Gerd Knesel (1961-1992) war mit Leib und Seele für die Freiheit der Menschen, denn für ihn war es der Höchste Gut. Dafür wollte er sterben...
EIN BRIEF AUS DEM GULAG
Gerd Knesel (1961-1992)
Ein Brief aus dem Gulag
Ein Brief aus dem Gulag kam bei uns an
Und wurde durch Zufall entdeckt,
Ein Brief der Verdammten an jedermann.
Der lag zwischen Bauholz versteckt.
Wir dachten an Freiheit, so schrieben sie,
Zu laut haben wir dran gedacht,
An Fiecht, an Freiheit und Demokratie,
Man hat uns ins Lager gebracht.
Wir werden geknechtet, steht in dem Brief,
Man glaubt, daß man uns so zerbricht,
Dem Tod sind wir nahe, wir fielen tief,
Doch den Mut, den nimmt man uns nicht.
So kämpfen wir weiter, im Geiste frei,
Die Ketten sind schwer, viel zu schwer,
Wir hoffen, daß es nicht vergeblich sei,
Doch für uns hoffen wir nicht mehr.
Wir bitten Euch sehr, laßt uns nicht allein,
Steht uns moralisch zur Seite,
Ihr lebt in Freiheit, setzt Euch für sie ein,
Vergeßt nicht Sibiriens Weite!
(Musik: Gerd Knesel, Texte: Hubertus Scheurer)
Es handelt sich um einen Brief der russischen Dichter und Burgerrechtler Nisametdin Achmetow und Wladimir Michailenko. Die ,,neue Bildpost" berichtete darüber im Januar 1980. Beiden Häftlingen ist gelungen in Holztransport nach Deutschland direkt aus einem KZ im Ural ein Brief in Plastiktüte mit Appell: keine Waren aus der UdSSR weiter zu bestellen, denn sie wurden von politischen Häftlingen unter unmenschlichen Bedingungen im GULAG hergestellt. Der Dichter Nisametdin Achmetow (aus Ufa, Baschkirien) und junge Rechtsanwalt Wolodimir Michajlenko aus (Tarnopol in der Ukraine) appellierten in diesem Brief an die Deutschen Händler kein Bauholz aus Ural und Sibirien und keine Holzprodukte und auch kein „Lada“ (Schiguli-Auto) aus der UdSSR zu importieren, denn an diesen Produkten nicht nur Schweiß, sondern Blut von Tausenden politischen Häftlingen dran klebt.
Die deutschen Händler haben das ignoriert und die Presse hat der Schrei aus den GULAG gegenüber taub geblieben. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte in Frankfurt und Christian Solidarity Internation in der Schweiz, sowie Osteuropa Magazin und Deutsche Welle haben darauf hingewiesen, dass auch früher in Deutschland bei dem Holztransporten aus der UdSSR grausige Funde mehrmals in Hamburg gemeldet wurden: Abgehakte Hände mit Inschrift „lieber tot als Sklave“.
Über den Dichter Nisametdin Achmetow ist etwas mehr bekannt, weil er dank die Unterstützung aus Heidelberg durch Frau Prof. Gabriele Taugner und ihre unermüdlichen Bemühungen um Achmetow, schon 1987 konnte sie ihn zuhause begrüßen und sein erster Prosaband „Die Strasse der Freiheit“ finanzieren konnte. Dazwischen Achmetow musste die ganze „drei Kreise der Hölle“ (Verhör, KZ und psychiatrische Haft - nach Solschenizyn Definition) des Gulags durchziehen.
Breschnew ließ den freiheitssüchtigen Dichter aus der „UdSSR“ ausweisen.
Ganz anders war Michajlenkos Schicksal, seine Spuren sind trotz der Bemühungen von Dissidenten bei Lubjanka verloren gegangen. Auch nach der Amnestie von Boris Jelzin (1991) er ist nie wieder aufgetaucht. Allein während der Perestroika von Gorbatschow im letzten Jahre des Gulags über 3.000 Häftlinge ihr Leben da lassen mussten.
Mit dem Gerd an der Berliner Mauer. Abschnitt: Bernauer Straße Foto: Jurij Below - privat
Es könne dabei eigentlich nur bei der "inneren Angelegenheit" Russlands bleiben, wenn ein junger Musiker Gerd Knesel die Sache mit dem Brief aus dem Gulag nicht ans Herz genommen.
Fast gleich nach dem „Die neue Bildpost“ die Geschichte mit dem Brief bekannt gegeben, meldete sich der Barde aus Geesthacht (Schleswig-Holstein) mit dem Lied „Ein Brief aus dem Gulag“. Er war schon ein Schreck für den vereinigten Linken mit seinen Freiheitslieder gegen Sozialismus wie: Die rote Karte, Die so genannte DDR, Da sitzen sie am vollen Tisch, Genosse gebier mal!, Veraendern, veraendern, Ich soll hin zur Bundeswehr, Die linken Demonstranten, Liberal?, Der Usus bei den Jusos.
Gerd erzählte mir mal, dass seine Vorfahren aus Nordrussischer Stattstadt Nowgorod („Neustadt“) stammten und mussten nach brutaler Zerschlagung von Neustadt und Peskau („Pskow“) den ersten freien Republiken nach Deutschland fliehen. Der Name „Knesel“ sollte von russischen „Knejas“ (zu Deutsch: Fürst) abgeleitet sein. Der Zar Ivan IV („grosnyj“ zur deutsch: schreckliche) ließ nicht nur Tausenden freien Bürger hinrichten lassen, sondern was dieser Geschichte eine besondere Note verleiht – der Vece (Bürger Freicheitsglocke) von der Kirche niederreißen und standhaft „hinrichten“. Damit der erster Versuch in Russland (nach Beispiel der freien Hanseatischen Städte wie die nur einigen Hunderten Kilometer am Norden entfernter Reval (heute: estnischer Hauptstadt Tallinn) eine freien Stadt der freien Bürger zu gründen gescheitert.
1992 wurde Gerd in Bamberg mit Messer von „Unbekannten“ tödlich gestochen. Er war friedlicher Mensch, der immer wieder Sehnsucht nach Freiheit hatte. Das Lied von Knesel „Ein Brief aus dem Gulag“ ist einziges Lied zum diese Thema in ganzer Welt. Die CDU, die ihn damals unterstützt hat, aber besser umgekehrt zu sagen: Gerd Knesel hat damit die CDU durch seinen Lieder kräftig unterstützte, hat längst ihn vergessen. Er wurde durch den Linken gehasst und bedroht – aber es waren anderen Deutschen, die ihn geliebt. Sein Motto war Goethes berühmter Zeilen aus dem „Faust“:
Ja, diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
Wer kennt heute noch sein Namen? Ein Deutsche, der sich unter Millionen Nicht-Deutschen beliebt gemacht... Selbst Lew Kopelew musste ihn als "besten deutschen Romantiker der Freiheit" nennen.
Ich weiss nicht ob die Geschichte mit dem "Knejas" stimmt, aber er gehörte zur Welt der freien Menschen. Ich bin mich nicht sicher, dass Gerd wenn er heute noch lebte, alles was bei uns nun zum Alltag gehört, für Gut gehalten hätte.
Liebe Grüße an alle - JB