Tränenpalast: Wieso es keinen Spaß macht, am Handy seine Liebe zu gestehen
VON BARBARA GROFE - zuletzt aktualisiert: 03.11.2006 - 14:23Es hatte geregnet. Der Boden vor dem Sophienclub in Berlin war nass, als ich mich hinhockte, um mit meinem Handy zu telefonieren und einen Riesenfehler zu machen. Nämlich am frühen Morgen und völlig betrunken dem angebeteten Schwarm seine großen Gefühle zu unterbreiten.
Zu zweit waren wir nach Berlin gefahren. Zwei Mädels aus dem Schwarzwald, die mal weg wollten, ausgehen, uns ein bisschen wild fühlen. Jeden Tag sind wir nach Mitte oder Kreuzberg gefahren. Jeden Tag habe ich an den Jungen denken müssen, in den ich fürchterlich verliebt war und der noch nichts davon wusste, wie sehr er mich auf dem Familienfest umgehauen hatte. Wir hatten täglich stundenlang telefoniert, vor dieser Reise nach Berlin. Er hatte Dinge gesagt, von denen ich dachte, sie wären groß und nur für mich allein bestimmt. Mit jedem Tag in Berlin wurde es unerträglicher, nicht mit ihm zu sprechen und nicht zu wissen, ob er das genau so sieht.
Dann kam der Abend. Im Sophienclub wurde laute, großartige Rockmusik gespielt. Wir haben viel Bier getrunken, und ich habe immer wieder angefangen von ihm zu sprechen, dem Jungen. Irgendwann am frühen Morgen stand ich dann draußen im strömenden Regen. Habe mein Prepaid-Handy genommen und ihn angerufen. Ihm gesagt, wie sehr ich in ihn verliebt bin, dass ich wissen müsste, wie er das sieht. Eine gefühlte Ewigkeit hat er nichts gesagt, mir zugehört. Der Regen lief mir in den Nacken, mein Gesicht war vom Weinen nass. Dann hat er begonnen, zu schwafeln. Drumrumzureden. Damals dachte ich, der Fehler wäre gewesen, ihn mit diesem Anruf in die Ecke zu drängen. Heute weiß ich, dass die Dinge, die er gesagt hat, nicht groß und wahr und nur für mich waren und dass der eigentliche Fehler war, genau das zu glauben.
Kontakt zur Autorin unter: barabara@rp-online.de
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