Teletest: Die verrückten Popolskis
VON STEFAN PETERMANN - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 08:42Weimar (RPO). Auch in dieser Woche entscheidet sich Fernsehen, die Höhepunkte am Wochenende zu senden. Darunter den besten Film, der im vergangenen Kinojahr anlief. Außerdem geht glücklicherweise die Welt unter.
Aghet | Doku |
Montag, 6. September, 23.00 – 0.30 Uhr, NDR
Inhalt 1,5 Millionen armenische Opfer forderte der Genozid zwischen 1915 und 1917. Dieser sachliche und deshalb umso aufwühlendere Dokumentarfilm rekonstruiert Ursachen, Verlauf und aktuelle Diskussionen.
Warum anschauen? Unverständlicherweise wies der Teletest bei der Erstausstrahlungen nicht auf diese eindrucksvolle Auseinandersetzung mit einer unvorstellbaren Gräueltat hin. Dabei ist es gerade der Verzicht auf die sonst in solchen Filmen verwandten Effekte, die „Aghet“ zu einer Pflichtempfehlung machen.
Man lernt wie der Völkermord auch knapp hundert Jahre später noch Opfer fordert.
Die Bucht | Dokumentarfilm |
Samstag, 11. September, 20.15 – 21.50 Uhr, Vox
Inhalt Taiji in Japan. Man treibt Delphine in eine Bucht, fängt die schönen und tötet die anderen. Ein Kamerateam unter der Leitung vom Ex-Flipper-Trainer ist dabei.
Warum anschauen? Dieser Film schlägt sich klar auf eine Seite und verschweigt nicht die Wut auf die Umstände. Was gut so ist und für Diskussionen sorgt.
Man lernt mehr Blickwinkel auf das Töten von Tieren zum Zweck des Essens kennen, wenn man begleitend „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer liest.
Der Familie Popolski: From Zabrze with Love | Revue |
Samstag, 11. September, 21.45 – 22.45 Uhr, 3Sat
Inhalt Kaum jemand hat die Gegenwart so geprägt wie Opa Popolski. Schließlich hat er 128.000 Lieder geschrieben. Leider wurden sie gestohlen. Heute bedienen sich die Größen des Popbusiness der popolskischen Melodien. Diese Revue zelebriert den Skandal.
Warum anschauen? Empfohlen wurden die Popolskis schon an dieser Stelle. Wer damals nicht einschaltete, erhält nun die erneute Gelegenheit bei diesem gelungenen, verrückten und erschütterten Konzertabend.
Man lernt den Mann besser kennen, der bei HURZ Klavier spielte. Also Achim Hagemann,
Krieg der Welten | Apokalypsenverfilmung |
Sonntag, 12. September, 20.15 – 22.30 Uhr, Pro7
Inhalt Erst blitzt es, dann bricht der Boden auf und dreibeinige Aliens pulverisieren die Menschheit. Kranführer Ray versucht im Chaos seine Kinder zu retten. Was auch fast gelingt. Wenn nur nicht die Panik wäre. Oder die absolute Überlegenheit der Außerirdischen.
Warum anschauen? Wer etwas über das Ende der Welt wissen will, schaut diesen Film. Die Hilflosigkeit angesichts einer aussichtslosen Situation, die Verzweiflung und Endgültigkeit der Apokalypse. Der Höhepunkt im filmischen Schaffen aller Beteiligten. Und ja, der Teletest weiß, dass Steven Spielberg die Regie führte.
Man lernt Ohne H.G. Wells, Autor der Romanvorlage, wäre Science-Fiction heute anders. Und diese Verfilmung ist exakte Verkörperung aller guten Tugenden dieses Genres.
The Fall | Kinowunder l |
Montag, 13. September, 0.05 – 1.50 Uhr, ARD
Inhalt Im Hospital lernt Alexandria den verletzten Stummfilmstar Roy kennen. Der erzählt ihr eine fantastische Geschichte, in der Charles Darwin sich an einem Gouverneur rächen will. Unter anderem.
Warum anschauen? Das nächste Superlativ. Roger Ebert, vielleicht der bekannteste Filmkritiker, sagt: „So einen Film wird es nie wieder geben.“ Denn wie hier die Grenzen zwischen Erzählung und erzählter Geschichte verschwimmen, begeistert in jeder Sekunde, ist voller Mitgefühl, Tragik und Freude.
Man lernt Vier Jahre. Vier Jahre ist Regisseur Tarsem Singh um die Welt gereist, um an den exotischsten Orten die farbenprächtigsten Bilder einzufangen. Seine größte Kunst ist allerdings, all die unglaublichen Szenen zu einer stillen, einer mitreißenden Geschichte zu vereinen.
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