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Debatte
Politik & Gesellschaft | Deutschland | Debatte 
Debatte |  19.02.08 |  21:21  Uhr

BND im Zwielicht?
von henkipenki | Leverkusen |  249 mal gelesen
War die Beschaffung der CD mit den Bankkunden-Daten korrekt?
Wer einem Dieb Waren abkauft, der ist ein Hehler.

Nun schießt Lichtenstein zurück und bekommt auch von Luxemburg Flankenschutz. Sie werfen der Bundesrepublik vor, das unterschlagene und gestohlene Datenmaterial auf der Basis des Unrechts erworben zu haben.
Herr Steinbrück rechtfertigt die Vorgehensweise von BND und Steuerbehörde damit, daß in Deutschland eine Welle der Empörung ausgelöst worden wäre, wenn das Angebot des Diebes unbeantwortet blieb. Das ist eine Spekulation, aber keine sachliche Argumentation.

Wurde hier nun nach rechtsstaatlichen Methoden gehandelt oder vielleicht auch nur aus „ Habgier „ ?

Für die, ja man muß es so sagen, „Hehlerware“ wurden ca. 5 Millionen Euro gezahlt. Ursprünglich verlangte der Dieb sogar noch mehr. So besteht der Eindruck, daß der Dieb nicht nur bezahlt, sondern in einem gewissen Prozentsatz an der Erfolgssumme beteiligt wurde.

Merkwürdig auch, wie lange sich die Verhandlungen über den Kauf des Datenmaterials hinzogen. Der BND ist nun gefragt und hat zu rechtfertigen, wie der Kauf überhaupt zustande kam. War das Datenmaterial in der Anfangsphase des Kontaktes ausreichend genug oder wurde der Dieb von den Spezialisten des Nachrichtendienstes gegebenenfalls ínstruiert, wie die Datenmenge und die observierten Personen noch erweitert werden konnte ?

Es befremdet, wenn ein Rechtsstaat, wie die BRD, nicht mit rein rechtsstaatlichen Mitteln operiert, sondern Strafanzeigen herausfordert.
Es wird sich zeigen, ob die durch den Deal erzielten Mehreinnahmen den außenpolitischen Schaden, der sich jetzt abzeichnet, sinnvoll machen.

Die Fahnder der Steuerbehörden scheinen nun die Steuersünder vor sich hertreiben zu wollen, man spricht davon, das sie nun die Nerven verlieren sollen. Ist das eine Art von Psychoterror ?

Man muß auch fragen, warum die „ Bombe „ zufällig vor wichtigen Landtagswahlen hochging ? Die SPD in Hamburg schien auf dieses Ereignis sehr gut vorbereitet und hatte auch schnell eine Erklärung parat.

Warum brauchen wir immer erst den Großen Unbekannten, der Missstände aufdeckt ? Wenn der BND auch für dubiose Geldströme zuständig ist, dann stellt sich die Frage, warum haben sich unsere staatlichen Stellen nicht schon längst nachhaltiger mit diesem Problem befasst ? Zur Beweissicherung benötigt man nicht nur eine CD, ein Nachrichtendienst müsste über andere Methoden verfügen, Steuersünder zu überführen.

Hans Eichel, unser ehemaliger Finanzminister hat es in einem Interview auf den Punkt gebracht. Wenn die Banken dieser europäischen Steueroasen wie die von Schwellenländern eingestuft werden, kann internationaler Druck und eine wirksamere Kontrolle ausgeübt werden.

Wer als Staat die Gesetzgebung in Steuersachen auch nach der Moral als nach konkreten Regeln bestimmt, Steuerlöcher und Steueroasen nicht nachhaltig bekämpft, der fordert den Kapitaltransfer in das Ausland geradezu heraus. Nun will Frau Merkel mit bedeutenden Wirtschaftsführern sprechen, daß dieser Kapitaltransfer und diese Steuerflucht doch bitte unterbleiben möge.Wer sich auf solche einfachen Formeln stützt, die man nur als grotesk bezeichnen kann, dann sollte Frau Merkel doch bitte einmal ein erstes Praxistraining an einer Luxemburgischen Tankstelle vornehmen und deutsche Autofahrer bitten, nicht in Luxemburg, sondern in Deutschland zu tanken. Ich glaube, das Gelächter wird man noch in Trier hören !
 
