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Geheimdienste: Spionage und Blamage

VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 09.08.2007 - 14:48

Das Ausspionieren von Gegnern boomt – auf der Leinwand und im echten Leben. Was machen Agenten von Geheimdiensten den ganzen Tag?Und warum kommen sie nie, wenn es was zu feiern gibt? Die nicht ganz pannenfreie Kurzgeschichte der Geheimdienste.

Düsseldorf (RPO). Das Ausspionieren von Gegnern boomt auf der Leinwand und im echten Leben. Was machen Agenten von Geheimdiensten den ganzen Tag? Und warum kommen sie nie, wenn es was zu feiern gibt? Die nicht ganz pannenfreie Kurzgeschichte der Geheimdienste.

Stell dir vor, deine Firma feiert runden Geburtstag und du darfst nicht gratulieren. Letztens erging das den Agenten der CIA so. Ihr Arbeitgeber, der amerikanische Geheimdienst Central Intelligence Agency, wurde 60 Jahre alt. Einen offiziellen Festakt gab es nicht. Wer hätte auch kommen sollen? Schließlich ist die CIA ein ziemlich geheimes Unternehmen.

Die Agenten feierten im eigenen Wohnzimmer und haderten mit ihrem traurigen Agentenschicksal: Macht man alles richtig, erfährt niemand davon. Macht man aber etwas falsch, weiß es jeder. So ist die Geschichte der Geheimdienste zwangsläufig eine vom Versagen.

Der Tabakhändler und der Kanzler

Als der berühmteste deutsche Geheimdienstfall gilt der des Kanzlerberaters Günter Guillaume. Der DDR-Spion übernahm zuerst einen Tabakwarenladen in Frankfurt, trat der SPD bei und wurde später Berater des Kanzlers Willy Brandt. Als Guillaume enttarnt wurde, stürzte Brandt.

Nicht, weil der Top-Spion wichtige Staatsgeheimnisse ausspioniert hätte. Die Stasi, Empfänger der geheimdienstlichen Botschaften, fand fast alles, was ihr der Superspion mitteilte, nur mittelprächtig. Sie benotete keine der 19 Informationen von Guillaume mit "sehr wertvoll". Stattdessen stürzte Brandt über die Liebesaffären, die der Agent beobachtet hatte.

333, Issos und die Fehlinfo

Das Auskundschaften des Gegners durch den Geheimdienst ist eigentlich ein alter Hut. Schon Alexander der Große schickte auf seinem Feldzug Richtung Osten Agenten vor, die Feindbewegungen registrieren sollten. Als er sich 333 bei Issos keilte, schätzten seine Agenten die Lage allerdings eklatant falsch ein: Entgegen der Geheimdienstinformationen stand das feindliche Heer der Perser plötzlich im Rücken. Eine Riesenpanne.

Es passt ins Bild, wenn Historiker berichten, dass Alexander der Große seinen Geheimdiensten danach kaum mehr vertraute. Da war der Ruf des Gewerbes das erste Mal ramponiert. Heute werden geheimdienstliche Tätigkeiten von Wissenschaftlern als das "zweitälteste Gewerbe" aller Zeiten bezeichnet. Das klingt wenig vertrauenserweckend, zumal das älteste aller Gewerbe ja die Prostitution sein soll.

Geheimdienste bezeichnen sich heute als "Nachrichtendienste" und verliehen sich so ein seriöses Image. Der feine Unterschied: Geheimdienste haben auch polizeiliche Befugnisse. Zudem wird unterschieden zwischen Inlands- und Auslandsnachrichtendiensten.

Agent 00 Tratschtante

Nicht viel besser erging es der niederländischen Tanzdame Mata Hari, die als die größte Spionin des 20. Jahrhunderts gilt. Im Jahr 1917 wird sie in Paris wegen Spionagearbeit für das Deutsche Reich verurteilt. Mata Hari war Doppelagentin, unterhielt sowohl nach Frankreich als auch nach Deutschland amouröse Beziehungen zu führenden Politikern und teilte ihr Wissen jeweils der Gegenseite mit.

