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Sachbuch | 17.08.08 | 22:32 Uhr
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So lügt man mit Statistik
von
HowardJ | Langenfeld
| 588 mal gelesen
Auch über Fortuna!
Aus der Serie:
Lesen? Das ja!
(überarbeitet)
Reiner Zufall war es, dass mir gestern das Buch „So lügt man mit Statistik“ von Walter Krämer in die Hände fiel. Vor ungefähr 15 Jahren habe ich es geschenkt bekommen und es in positiver Erinnerung behalten, die jetzt wieder aufgefrischt wurde.
„Dieses Buch ist unser aller Bestreben gewidmet, die Realität so zu zeigen, wie wir sie gerne hätten und nicht wie sie wirklich ist.“ (Klappentext)
Es richtet sich an diejenigen, die mit Statistiken zu tun haben. Und das sind wir als Zeitungsleser und Nachrichtenschauer alle. Mathematische Vorkenntnisse sind nicht vonnöten. Zum Verständnis reicht der gesunde Menschenverstand und eine „gewisse Skepsis gegenüber Datenhändlern aller Art.“ (Vorwort)
Dabei ist es erstaunlich unterhaltsam geschrieben. Es entlarvt die Tricks, die bei der grafischen Darstellung von sich verändernden Größen benutzt werden, wie sie auch heute oft in Zeitungen zu finden sind.
Das Mitgliederwachstum von Vereinen über einen gewissen Zeitraum wird beispielsweise gerne durch schematisierte Symbole dargestellt. Im Beispiel hier ist das ein Ball. Der Durchmesser des Balls soll dabei der Mitgliederanzahl entsprechen.
Da der abgebildete Ball in der Realität ein dreidimensionales Objekt ist und man dadurch im Kopf automatisch nicht nur die Höhe erfasst sondern den ganzen Ball in seinem Volumen, gaukelt das Bild eine noch viel größere Veränderung vor, als es die nackten Zahlen tatsächlich aussagen. (Das Volumen wächst im Beispiel um den Faktor 4 bei einer Verdopplung der Mitgliederzahl.)
Auch bei Trendaussagen anhand von Entwicklungskurven muss man genau hinschauen. Durch Verzerrung der einen wie der anderen Achse können plötzlich erstaunlich steile Kurven entstehen, die beunruhigen, oder sehr flache, die beschwichtigen. Je nach Intention.
Entscheidend ist auch die Grundmenge. Zeigt eine Entwicklung über einen bestimmten Betrachtungszeitraum nicht die gewünschte Tendenz, so kann man diese durch geeignete Erweiterung oder Beschränkung der Basis erzielen. Die Begründung, warum gerade dieser Zeitraum gewählt wurde, fehlt meist. Siehe z.B. Börsenprospekte.
In meiner Auflage von 1992 wird dies anhand von „Untersuchungen“ des Sportmagazins Kicker erläutert, in dem Aussagen zu vier Bundesligamannschaften analysiert werden. Neben Bremen und Bochum auch -man lese und staune- der FC Homburg und Fortuna Düsseldorf.
„Was ist nur mit dieser Abwehr los?“ Fragt der Kicker und schaut besorgt auf die letzten sechs sieglosen Fortuna-Spiele. „In dem Fall wird die Statistik wohl recht behalten haben“, dachte ich mir, doch wie ich zu meinem Erstaunen feststellen musste, schloss Fortuna die fragliche Saison (wg. Homburg muss es 1989/90 gewesen sein) als Neunte ab. Der Absturz kam erst ein Jahr später.
Schön sind auch die Zitate von mehr (J.W.v. Goethe) oder weniger (C. Daum) wichtigen Persönlichkeiten, die zu Anfang eines jeden Kapitels dem Buch zusätzliche Würze verleihen.
Wie leicht doch bildet man sich eine falsche Meinung
geblendet vom Glanz der äußeren Erscheinung
(Moliere)
oder
Die Statistik soll wieder eine Größe werden, mit der man rechnen kann!
( Das Neue Deutschland zur Praxis der amtlichen DDR-Statistik, zu Zeiten der Gemüseknappheit die schweren und reichlich vorhandenen Melonen statt dem Obst dem Gemüse zuzurechnen)
(c) HowardJ 2008
Man muss die Katze auch nicht im Sack kaufen. In Kapitel 1: „Die Illusion der Präzision“ kann man hier schon mal reinschnuppern. Besonders interessant, wenn man gerade an der Steuererklärung sitzt :-)
Autor: Walter Krämer
Titel: So lügt man mit Statistik
Verlag: Piper
ISBN-10: 3492230385
Bilder: eigenes, Bucheinband
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Meinungen von Lesern zu diesem Artikel
RE: So lügt man mit Statistik
Aaaaaahhhhh, bourbaki, Asche auf mein Haupt. Wo du recht hast, hast du recht. Wenn ich jetzt schreibe, dass ich "Fläche" sowohl meinte als auch schreiben wollte, klingt das nach billiger Ausrede, oder?
Okay, ich schäme mich, zieh's aber nicht noch einmal hoch ;-))
RE: So lügt man mit Statistik
Alles Lüge! "Das Volumen wächst im Beispiel um den Faktor 4 bei einer Verdopplung der Mitgliederzahl."
