval oder dem Fundus von Thomas Gottschalk stammen. Viele Länder stehen plötzlich ohne Song und nackt da.

20:48 Uhr ARD-Heinrich schaltet in Lenas Heimatstadt Hannover. Überraschenderweise ist dort viel los. Ich hätte wirklich alles gedacht, aber das wirklich nicht.

20:57 Uhr Ein wenig Sorgen macht die neue Achse des Bösen, die osteuropäische Stimmenmafia. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits angekündigt, das Thema in die UN-Vollversammlung zu bringen, sollten sich die Weißrussen und Albaner wieder gegenseitig die Punkte zuschieben. "Sanktionen sind eine Möglichkeit, diese Länder daran zu erinnern, wer ihnen ihre Freiheit überhaupt gegeben hat", sagte sie kürzlich. Bravo, Angela!

21:00 Uhr Nun geht es nach Oslo, Opdenhövel macht sich fast in die Hose und stellt mal wieder unter Beweis, warum er keine eigene Fernsehshow moderieren darf.

21:13 Uhr Den Anfang macht eine 17-Jährige aus Aserbaidschan, die aussieht wie Winnie Cooper aus Wunderbare Jahre und angeblich Lenas schärfste Konkurrentin sein soll. Lächerlich. Die ist höchstens die nächste Ehefrau von Lothar Matthäus. Ein Kleid in den Wandfarben einer Psychotherapeutenpraxis, Backgroundsänger aus einem 40 Jahre alten Madonna-Video. 2008 hat Safura den Musikwettbewerb "Yeni Ulduz" gewonnen. Mal ehrlich – wer von uns hat Yeni Ulduz bis zum Ende verfolgt? Die Popnummer "Drip Drop" hat so viel Relevanz wie meine Meinung zum Thema Ohrenmarken beim Treffen der Kreisrindviehzüchter.

21:15 Uhr Nun das Land der Pfannkuchen und Fjorde - Spanien war fürs Finale gesetzt. In einem Interview hat Sänger Daniel Diges gesagt: "Ich bin ein bisschen merkwürdig." Aber Daniel, was soll denn an einem Typen mit Haarexplosion vor ein paar ulkigen Zirkuskünstlern merkwürdig sein? Das ist nicht merkwürdig, sondern einfach nur völlig bescheuert. Sein Titel "Algo pequeñito" klingt wie eine spanische Musicalversion irgendeines Eros-Ramazotti-Songs. Da muss man als Fan natürlich mit auf die Bühne.

21:20 Uhr Die Norweger setzen uns in diesem Jahr ein Stück vor, bei dem sich im Musical am Ende immer der Mann und die Frau küssen würden. In diesem Fall singt Didrik Solli-Tangen aber alleine "My Heart Is Yours" und schwingt sich zur norwegischen Susan Boyle auf. Nur dass der gute Didrik aussieht, als habe er früher bei Boyzone gesungen. Bald auch auf Ihrer Hochzeit.

21:23 Uhr Nun das SunStroke Project & Oli Tira aus Moldawien. Die Musik erinnert an den Techno, der in den 90ern auf der Kirmes lief, wenn der Musikexpress rückwärts fuhr, das Outfit stammt aus Restbeständen des Seminars "Wie sich C&A coole Mode für coole Kids" vorstellt.

21:28 Uhr Die Zyprionesen waren so überzeugt von ihren eigenen Fähigkeiten, dass sie den Waliser Jon Lilygreen nach Oslo geschickt haben. Jon Lilygreen, der keine Figur aus Peter Pan ist, trägt auf seiner Holzgitarre gerade etwas vor, das klingt, als hätte John Mayer neben all seinen schlechten Ideen ausnahmsweise eine noch schlechtere Idee gehabt. "Life Looks Better In Spring" heißt der Song, mit dem Zypern geradezu darum bettelt, nicht in die EU aufgenommen zu werden.

