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Klimawandel
Politik & Gesellschaft | international | Klimawandel 
Klimawandel |  13.12.08 |  23:18  Uhr

Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
von Tauri | Kevelaer |  2605 mal gelesen
Wir könnten bald sauberen, risikolosen Strom bekommen- solarthermische Energie lautet das Zauberwort. Aber der politische Wille fehlt
Korrigierte und erweiterte Fassung des Textes

Sauberer Strom aus der Wüste? Diese Vision hat die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative des Club of Rome, des Hamburger Klimaschutz- Fonds und des Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrums. Doch es ist nicht nur eine Vision, sondern auch eine handfeste Idee: Hauptsächlich mittels solarthermischer Kraftwerke, die an einigen Orten der Welt bereits erfolgreich eingesetzt werden, könnte genug Energie erzeugt werden, um ganz Europa zu versorgen- CO2- Ausstoß-frei.

Was ist solarthermische Energie-Gewinnung? Dies ist nicht zu verwechseln mit den allseits bekannten Solarzellen. Bei der Solarthermik wird Licht gebündelt und eingesetzt um Wasser, oder Öl zu erhitzen, welches dadurch eine Turbine antreibt- wie es auch in jedem AKW oder Kohlekraftwerk passiert. Die nötige Hitze kommt dabei jedoch nicht von gefährlichen Elementen oder zu verbrennenden fossilen Brennstoffen, sondern aus den Sonnenstrahlen.

Mit einer Reihe solcher Kraftwerke soll dass durchgesetzt werden, was die TREC unter den Namen: Desertec zusammenfasst. Die gesamte benötigte Technologie existiert bereits und ist einsatzerprobt. Zudem ist sie unkompliziert, so genannte Low-Tec. Es ist das gleiche Prinzip, mit dem ein Schulkind mit einer Lupe ein Stück Papier zum brennen bringt. Durch Speicher kann auch bei Nacht weiter elektrische Energie erzeugt werden. Die Technik der solarthermischen Energiegewinnung wurde bereits in den achtziger Jahren eingesetzt. Sie wurde damals nur nicht weiter verfolgt, da man nicht viel über den Klimawandel wusste und fossile Brennstoffe deutlich billiger waren. Damals...

Nun werden Kohle, Öl und Gas zunehmend knapp- die Sonne scheint jedoch weiterhin. Im Nahost und Nordafrika (den sogenannten Mena-Staaten) gehen pro Jahr 630.000 Terawattstunden (TWh) ungenutzt nieder- 4000 TWh Strom braucht Europa 2008. Da in den Mena-Staaten doppelt soviel Solarenergie gewonnen werden kann wie in Südeuropa planen die Verfechter von Desertec hier Anlagen zu errichten, da die Übertragungsverluste dank moderner HVDC-Leitungen (High Voltage Direct Current = Hochspannungs-Gleichstromübertragung) trotz der großen Entfernung nur bei 10-15% läge.

Für die Staaten würde natürlich auch für den Eigenverbrauch genug Energie abfallen. Außerdem gewännen sie ein kostbares Exportgut (saubere Energie) und natürlich Arbeitsplätze, beides könnte neben der Infrastruktur auch die politische Lage stabilisieren.
Zudem könnten sie die Kraftwerke gleichzeitig zur Entsalzung von Mehrwasser, und somit zur Trinkwassergewinnung nutzen. Doch das entsalzte Wasser wäre nicht nur für den Trinkbedarf von Vorteil- man könnte damit auch kostengünstig Flächen bewässern und so für Landwirtschaft nutzbar machen. Bisher ungenutzte Orte könnten der Nahrungsmittelproduktion dienen oder der Erzeugung wirklichen Bio-Diesels. Mit wirklichem Bio-Diesel ist solcher gemeint, für den zuvor nicht Wälder weichen mussten (was keine bessere CO2 Bilanz mit sich bringt) oder Nahrungsplantagen aufgegeben wurden. Beides passiert derzeit aufgrund von Subventionen.

Meist gibt es jedoch einen großen Einwand: Desertec brächte eine erneute Abhängigkeit mit sich und einige der Mena-Staaten sind nicht unbedingt stabile Demokratien geschweige denn gute Freunde Europas. Genau dies schreckt viele Politiker und Investoren ab, trotz der möglichen win-win Situation. Vielleicht sollte man einfach mehr wagen. Und selbst wenn der multilaterale Schritt zu weit geht, könnte man die Technologie zumindest in Südeuropa verstärkt einsetzen.
Außerdem: Auch jetzt besteht eine Abhängigkeit: Öl und Gas kommen fast nur aus Arabien und Russland. Muss man immer auf die 100%-Lösung warten? Wie realistisch ist eine saubere, billige Energie ohne Abhängigkeiten? Noch dazu in naher Zukunft? Sollte man daher nicht zumindest, das was bereits geht, tun?

