Herzrasen: Film des Jahres auf DVD
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 20.01.2010Düsseldorf (RPO). Die Hoffnung in Quentin Tarantino war dahin, und zwar so: Erstkontakt mit dem neuen Film in der 16. Woche nach dem Start. Dafür extra den Kinotag ausgewählt, damit es nicht mehr als fünf Euro kostet. Bei Überlängen-Aufschlag kurzfristigen Wechsel des Wunschfilms erwogen. All das 148 Minuten später fürchterlich bereut und als Versuch der Wiedergutmachung die DVD von „Inglourious Basterds“ noch vor dem Erscheinen bestellt. Jetzt ist sie da.
Ganz so unberechtigt war das Schwinden der Hoffnung in Tarantino nicht. Nüchtern betrachtet hatte er eineinhalb gute Filme gemacht. „Reservoir Dogs“, weil er so günstig so gut war und weil es „Pulp Fiction“ noch nicht gab, und eben den immer wieder unfassbar genialen „Pulp Fiction“. Danach kamen zu lang geratene Zitat-Orgien und zu schuntig geratene Schunt-Satiren. Erst „Inglourious Basterds“ beweist, dass Tarantino viel mehr ist als der Autor von absurden Dialogen.
„Inglourious Basterds“ ist Theater mit den Mitteln des Kinos. Tarantino zeigt Szenen, die 20, 30 Minuten lang sind, ohne dass sie auch nur eine Sekunde nicht wirken. Bisweilen erscheinen diese Szenen atmosphärisch so dicht, als säße der Zuschauer nicht nur vor einer Bühne, sondern darauf. Das liegt natürlich vor allem am noch immer nicht genug gelobten Christoph Waltz.
Dass „Inglourious Basterds“ sogar trotz „Das weiße Band“ (oder zumindest daneben) der Film des Jahres 2009 war, zeigt sich spätestens bei den Schwächen des Films: Tarantino hat an mindestens zwei Stellen immer noch zu große Freude an deutlicher Gewalt, die nicht erforderlich ist, und er kann es an einer Stelle nicht lassen, sich als Regisseur explizit in eine Szene einzumischen.
Die DVD bietet über den Kino-Film hinaus ein paar kleinere Freuden: zwei Episoden in der extralangen Version sowie einen Blick auf den im Film zentralen Film „Stolz der Nation“.
„Inglourious Basterds“ kostet rund 15 Euro, die teurere Sonderedition sei nur Leuten empfohlen, die noch etwas gut zu machen haben.
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