21:31 Uhr Der sechste von fünfundzwanzig "Beiträgen": Als Vukašin Brajić aus Bosnien und Herzegowina eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu Jon Bon Jovi verwandelt. Für Eurovision-Verhältnisse ist sein Song "Thunder and lightning" aber schon Death Metal.

21:35 Uhr Belgien - das Land der Alpenpässe und Sandwüsten. In diesem Jahr versucht eine Ein-Mann-Version von Coldplay mit Hut, nicht letzter zu werden. Der NDR schreibt auf seiner Homepage, dass die stärkste Waffe von Tom Dice seine Gitarre ist. Das ist ungefähr so, als würde man sagen, dass die stärkste Waffe von Roland Koch seine Toleranz ist. Tom Dice singt "Me And my guitar". Zu so einem Schmachtsong haben wir früher in der achten Klasse mit Tina und Barbara geschwoft. Erfolglos natürlich. Peter Urban ist verliebt.

21:39 Uhr Serbien tut in diesem Jahr wirklich alles, um die Welt davon zu überzeugen, dass es in einem Jahrhundert lebt, das nicht das 21. ist. Milan Stanković sieht aus wie der Kleine Lord nach einer schiefgegangenen Botox-Behandlung. Stanković hat verraten, dass er als Kind lieber Cowboy oder Prinz geworden wäre. Noch kannst du, Stanki!

21:41 Uhr Spanien darf wegen des Fans, der wohl auch schon den Papst umarmt hat, am Ende noch mal antreten.

21:43 Uhr Nun Startnummer 9: Die weißrussischen Künstler "3+2" haben höchste weißrussische Regierungskreise selbst ausgewählt - und die sind ja bekannt für ihren exzellenten Musikgeschmack. "3+2" steht übrigens nicht für 3 Frauen und 2 Männer, sondern für 3 verschenkte Minuten und 2 Punkte. Die Popballade "Butterflies" klingt, als sei sie für das Ende des neuen Walt-Disney-Films geschrieben worden – da, wo dann auch die Kaffeekannen und Bäume mitsingen.

21:47 Uhr Die Irin Niam Kavanagh hat den Grand Prix bereits 1993 gewonnen und tritt nun mit "It's For You" an, das ebenfalls aus dem Jahr 1993 sein könnte. Genau wie der Kunstnebel, in dem die Frau in lila steht. Ladies and Gentleman - erheben Sie sich zum unvermeidlichen irischen Flötensolo.

21:51 Uhr Falls Sie gedacht haben, dass die Ermordung des Euro das schlimmste ist, zu dem die Griechen fähig sind, dann haben Sie Giorgis Alkaios & Friends noch nicht gesehen. 1989 folgte Giorgos seiner Berufung, heißt es. Welche soll das sein? Damit er nicht ganz so bescheuert aussieht, sehen seine Backgroundsänger aus dem Stripclub noch bescheuerter aus. Der Song "OPA" hört sich an, wie sich Deutsche griechische Musik vorstellen. Wenn nicht sogar noch schlimmer.

21:56 Uhr Großbritannien versucht auf dem Grand Prix seit Jahrzehnten erfolgreich zu verbergen, dass es das Mutterland des Pop ist. Auch in diesem Jahr haben es die Briten wieder geschafft, den schlechten Sänger mit dem schlechten Song weit und breit auszuwählen. Josh Dubovie ist so talentfrei, dass er bereits beim Vorsingen des britischen DSDS scheiterte. Geschrieben haben die müde Tanzpopnummer "That Sounds Good To Me" zwei Kerle, die bereits für Rick Astley und Bananarama Hits schrieben. An die erinnern sich höchstens noch Leute mit schlohweißem Haar oder in Särgen.

21:58 Uhr Peter Urban deutet an, dass er Norwegen verklagt, weil seine Kabine zu eng ist und er den Bus nehmen muss, um zur Toilette zu kommen.