Meinungen von Lesern zu diesem Artikel
aha! | 20.02.08 |  10:42  Uhr
RE: BND im Zwielicht?
@Gummibrötchen: Diese CD war - laut BND - ein 'Beifund' während einer anderen Ermittlung.
aha! | 20.02.08 |  10:36  Uhr
RE: BND im Zwielicht?
@Dreistein: Versteuern - das ist eine gute Frage.
Aber ich wette, der Mann wird mit den 5 Mio. seines Lebens nicht mehr froh.
Dann schon lieber LOTTO spielen.

Wo der Autor hier "außenpolitischen Schaden" sieht, möchte ich mal wissen. Zwei Zwergstaat-Operettenfürsten, die not amused sind, kann man bei einer solchen Aktion doch als marginal bezeichnen.
Gummibroetchen | 20.02.08 |  10:36  Uhr
RE: BND im Zwielicht?
mal ganz dumm gefragt: wenn also jetzt der BND für die illegale Beschaffung der CD Strafe zahlen muss, an wen dann eigentlich?
MikeyM | 20.02.08 |  10:36  Uhr
RE: BND im Zwielicht?
Ich wage zu bezweifeln, dass die Betroffenen sich das Ausmaß der terroristenartigen Verfolgung gefallen lassen. Hier handelt es sich nicht gerade um Sozialschwache, die auf diesen Staat angewiesen sind.

Steueroase hin oder her: Wer in Deutschland keinen Wohnsitz hat, ist hierzulande überhaupt nicht steuerpflichtig. Selbst wenn Steinbrück und Genossen die paar hundert Millionen eintreiben können, von denen sie faseln, sind zukünftig Milliardenausfälle seitens Großverdienern zu befürchten, die sich auf die andere Seite der Grenze begeben. Einige unserer abgabengeilen Politiker sind nicht in der Lage, Aktion und Wirkungen langfristig zu durchdenken.
dreistein | 20.02.08 |  10:10  Uhr
RE: BND im Zwielicht?
Wie auch immer. Die Beschaffung der DVD war illegal.
Das geht so nicht. Ist auch nicht zu rechtfertigen.

James Bond darf das, um die Welt vor Terroristen zu retten. Aber doch nicht der reale BND.

Außer... ich könnte denen mal was teuer verkaufen, das fänd ich auch gut.


Preisfrage: muss der Informant die 5 Mios versteuern??? ;-)) Und wo, als was?
henkipenki | 20.02.08 |  09:21  Uhr
RE: BND im Zwielicht?
@werner ullrich

Quadratur des Kreises ? Es geht doch hier darum, wie das Geld in das Ausland transveriert wird und nach welchen Methoden ( Stiftungsmodellen) dort Steuerzahlungen vermieden werden. Schon mal davon gehört, daß die Schweizer auf ihren Kapitaleinlagen in Deutschland keine Zinsabschlagsteuer zahlen müssen und wie das Geld in Geldtransportern ganz "legal" wieder in die Schweiz zurückgebracht wird ? Nach der entsprechenden Aufklärungsarbeit ist die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, endlich für Trockengebiete zu sorgen !
Werner Ulrich | 20.02.08 |  09:02  Uhr
RE: BND im Zwielicht?
Hier wird die Quadratur des Kreises gefordert.

Zum Einen das Gerede vom Rechtsstaat, der angeblich mit unlauteren Mitteln arbeitet, andererseits die Unterstellung, der Geheimdienst (vulgo der Staat) müsse doch

"..... über andere Methoden verfügen, Steuersünder zu überführen."

Entschuldigung, was wäre denn der Kommentar hinsichtlich "Datenschutz", wenn "andere Methoden" angewandt würden??

MfG

Werner Ulrich
Gummibroetchen | 20.02.08 |  08:25  Uhr
RE: BND im Zwielicht?
" ein Nachrichtendienst müsste über andere Methoden verfügen, Steuersünder zu überführen" - genau das war auch mein spontaner Gedanke dazu. Aber womöglich gibt's das nur im Film!
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