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Stefanie Hertel und Stefan Mross: Volkes Stimmen

VON SEBASTIAN PETERS UND CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 09.02.2007 - 18:51

Sie sind 27 und 31, und sie sind Helden. Für Menschen, die 77 oder 81 sind. Sie machen Volksmusik. Für Menschen, die zwölf Jahre lang darauf warteten, dass sie endlich die Ringe tauschen. Sie ließen sie lange zappeln ­ und touren jetzt als "Traumpaar der Volksmusik". Eine Woche mit Stefanie Hertel und Stefan Mross.

Deutschland (RPO). Es gibt für junge Erwachsene mindestens 50 schönere Arten, einen Sonntagmorgen zu verbringen: Brötchen essen, Rumgammeln oder in die Glotze gucken. Doch da müssen Stefan Mross und Stefanie Hertel jetzt durch. Sie sitzen in einem ZDF-Fernsehstudio. Vor ihnen zwei bauchige Rotweingläser (am Ende der Sendung noch so voll wie zu Beginn), neben ihnen Andrea "Kiewi" Kiewel. Die Moderatorin fragt im Wechsel das frisch verheiratete Paar und die zwei Gäste, denen dieser Morgenplausch gewidmet ist: Maria und Margot Hellwig.

Stefanie und Stefan sind große Fans der beiden, sagen sie. Was sie besonders an ihren Vorbildern bewundern, fragt Kiewel. "Sie sind immer pünktlich", sagt Stefanie. Während die Hellwigs weiter aus ihrem Leben erzählen, wartet Stefan darauf, dass die Hertel ein Stichwort liefert, auf das er dann eine Replik liefern darf. Das geht so: Andrea Kiewel fragt, ob es denn schwer sei, als Paar auf der Bühne zu stehen. Stefanie sagt, dass es gut sei, weil man sich gegenseitig seine Fehler ausbügeln könne. Stefan erwidert: "Da hast du bei uns aber eine Menge zu bügeln."

Als sich die kleine Stefanie aus Thüringen und Stefan, der Bub aus Oberbayern, im Jahr 1990 zum ersten Mal sahen, lief das Projekt Deutsche Wiedervereinigung gerade auf Hochtouren. Stefan galt als Trompeten-Wunderkind. Bei der Vorentscheidung zum Grand Prix der Volksmusik stand er schon im Rampenlicht. Stefanie saß im Publikum. Bei einer anschließenden Backstageparty holte sich die damals Zehnjährige ein Autogramm von ihrem späteren Mann. "Sie war die einzige mit rotem Kopf", wird Stefan später erzählen.

Am Tag nach dem Auftritt im ZDF bei Kiewel: eine Sporthalle in Mülheim zur Mittagszeit, Pressekonferenz für die aktuelle Tournee "Traumpaare der Volksmusik" mit Stefan und Stefanie, Marianne und Michael sowie Judith und Mel. Die drei Paarekommen gemeinsam mit Carolin Reiber, die die Tournee moderiert, aus dem Lift. Alle grüßen höflich und gehen dann erst einmal zum Topf mit Gulaschsuppe. Journalisten schlürfen Suppe und hören Volksmusikstars zu, die ebenfalls Suppe schlürfen.

Stefan und Stefanie sind die jüngsten in der Runde, aber sie sind als frisch vermähltes Paar auch die Stars. Man habe die beiden nur unter der Bedingung mit auf die Tour genommen, dass sie vorher heiraten, sagt Carolin Reiber. Stefanie verzieht keine Miene. Es waren Judith und Mel (bürgerlich: Eberhard Karl Alfons), die Stefan und Stefanie (bürgerlich: Stefanie Anke) vor mehr als zwölf Jahren zum Glück verhalfen: "Ihr seht doch morgen mein Mauserl", sagte der damals 18-jährige Stefan zum älteren Paar. "Dann gebt ihr das bitte." Judith und Mel nahmen einen Brief und gaben ihn am nächsten Abend Stefanie. "Dafür habe ich extra rote Tintenpatronen gekauft", wird Stefan später erzählen. Ein Jahr nach dem ersten Treffen sangen Stefan und Stefanie ihr erstes gemeinsames Lied, erst ein paar Jahre später wurden sie ein Paar. Von da an warteten alle auf die Sache mit den Ringen.