22:02 Uhr Georgien durfte 2009 nicht am Grand Prix teilnehmen, weil sein Song die vertonte Kriegserklärung an Russland war. Nun tritt Sofia Nizharadze an, eine klassisch ausgebildete Sängerin. Was das bringt? Rein gar nichts. "Shine" ist so schnell vergessen wie die Tatsache, dass das älteste erhaltene Buch der georgischen Literatur das "Martyrium der Heiligen Schuschanik" ist. Ja okay, der angedeutete Beischlaf mit den Backgroundmännern macht mich unruhig.

22:05 Uhr Die türkische Band Manga entdeckt mit dem Song "We Could Be The Same" den Nu Metal - ungefähr zehn Jahre, nachdem die Welt anfing, sich für Nu Metal zu schämen. Diesen Musikstil machen bekanntlich die Bands, die weder rappen noch Gitarre spielen können und deshalb beides kombinieren.

22:08 Uhr Noch sieben Songs bis Gold-Lena. I even did my face for you, Lena. Nun covert die Albanerin Juliana Pasha im historischen Kostüm einen Song von Britney Spears oder Anastacia aus dem Jahr 1999 und setzt dabei vor allem auf die Tatsache, dass sie eine Frau ist. Der Produzent scheint so erstaunt darüber zu sein, einen Computer bedienen zu können, dass ihm alles andere egal ist.

22:12 Uhr Die Mehrheit der Isländer, also vier Leute, hat sich dafür entschieden, Hera Björk mit ihrem Song "Je na sais quoi" nach Oslo zu schicken, was glaube ich kein isländischer Titel ist. Auch die Isländer bringen es wie die Briten fertig, aus einem Volk von talentierten Musikern gerade die auszuwählen, die es nicht können. Gerüchten zufolge hat sich Hera Björk die Beats von Scooter oder dem Eyjafjallajökull schreiben lassen. Ich glaube, im echten Leben leitet Hera eine Freizeitgruppe für freche Frauen.

22:16 Uhr Das Internet informiert mich darüber, dass die Stimme der Ukrainerin Aljoscha vier Oktaven umfasst. Hätte ich Ahnung von Musik, würde mich das wohl beeindrucken. Leider umfasst ihr Gesicht aber nur 0,5 Gesichtsausdrücke. Zu ihrem Song "Sweet People" fällt mir nur ein, dass ich bereits dabei bin, ihn zu vergessen. So ungefähr habe ich mir immer das Mädchen mit den Schwefelhölzern vorgestellt und zwar am Ende des Märchens. Peter Urban fragt: Was soll die Kapuze? Ich frage zusätzlich: Was soll Urban?

22:21 Uhr Wer hätte das gedacht - die Franzosen schicken einen Song ins Rennen, bei dem man nicht gleich auf die Toilette rennen muss. Nun ja, wenn die Sonne tief steht, werfen auch die Zwerge Schatten. Jessy Matador singt "Allez! Ole! Ole!". Was so viel heißt wie "Los, los, jetzt, bewegt endlich eure faulen Ärsche!" Ich tanze mit meiner Flipstüte.

22:26 Uhr Was für eine grausame Erfindung ist das denn? Paula Seling & Ovi aus Rumänen sitzen sich an einem gläsernen Doppelflügel gegenüber und singen sich gegenseitig zu, was für eine scheußliche Fetischmode der andere trägt. Wer nicht hellwach ist, hält die beiden für Sandra & Zlatko. Wer hellwach ist, fragt sich, ob die Rumänen nicht schon genug mitgemacht haben.

22:28 Uhr Russland, der sympathische Südseestaat, schickt seinen ersten Internetstar ins Rennen. Peter Nalitsch wurde mit einem Youtube-Video berühmt. Fans können sich all seine Songs kostenlos im Internet herunterladen. Alles andere wäre Anmaßung gewesen. Angeblich soll sein Lied "Lost and forgotten" ironisch gemeint sein. Beliebter Trick: Es nicht besser können und es dann Ironie nennen. Der junge Mann scheint so arm zu sein, dass er erotische Aufnahmen nicht in einem Heft kaufen kann, sondern selbst zeichnen muss.

