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Solohörer: Warum alle besser noch zwei Minuten sitzen geblieben wären

VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 03.11.2006 - 13:25

Die Plattenstunde vor den Ferien war ohne Zweifel die größte aller Schulstunden. Ein ganzes Jahr lernten wir im Musiksaal Dinge, für die wir das Schulfach "Musik" nicht mochten: Kanon singen, Violinschlüssel abzeichnen und Operetten von Opern unterscheiden.

Die letzte Stunde vor den Sommerferien aber war eine große Befreiung vom Schulalltag, weil: Für die unendliche Zeit von 45 Minuten konnten wir unserem Musiklehrer mal zeigen, was wirkliche Musik ist. Und die Vorstellungen von wirklicher Musik können sehr unterschiedlich sein. 40 Minuten dieser seltsamen Plattenstunde waren bereits vergangen, da war der musikalische Horizont unseres Lehrers unter anderem bereichert um Lieder von Bryan Adams ("Everything I do, I do it for you"), Kate Yanai ("Bacardi Feeling") und eine grässliche Schnulze einer Soft-Metal-Band namens Victory. Ich hatte mir große Chancen ausgerechnet, das Lied "Find the river" von REM vorspielen zu dürfen, das ich damals für einen der schönsten Popsongs hielt, der überhaupt nur geschrieben worden war.

Ich wartete und hoffte und bangte. Würde die Zeit für mich reichen? Mein Musiklehrer nahm mich an die Reihe, als der Schulgong nur noch eine Minute entfernt war. Er legte die CD ein, es erklangen die Töne einer sanft gestreichelten Gitarre, jäh unterbrochen von einem fiesen Dreiklang, nach dem sich alle Mitschüler wie fremdgesteuert erhoben und in Richtung Ausgang pilgerten. Auch der Musiklehrer begann, sich ferienfertig zu machen. Ich aber blieb die vollen 3:49 Minuten sitzen, die dieses Lied lang ist, und schwor mir, dass Kate Yanai nie mehr einen Hit singen würde.

Kontakt zum Autor: sebastianp@rp-online.de


 
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