Derzeit ist solarthermisch erzeugter Strom noch deutlich teurer als „gewöhnlicher“. Aber die Experten gehen von weiter steigenden Energiepreisen aus- der solarthermische Strom hingegen würde mit dem Bau jedes Kraftwerkes billiger. Spätestens 2020 würde der Preis so gewonnener Energie mit fossil erzeugtem gleichziehen- und billiger als Atomstrom sein.

Zur Umsetzung von Desertec ist natürlich Geld und politischer Wille nötig- an der Technik jedoch scheitert es nicht. Für viele würde es auch finanziell eine Investition in die Zukunft bedeuten, das Projekt ist teilweise sogar günstiger als bestehende Pläne. Dennoch gilt es von der Politik Anreize zu schaffen und Startkapital zusammenzutragen. Deshalb werben verschiedene Gruppen für dieses Projekt, darunter auch Politiker der EU. Doch es gibt auch viele Gegner, teils aus Ignoranz, teils aus handfesten persönlichen Wirtschaftsinteressen. Wenn es wirklich zu einer Umsetzung kommen soll, dann wird noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen. Und das bedeutet zu aller erst: Das Project muss bekannter werden!

Wenn die Probleme der Zukunft gelöst werden sollen, muss man kontinental, wenn nicht sogar global denken. Und man muss handeln- jetzt!

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Projektes (siehe Quellen).
Wer das Projekt durch seine Stimme unterstützen möchte, sollte die online-Petition unterzeichnen:
http://www.desertec.org/de/yourvoice.html

Quellen: http://www.desertec.org/de/
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,556139,00.html

Fotos: 1. solar millenium ag (Solarkollektor einer Anlage für solarthermische Energie)
2. Trec (Ein Desertec Plan)

(Bildmaterial: Creative Commons)
 
Meinungen von Lesern zu diesem Artikel
Tauri | 19.03.09 |  12:40  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
Hier ein neuer, sehr guter Artikel zum Thema:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/468974
LKF. | 15.12.08 |  13:43  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
sehr interessant!
zippo46 | 14.12.08 |  09:13  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
Nicht nur in Spanien, sondern auch in Süd-Frankreich steht ein "Solar-Ofen", die beide schon gut funktionieren. Der Gedanke um Europa's Stecker in Sahara-steckdosen zu stecken halte ich jedoch für falsch: um Europa auf die Knien zu zwingen braüchte man nur diese Installationen anzugreifen und den zentralen "Kocher" zu vernichten. Folge: Militärüberwachung und "wer soll das bezahlen?"

Für Länder in der Umgebung (und das sind meistens Entwicklungsländer) jedoch wäre es DIE Lösung des Energieproblems: biliger wie ein Staudam, und überall einsetzbar wo es Wüsten gibt (und deren Prozentsatz wächst..). Bleibt das Problem von Sandstürme, nicht nur wegen den Sonnenausfall, aber auch wegen das "Sandstrahl-Effekt" was so ein mit Sand beladener Wind auf die Spiegel haben wird...

So siehst du, jede Medaille hat zwei Seiten... ich dank'dir für deine.. ;-)

MfG, Job
Rockin' Robin | 13.12.08 |  17:03  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
thänk you, very matsch!!!

(lernen tu' ich aber erst morgen...mein kopf tut weh...)

: ))))))
Tauri | 13.12.08 |  16:51  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
Aber natürlich kann ich das.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,556139,00.html

Das ist er. Müsste ich eigentlich jetzt auch noch in den Text setzten, aber dann erschlagen mich die Redakteure, zumal ich an einem weiteren Text arbeite...
Rockin' Robin | 13.12.08 |  16:39  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
hey, mein freund, hochinteressant.

den spiegel artikel find ich nich, wär aber interessant für mich, mein prüfungsthema in 4 wochen ist nämlich herr klimawandel...
könnteste mich da mal helfen?
thank you!

