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Mein Herz schlägt schneller
Locas In Love für alle
Mein Herz schlägt schneller: Locas In Love für alle
Locas In Love posieren gerne in extravaganten Posen. Björn Sonnenberg sitzt rechts. FOTO: Band
Düsseldorf (RPO). Die großartigen Locas In Love veröffentlichen im Juli ihr neues Album „Lemming“. Für die Kölner Indie-Rock-Band gilt schon lange: Bitte berühmt werden! Von Andreas Buchbauer

Es heißt jetzt also: warten. Fünf Jahre ist es her, dass ein Album namens „Saurus“ die Herzen der Indie-Rock-Hörer im deutschsprachigen Raum verzückte. Locas In Love hieß die Band, kam aus Köln und vereinte auf ihrer Platte wunderbar poppig-rockige Melodien mit intelligenten, lakonischen, ja: wundervollen Texten. „Ich habe eine lange Liste von Leuten, mit denen ich etwas klarzustellen hätte“, sang Björn Sonnenberg, „von Aussprachen, für die es jetzt zu spät ist, von Witzen, die mir zu spät eingefallen sind, von Malen, wo ich besser meinen Mund gehalten hätte“. Sonnenberg sang dies derart betörend, dass man miteinstimmen wollte, wenn er herzzerreißend schnoddrig verkündete: „Und sie wird immer länger und ich kann nichts vergessen und bin furchtbar besessen.“

Es ist nicht bloß, dass jeder solche Listen problemlos aufstellen könnte. Es ist der Charme, mit dem Sonnenberg diese Liste besang, und die Tatsache, dass dieses Lied ausgerechnet den Titel „Monkey“ trägt. Humor is in the house, und zwar äußerst liebenswürdiger Humor. So ist das bei Locas In Love.

So viel Liebenswürdigkeit ist der Musikpolizei natürlich verdächtig. Liebling bleibt nur, wer in möglichst kleinen Clubs spielt. Das galt auch für Saurus: Weil die Platte nicht das große Publikum eroberte, blieb Locas In Love die Rolle der Indie-Lieblinge. Zu viel Erfolg macht im Indie-Rock verdächtig. Dabei ist das der größte Blödsinn überhaupt: diese Schubladen. Locas In Love hätten es verdient, das große Publikum zu erobern. Weil es nie schlecht ist, wenn Liebenswürdigkeit betört. Auch auf dem Saurus-Nachfolger „Winter“ blieb die Band dieser Liebenswürdigkeit treu. Deshalb gilt für „Lemming“ und die noch heimliche Kölner Lieblingskapelle: Bitte berühmt werden! Sie hat es verdient.

Vielleicht ist „Lemming“ ein passender Titel für die neue Platte, die im Juli erscheint. Er erinnert an ein 90er-Jahre-Computerspiel. Da musste man seine Lemminge möglichst sicher und ohne abzustürzen durch die Level lotsen, sie wohlbehalten ans Ziel, zum nächsten Ausgang bringen. Das sei auch Locas In Love gegönnt: Erfolg zu haben, und die Indie-Rock-Gemeinde mitzunehmen. An all die schönen Orte, die die Band besingt. Zum Beispiel in dem alten Song „Wartezimmer“, den es als kostenfreien Download auf der Bandhomepage gibt. „Wir fahren irgendwo hin, wo es Glühwürmchen gibt, und besseres Wetter“, singt Stefanie Schrank darin. Eines ist sicher: Locas In Love leuchten bereits.

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