Eine recht einfache Art, sein Geld zu verdienen. Mata Hari bezahlte es mit dem Tod. Liebe und Geheimdienste ein heißes Eisen. Schon immer wurden Agenten auch mit der Aussicht angeworben, schneller und unkomplizierter die Mädels rumzukriegen. Bei Mata Hari war es andersrum. Sie wurde angeworben, weil sie so gut lieben konnte.

Neue Macht des Geheimwissens

Eine Hoch-Zeit erlebten die Geheimdienste in der Zeit des Kalten Krieges. Mittelpunkt der geheimdienstlichen Aktivitäten war Berlin. Hier spionierten sich CIA und KGB tagein tagaus gegenseitig aus. Diese Zeit ist es, die den Mythos Geheimdienst vitalisierte.

Mit dem Fall der Mauer fehlt plötzlich der Feind die Geheimdienste suchen nach neuer Beschäftigung. Erst mit dem 11. September 2001 beginnt ausgehend von Amerika ein neuer Kampf um die Macht geheimen Wissens Ausgang vorerst ungewiss. 70 Prozent mehr Personal verzeichnen die amerikanischen Geheimdienste seit dem 11. September.

Fast jedes Land hat mittlerweile Geheimdienste. Einige haben schöne Namen. Der schwedische Geheimdienst hört auf den Namen Säkerheitspolisen, der russische Auslandsgeheimdienst heißt Sluzhba Vneshney Razvedki. Selbst das kleine Land Luxemburg, in dem jeder jeden mit Anschrift und Telefonnummer kennt, hat in Reaktion auf den Terrorakt seit 2004 einen Spionageabteilung: den Service de Renseignement de l‘Etat.

BND: Chaos in Pullach

In Deutschland gibt es drei Nachrichtendienste. Den Verfassungsschutz, den Militärischen Abschirmdienst, der sich witzigerweise MAD abkürzt, und den Bundesnachrichtendienst (BND) aus Pullach, dessen Geschichte manchmal ziemlich verrückt (mad) ist. Gegründet von Reinhard Gehlen, produzierte der Nachrichtendienst immer wieder selbst schlechte Nachrichten.

Journalisten wurden bespitzelt, weil sie im Verdacht standen, den BND zu bespitzeln. Der Ex-BND-Mitarbeiter Norbert Juretzko beschreibt in seinem Buch „Bedingt dienstbereit” den Nachrichtendienst als einen chaotischen Haufen: Briefe von Ost- an Westdeutschland sollen wahllos gelesen worden sein. Auch Immobilien, die anderen Geheimdiensten als BND-Gebäude bekannt waren, soll der Bundesnachrichtendienst weiter genutzt haben.

Auf der Internetseite www.bnd.de darf man lesen, wie der Dienst um Reputation bemüht ist. Die Rubrik „Geschichte” ist allerdings dort nur sehr klein. Was sollte der BND dort auch schreiben. Schließlich ist er ein geheimer Dienst und nicht ein Ausplauderdienst.

Kein Job vom Arbeitsamt

Ein Geheimdienstmitarbeiter kann im Prinzip jeder werden. Allerdings vermittelt solche Jobs nicht das Arbeitsamt. Kai Hirschmann beschreibt in seinem Büchlein „Geheimdienste”, wie Agenten in Geheimdiensten lange Zeit angeworben wurden.

Geheimdienste suchen nach Personen mit Perspektive, die sie in bestimmte Positionen hieven. Sie beschatten sie manchmal jahrelang, um sie dann anzuwerben, andere Menschen zu beschatten. Und plötzlich ist man V-Mann in der NPD oder gläserner Informant in einer terroristischen Vereinigung.

Allerdings sollte man sich falls demnächst die Säkerheitspolisen oder ein Mann vom Sluzhba Vneshney Razvedki schellt die Jobzusage lieber drei Mal überlegen. Stell dir vor, deine Firma feiert Betriebsjubiläum und du darfst nicht hingehen.


 
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