22:34 Uhr Auch Armenien hält sich an die Regel, dass ein Song beim Grand Prix nur Trends vor 1995 aufgreifen darf. So flach wie das Niveau ist auch der Bauch der Sängerin Eva Rivas. Andere Körperteile weniger.

22:37 Uhr Und da ist sie, unsere Gold-Lena, die bekannteste und wichtigste Deutsche nach Mutter Beimer. "I even did my hair for you" singt sie mir zu und dass sie sich blaue Unterwäsche gekauft habe. Ganz, ganz großes Rasenschach. Deutschland ist so weit vorne wie Jesus beim 100-Meter-Lauf übers Wasser. Alles andere als ein Sieg wäre ein Kriegsgrund. I even did my toe nails for you, Lena! Ein Journalist hat Lena gefragt, an wen sie denkt, wenn sie singt: "Ich denke nicht, wenn ich singe. Dann ist kein Platz mehr in meinem Gehirn."

22:41 Uhr Noch immer zittere ich am ganzen Körper. Lena, bist du eine Marienerscheinung? Nun kommt nur noch der Besenwagen des Grand Prix: Noch nie war ein portugiesischer Künstler beim Grand Prix in den Top 5. Das könnte unter anderem daran liegen, dass sie sich beharrlich weigern, ihre Lieder in einer erträglichen Sprache zu singen. Auch Filipa singt irgendetwas, das klingt, als würde jemand Maria Carey rückwärts intonieren. Lange nicht mehr gehört: ein Geigensample.

22:46 Uhr Wo wir gerade von Sprachen sprechen, in denen man besser keine Lieder singt - Israel ist an der Reihe mit einer Ballade, für die andere vor den Gerichtshof für Menschenrechte müssen. Vermutlich geht es auch wieder um so eine Nationalfrucht. Harel Skaat heißt der Mann, der sich darum bewirbt, zum langweiligsten Haargelmodel aller Zeiten zu werden. Peter Urban hat offensichtlich einen anderen Song gesehen in seinem Hühnerkäfig.

22:50 Uhr Was haben sich die Dänen eigentlich dabei gedacht, als sie Chanée & N'evergreen zum Grand Prix schickten, um die Herzblatt-Show nachzuspielen? Die Mohammed-Karikaturen waren ja noch okay, aber diese Schmachtpersiflage ist wirklich ein Grund, dänische Produkte zu boykottieren. Selbst wenn man überhaupt nicht weiß, welche Produkte aus Dänemark kommen. "Every breath you take..."

22:51 Uhr Die deutsche Nationalmannschaft hat übrigens 3:0 gegen Ungarn gewonnen. Lena Meyer-Landrut hat alle drei Tore geschossen.

22:53 Uhr Der Spanier darf noch mal, weil er sich erschrak, dass er einen Fan hat. Also sehen wir die Frisurenexplosion und das Laientheaterspiel "Der standhafte Zinnsoldat" ein zweites Mal. Gleich noch mal meinen Freund Kalle anrufen, dass er wieder auf die Bühne rennt.

23:01 Uhr Alle Musiker sind durch, ich auch. Der norwegische Moderator, formerly known as the Ein-Mann-Love-Parade, trötet und konfettit. Im Schnelldurchgang aller Kandidaten fällt mir auf, wie viel Lebenszeit ich verschwendet habe.

23:06 Uhr Ich ärgere mich ein wenig, dass ich keinen schnellen Witz gemacht habe, der den Leibesumfang der isländischen Sängerin mit einem Vulkan in Verbindung bringt.

23:11 Uhr Ich genieße den Schnelldurchgang ein zweites Mal. Kein Zweifel, die Griechen meinten es ernst. Aber unsere Goldkehle... gleich morgen zwinge ich meine Eltern, mich nachträglich in Lena umzubenennen.

