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Klicktipps
Musik wie ein umgekehrtes Gewitter

Klicktipps: Musik wie ein umgekehrtes Gewitter
Lianne La Havas hat was am Rücken. FOTO: John-Paul Pietrus
In der Rubrik "Klicktipps" stellen wir Links zu kostenlosen MP3-Downloads, Konzerten, Videos und Indie-Rockbands vor. In dieser Woche geht es zurück in die verpeilten 90er Jahre. Von Stefan Petermann

Ein stumpfer Beat, ein kantiger Bass, ein wütender Lad. Das sind die Sleaford Mods aus Nottingham. Oder anders gesagt: eine Sensation. Weil derzeit niemand sonst so direkt und gnadenlos gegen gesellschaftliche Missstände anpöbelt. HipHop-Punk ist das, WorkingClass-Dub, LowFi-Spoken-Word. Ihr drittes Album "Key Markets" ist Klassenkampf mit einfachsten Mitteln und wirkt wie eine unangenehme, aber unvergessliche Nacht in einem britischen Pub. Auf Soundcloud wartet der ungeschliffene Rohdiamant "No Ones Bothered" aufs Hören und Skandieren.

Ganz andere, weil sanfte Töne schlägt Lianne La Havas an. Die Londonerin mit den griechisch-jamaikanischen Wurzeln und der samtenen Stimme macht ganz hervorragenden Soulfunk. Der ordnet sich nah am Pop ein, leistet sich aber immer wieder kratzbürstige Ausflüge in experimentelle Gefilde. Das gefiel auch schon Prince. Mit dem flotten Remix von "Unstoppable" findet sich auf Soundcloud ein Vorbote zu ihrem bald erscheinenden Album "Blood".

Gegen Chelsea Wolfe wirken selbst Nine Inch Nails wie Frohnaturen. Sucht die Amerikanerin doch in ihrem Dronefolk nach den düstersten Seiten des Lebens. Geisterhaft entrückt wandert ihre Stimme über kraftvollen Doomgitarren und unheilvoll dröhnenden Synthesizern. Sie nennt dieses musikalische Schattenreich "ein umgekehrtes Gewitter". Auf Bandcamp gewährt Wolfe vier repräsentative, also beklemmende Einblicke in ihre aktuelle Platte "Abyss".

Zum Schluss wieder Sonnenschein. Sports sind zwar schwer zu googeln, aber gut zu hören. Das Quintett aus Ohio spielt herrlich verpeilten Collegerock der alten Schule, der perfekt in einen lethargischen Sommer mit den besten Freunden passt. Exemplarisch dafür steht das dahingeschluderte "The Washing Machine" – mehrstimmiger Frauengesang, unbeschwert lärmende Gitarren. Auf Bandcamp findet sich die sympathische Zeitreise in die zeitlosen 90er Jahre.

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