Nach der Pressekonferenz in Mülheim wird die Gulaschkanone abgebaut. Stefanie darf wieder jung sein, über Musik reden: "In Deutschland ist es doch so, dass Volksmusik bei jungen Menschen verpönt ist. Das finde ich ungerecht. Ich akzeptiere, wenn jemand Hip-Hop hört oder Punk. Aber die sollen bitte auch akzeptieren, dass ich Volksmusik mag."In ihrem CD-Wechsler im Auto liegt nicht nur Volksmusik: Christina Bach, Abba, Reinhard Fendrich, Robbie Williams und ein Sampler namens Jazz querbeet. "Ich mag Crossover-Geschichten."

Fast ein Zufall war es, dass die Hertel und der Mross im vergangenen Jahr in Amerika dann doch die Ringe tauschten. Stefan und Stefanie sangen im September 2006 beim "German Heritage Festival" in New Jersey (vor 12.000 Zuschauern), fuhren danach nach Florida, um Freunde zu besuchen. "Eigentlich hatten wir geplant, in Deutschland standesamtlich zu heiraten. Aber entscheidend war, dass wir einen Tag nur für uns wollten. Stefanies Eltern waren noch dabei und natürlich unsere Tochter, mehr nicht."

Auch die kirchliche Trauung in Tirol hielten die beiden vor allen Friseur-Postillen geheim. Freunde erfuhren nur, dass sie sich den Tag freihalten sollten. Die traditionell gesprächigen Verkäuferinnen im Hochzeitsshop erkannten Stefanie ungeschminkt und mit Pferdeschwanz nicht. "Dass so viele uns zum Heiraten gedrängt haben, hat uns schon sehr genervt", sagt Stefanie. Nun, da sie ein Ehepaar seien, habe sich auch nicht viel verändert. "Er gehört mir. Er war immer mein Mann."

 Zwei Tage später, dieselbe Besetzung, ein anderer Ort. Die Traumpaare der Volksmusik werben bei J. Baptist Kerner für ihre Tournee. Stefanie und Stefan sitzen und stehen im Mittelpunkt der Sendung, wieder dreht sich alles ums Thema Hochzeit. Stefanie berichtet wieder brav, Stefan streut Witze ein. "Wir wollten eben im Busch heiraten." Kerner blickt verständnislos. "Im Busch. Na wegen, George W. Bush." "Ahhh", macht Kerner. Als sich der Moderator einem Gast zuwendet, der im Publikum sitzt, und die Kameras wegschwenken, prüft Stefanie vorsichtig, ob ihr Mikrofon ausgeschaltet ist. Sie beugt sich nah zu Stefan, flüstert, dann lachen beide ­ ein anderes Lachen.

Es gibt diesen einen Moment im Leben von Stefan und Stefanie, in dem sie für alle hörbar Nein sagten zur heilen Welt der Volksmusik. Mross lag nach einer Party betrunken neben seinem Auto auf der Straße, Stefanie Hertel schlief, nicht minder angeschickert, den Schlaf der Glückseligen auf der Rückbank. Skandal. Die Friseur-Postillen berichteten ausführlich, der Heldenstatus der beiden schien ernsthaft gefährdet. Doch die Fans verziehen ihnen, noch bevor die beiden vom Sockel gestoßen waren. "Privat sind wir kein Traumpaar. Bei uns brennt auch mal die Hütte", sagt Stefan. Wenn Streiten, dann am liebsten zehn Minuten vor einem Auftritt. "Das ist wunderbar", sagt Stefanie. "Man denkt nach, merkt, dass es gar nicht so schlimm ist, gibt sich einen Kuss ­und alles ist gut."

Die Traumpaare der Volksmusik sind in der Nacht wieder im Hotel angekommen. Sie wohnen immer alle zusammen in einem Haus. Marianne und Michael haben Nordic-Walking-Stöcke im Gepäck und wollen morgen ganz früh aufbrechen. Mel kündigt an, frühestens um 15 Uhr zu frühstücken, Stefanie und Stefan freuen sich schon auf den nächsten Tag, die Zeit mit Tochter Johanna. "Ohne Absacker geht hier aber keiner ins Bett", sagt Michael.

Quelle: RP

 
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