23:16 Uhr Flashmob? War das nicht das, zu dem sich junge Leute vor elf Jahren im Internet verabredet haben?

23:23 Uhr Gleich werden die Ergebnisse bekanntgegeben. Ich mache mir vor Aufregung fast in die Hosen, habe die aber bei Lenas Auftritt vor Begeisterung aus dem Fenster geworfen.

23:28 Uhr Nun holen wir uns den Sieg. Die Rumänen geben zwölf Punkte an - Dänemark? Und Lena nur drei? Irland gibt immerhin acht Punkte an Lena und zwölf an - Dänemark? Seit wann ist das Land eigentlich unabhängig?

23:30 Uhr

23:35 Uhr

23:39 Uhr

23:41 Uhr

23:47 Uhr

23:54 Uhr Die Hälfte der Länder muss noch abstimmen. Die Slowakei gibt uns ihre zwölf Punkte. Bulgarien verabschiedet sich mit drei Punkten gerade aus der engeren Auswahl möglicher Urlaubsziele. Der lettische Moderator hat Blumen vom Friedhof geklaut, gibt uns aber zwölf Punkte und deutet an, dass auch er in Lena verliebt ist. Ich finde dich, lettischer Moderator.

23:58 Uhr Norwegen, mit denen uns eine ausschließlich freundschaftliche Verangenheit verbindet, packt Lena die zwölf Punkte ins Körbchen. Zypern hingegen gibt uns mit vier Punkten ein Argument, die Insel in die Antarktis zu schleppen.

00:01 Uhr Der weißrussische Moderator spricht, als habe er einen Roboter aufgegessen und sein Herz gegen ein Hemd ausgetauscht. 0 Punkte aus einem Land, das sich nicht mal einen eigenen richtigen Namen ausdenken konnte. Die Schweiz gibt uns mit zwölf Punkten das zurück, was wir jahrhundertelang auf ihre Banken gebracht haben. Über 60 Punkte Vorsprung. Oh mein Gott, wir können das Ding hier gewinnen. Wie 1954, 1974 und 1990.

00:04 Uhr Großbritannien ist noch so erzürnt darüber, welch miesen Sänger sie in den Contest geschickt haben, dass sie sich bei uns mit vier Punkten rächen. Holland beweist nach Fleischrolle und Erdnusssauce wieder schlechten Geschmack und gibt Lena ebenfalls nur vier Punkte. Wenn noch ein Punkte-Bekanntgeber versucht, Norwegisch zu sprechen, rufe ich die Polizei.

00:07 Uhr Peter Urban hat seinen Taschenrechner rausgeholt und ausgerechnet: Lena gewinnt vorzeitig den Grand Prix. Nun mache ich mehrere Ausrufezeichen, aufgepasst: !!!!!!!!!! Meine Freudentränen sind von einer Echtheit, die selbst mich überrascht. Die Punkte-Bekanntgeberin aus Mazedonien hingegen ist charmant wie eine blutverschmierte Guillotine.

00:10 Uhr Auch die georgische Punktefrau ist warmherzig wie eine Scheibe Hackbraten im Gefrierfach. Ihre lächerlichen null Punkte für Deutschland macht das Land zu einem Kandidaten für unseren Atommüll. Zwölf Punkte aus Schweden, das Land, das wir durch unsere Einkäufe bei Ikea ja seit Jahrzehnten am Leben erhalten.

00:16 Uhr Selbst in den Momenten des Glücks spricht Lena ein Englisch, das so flüssig ist wie Vanilleeis in der Mittagssonne. "This is so oh." 246 Punkte hat sie erreicht und wird nun gefeiert, als habe sie den Grand Prix gewonnen. Moment - sie hat ja den Grand Prix gewonnen. Lena, I even washed my underpants for you.

00:35 Uhr Letzter Eintrag, bevor ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg nach Hannover mache: Vielen Dank an alle, die diesen Live-Ticker mit dem angemessenen Ernst verfolgt haben. 

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