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Mein Herz schlägt schneller
Irrer Fußballkommentator

Mein Herz schlägt schneller: Irrer Fußballkommentator
Wolff-Christoph Fuss kommentiert am Samstag das Champions-League-Finale zwischen Manchester United und dem FC Barcelona. FOTO: Sat1
Düsseldorf (RPO). Bist Du irre! Wolff-Christoph Fuss ist ein besonderer Mikrofonmann. Wenn's auf der Wiese heiß wird, geht er steil, schreit er wie kein Zweiter, lobt Spieler mit Schimpfworten. Eine Verbeugung. Von Sebastian Peters

Sein Markenzeichen ist die als Lob gemeinte Beschimpfung: Als Wolfsburg Stürmer Grafite den FC Bayern in der Klinsmann-Ära mit der Hacke düpierte, als er durch die Abwehr wedelte wie ein Skifahrer durch die Slalomstangen, um am Ende mit dem Hinterteil seines Fußes zu vollenden, da lief auch Kommentator Wolff-Christoph Fuss zu Hochform auf: "Bist Du verrückt, bist Du verrückt", schrie er Grafite an. Das Tor an sich war ja schon klasse, eine perfekte Symbiose ging es aber erst mit dem wahnsinnigen Kommentar von Wolff-Christoph Fuss ein. Tor des Jahres – Kommentator des Jahrzehnts?

Der Mann ist erst 33, aber er ist am Mikrofon ein Fußballvulkan. Während die Öffentlich-Rechtlichen den nüchtern-analytischen Blick auf den Fußball präferieren, zeigt sich Wolff Fuss als ungehemmter Enthusiast, er legt bei jedem Satz ein Seelenleben offen. Das kommt davon, wenn man sein Handwerk beim Insel-Fußball lernt. In England kommentierte für das DSF die Premiere-League-Partien. Er ging zu Premiere, einem Laden, den man als wirklicher Fußballfan kaum mögen kann. Echte Fußballfans gehen ab und an ins Stadion – warum also 25 Euro für einen Sender zahlen, den man nur die Hälfte der Zeit schauen kann? Die Reportergeneration Premiere war also mit dem echten Fußballfan nie ganz verbandelt, leider auch Fuss nicht. Seit der neuen Saison ist "Wolffi", wie ihn seine Fans nennen, bei Sat1 zu sehen und moderiert dort die Europa-League. Jetzt ist er für alle da.

Neuerdings gibt es auf Youtube die beliebte Disziplin, Kommentare von Wolff-Christoph Fuss mit Musik zu unterlegen. "Wolff-Christoph Fuss Compilation" nennen sich die Filmchen. Dort brüllt er sich durch die Stadien unseres Kontinents, dass es eine wahre Freude ist. Auf dem Bildschirm sind dann Fotos von Fuss am Mikro zu sehen. Das ist dann wohl die ganz große Form der Ehrerbietung. Mit Recht! Denn Wolff-Christoph Fuss hat einen Beruf zum Leben erweckt, der durch die öffentlich-rechtliche Analysetristesse schon längst als eingeschlafen galt: Fußball ist Emotion, und Fußballreporter müssen laut werden dürfen. Wie gut, wenn sie dann auch noch Ahnung haben.

 
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