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Mein Herz schlägt schneller: Der beste Nebenroman der Welt

VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 23.09.2008 - 23:48

Düsseldorf (RPO). 2000 hat Sven Regener die Welt überrascht, weil es ihm gelungen ist, seinen schnoddrigen Gesangs- und Lebensstil in einen Roman („Herr Lehmann“) zu übertragen. 2005 wiederholte er das Überraschungs-Kunststück, als er zeigte, dass das auch über mehr als 600 Seiten möglich ist und mit einer Geschichte über die Bundeswehr („Neue Vahr Süd“). Stilistisch Unerwartetes liefert Regeners neues Werk „Der kleine Bruder“ nicht, dennoch dürften die wenigsten mit der zentralen Idee des Autors gerechnet haben. Sven Regener hat nämlich den besten Nebenroman der Welt geschrieben (das hofft jedenfalls der Schreiber dieses Textes).

Sven Regener hat auch in seinem dritten Roman einen Satz fürs Leben geschrieben.  Foto: ddp, ddp
Sven Regener hat auch in seinem dritten Roman einen Satz fürs Leben geschrieben. Foto: ddp, ddp

„Der kleine Bruder“ setzt in dem Moment an, in dem „Neue Vahr Süd“ endet: Bei der Fahrt des Protagonisten Frank Lehmann von Bremen in seine neue Heimat Berlin, wo er seinen künftigen besten Freund Karl kennen lernt. Der Roman schildert, was in einer Nacht alles passieren kann und geht der Frage nach, ob und wie stark sich ein Mensch in wenigen Stunden verändert.

Wie seine Vorgänger liefert auch „Der kleine Bruder“ einen wichtigen Satz fürs Leben. Nach „Denkt an die Elektrolyte“ und „Am Ende verliebt man sich noch, und dann wird’s extrabitter“ folgt nun „Trink immer, solange du noch kannst. Man weiß nie, ob später nicht was dazwischenkommt“.

Und noch eins kann der Roman: Obwohl er ein im Kalten Krieg erstarrtes Berlin zeigt, in dem die einzige Dynamik von Punk- und sonstigen linken Gruppen ausgeht, die sich gegenseitig wegen nichts das Leben schwer machen, macht dieser Roman unfassbar Lust auf Berlin. Insbesondere allen, die dachten, sie müssten diese Stadt nicht mehr großartig finden.

„Der kleine Bruder“ kostet 19,90 Euro.


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