Rockin'
G.Herres | 12.12.08 |  17:25  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
Das Desertec-Projekt hat viel weiter reichende Konsequenzen, als im Artikel angedeutet. So könnte mit der Abwärme eines Kraftwerks, welches auf ca. 3 km^2 Sonnenenergie einsammelt, jeden Tag ca. 30 Mill. Liter Wasser entsalzt werden. Damit läßt sich eine Fläche von fast 15 km^2 bewässern, auf denen in einem Jahr ca. 15 Mill. Liter Pflanzenöl geerntet werden kann. Dabei entnehmen die Pflanzen der Atmosphäre ca. 10 mal soviel CO2, wie beim Verbrennen des Pflanzenöls später wieder frei wird. Diese Biomasse bleibt vor Ort und verbessert als jährlich wachsende Humusschicht die Fruchtbarkeit des Bodens. Eine Fläche von ca. 3,6 Mill. km^2 würde ausreichen so viel Öl zu erzeugen, wie weltweit verbraucht wird. Zum Vergleich: die Sahara hat 9 Mill. km^2, weltweit gibt es 36 Mill. km^2 Wüste. An Fläche und Sonne mangelt es also nicht. Da in einem solchen Projekt nicht nur die Mena-Staaten, gemeint ist Naher Osten und Nordafrika nicht Nordamerika, nicht die einzigen Erzeugerländer wären, sondern auch andere afrikanische Staaten zu Ölproduzenten werden würden, ist die Erpressbarkeit der Abnehmerländer geringer als heute, wo der größte Teil des Öls aus arabischen oder russischen Quellen kommt. Ausserdem würden tausende afrikanische Bürger, die heute auf winzigen Booten nach Gran Canaria oder Lampedusa übersetzen und ihr Leben riskieren, Arbeit finden. Es wäre für die europäischen Sozialkassen sicherlich billiger, diese Leute bleiben in ihrer Heimat und produzieren etwas , das wir bezahlen würden.
Die Klimaschutzziele wären auch viel schneller zu erreichen, da mit jedem Liter Pflanzenöl aus der Wüste - nicht aus tropischen Plantagen auf füherem Regenwald - der CO2 Pegel der Atmosphäre zurückgeht statt zu steigen. Selbst die Preise des Pflanzenöls wären noch im Rahmen des heute gezahlten Preises für Benzin.
Man muß nur endlich anfangen, sonst wird sich die Kostensenkung, die von allen Fachleuten erwartet wird auch nicht einstellen. Es ist wie mit den Schuhen, die die ersten zwei Wochen drücken. Da hilft es auch nicht sie in den Schrank zu stellen.

JETZT muß man beginnen!
Die Welt wartet darauf.
Die Technik ist da, das Geld auch - wenn man sieht wie den gierigen Banken die Milliarden in den Rachen geworfen werden, kann niemand sagen es wäre kein Geld da. Mit den 500 Milliarden € für die Banken hätte man ein solches Projekt schon längst starten können und 3000 km^3 Solarkraftwerke bauen können. Die würden dann 50 GW Kraftwerksleistung bieten. Das ist ca. 1/3 der deutschen Kraftwrksleistung. Ohne CO2 Ausstoß, sondern mit CO2-Reduzierung.
dubidu | 07.07.08 |  11:30  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
Und der 2. Denkfehler ist die Tatsache, dass die Energieeffizienz von Bioenergie, z.B. Rapsöl sehr gering ist: ein Fußballrapsfeld bringt eben nur ein paar Liter. Damit führt sich der Begrif "BIO" sehr oft selber ad absurdum.

Gruß
das dubidu
Pamina | 07.07.08 |  11:24  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
Biogas und Biomasse haben tatsächlich - vor allem bei Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung eine attraktive CO2-Bilanz. Das wesentliche Problem sehe ich jedoch in dem Umstand, dass die Rohstoffe, die es dazu braucht, zuvor erst angebaut werden müssen. Die Energieversorger kommunizieren zwar, dass dies auf Flächen geschieht, die sich nicht oder nur wenig zur Nahrungsmittelgewinnung eignen. ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Mich persönlich ergreift jedoch ein gehöriges Unbehagen, wenn ich lese, dass in vielen Ländern die Landwirtschaft flächendeckend auf Biomasse zur Erzeugung von Biogas umstellt, während die Lebensmittelpreise weltweit durch die Decke gehen. Statt Weizen schnell wachsende Pappeln anzubauen, damit wir in den reichen Ländern weiter Autofahren können, während Milliarden Menschen hungern, finde ich schlicht pervers.

Die Lösung muss doch sein: Weniger verbrauchen und in die Nutzung von Energieträgern investieren, die auch ohne unser Zutun einfach da sind: Wind, Sonne, Erdwärme.
Tauri | 07.07.08 |  11:19  Uhr
RE: Desertec – Saubere Energie aus der Wüste?!
@aha: Dadrin besteht aber ein denkfehler: Dank der Subventionen ist es günstiger das Zeug anzubauen, so dass dafür zB Bäume gerodet werden, die mehr CO2 abbauen, als das Material für das Biogas

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