Mensch, Howie, früher hätte ich halb richtig drunter geschrieben ;-)
Die Kreisfläche das Balles vervierfacht sich, wenn man den Radius verdoppelt, aber das Volumen der Kugel wächst sogar um den Faktor 8!, meint besserwisserisch bourbaki
P.S.: Trotzdem eine schöne Fortunagrafik ;-)
RE: So lügt man mit Statistik
Es ist bereits mehr als 20 Jahre her. Unser Chef sollte die miserablen Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr in einem Vortrag erläutern. Zu diesem Zweck kauften wir einen der ersten Farb-Plotter (Tintenstrahltechnik kannte man damals noch nicht). Wichtig war nur eines: die schlechten Zahlen solltenb in grün und die besseren Zahlen aus dem Vorjahr in rot dargestellt werden.
LG Rainer
RE: So lügt man mit Statistik
Der Clevere setzt eine Statistik nur dann ein, wenn sie einem nützt, also z. B. die eigene Aussage bestätigt. Da alle Daten manipulierbar sind, sollte man sich auf sowas nicht verlassen.
Nicht umsonst ist Geck der schnellste Läufer der Welt ;-)
Mathematische Grüße
Harald
RE: So lügt man mit Statistik
Lässt man die Statistik außen vor und widmet sich den Fakten kommt man zu einem einfachen aber erstaunlichen Ergebnis:
Fortuna Düsseldorf siegte in Burghausen 4:0!!!
In diesem Sinne, three Points, Spirit of Jan
RE: So lügt man mit Statistik
hm, sein Buch "der populären irrtümer" hat mich nicht so vom hocker gehauen...aber vielleicht kann er mit zahlen ja besser lügen ;-)
s., dessen aktien-charts leider nicht lügen
RE: So lügt man mit Statistik
Ach, wie schön. Und so passend: Nicht nur habe ich gestern getankt und mein Tank war bei genau 70,00 Euro voll (ohne dieses tröpfchenweise Stottern mit der Zapfpistole), auch habe ich just eben, bevor ich diesen Beitrag las, die Umsatzsteuervoranmeldung erledigt (ist ja heute der 10.) und nicht gelogen :-)
Ich habe es sicher schon erzählt: Vor ca. 18 Jahren verfügte eine renommierte PR-Agentur über eine Abteilung, die sich MERA nannte und deren Dienste sie ihren Kunden gut in Rechnung stellte. MERA stand für Medien-Resonanz-Analyse und bestand aus einer studentischen Hilfskraft (mir) und tütenweise Zeitungsausschnitten ("Clippings") über Kunden und/oder deren Produkte. Ich zählte und sortierte, wertete aus und kam bei eigenen stichprobenartigen Kontrollen meiner Auswertungen NIE auf dasselbe Ergebnis. Bis ich mich dann fragte, ob es wirklich wichtig sei, ob 117 oder 119 Artikel zum Thema xy in der Presse erschienen waren... Und noch immer bin ich nicht sicher, ob es nun für meine Ehrlichkeit oder für meine Blödheit spricht, dass es so lange dauerte, bis ich mir diese Frage stellte :-)
Schöne Grüße,
Pamina (als Germanistin von jeher zu 100 % auf Kriegsfuß mit Zahlen)
RE: So lügt man mit Statistik
Hallo Howie,
Zahlen lügen nicht, die Mathematik als Mutter aller Naturwissenschaften ist unbestechlich und präzise. Das gilt natürlich auch für die Statistik als Teilgebiet der Mathematik, aber wem sag ich das, schließlich bist du der Mathematiker und nicht ich.
Da ich aber immerhin eine Zusatzqualifikation als REFA-Organisator habe und einige Jahre im Controlling gearbeitet habe, sind mir Varianz, Standardabweichung und Wahrscheinlichkeitsrechnung ebenfalls bestens vertraut.
Was allerdings für Manipulationen (nicht für Lügen) anfällig ist, ist, wie du richtig angeführt hast, die grafische Aufbereitung von Zahlen. Auch werden oft vorschnell Interpretationen und Wertungen vorgenommen, die das Zahlenmaterial eigentlich gar nicht hergibt. Du hast ja im Text Beispiele genannt.
Ein schönes Beispiel dazu haben wir ja auch gestern hier bei opinio lesen können. Auch da wurden Korrelationen gebildet, die sich nicht belegen lassen. Jedenfalls nicht durch die vorgelegten Zahlen. Ich habe den Text vorsichtshalber nicht kommentiert, wäre nur wieder in unschöne Streitereien ausgeartet.
Wünsche dir noch einen schönen Restsonntag.
RE: So lügt man mit Statistik
Kommt mir bekannt vor. Nicht das Buch, aber das dreidimensionale Drehen von Grafiken, dass sie richtig gut aussehen. Die Quelldaten werden nicht gezeigt. Ich mach's nicht anders und es gibt jedesmal ein Lob für die 'schöne' Darstellung :-)
Micasa, nur mit halben Herzen Controllerin
RE: So lügt man mit Statistik
Mein lieber Herr Nichtgesangsverein…das ist ein Text, den ich mir mehrmals zu Gemüte führen möchte.
„Man“ sagt ja so schön, also so im Volksmund, dass Zahlen nicht lügen. Ebenso wie Tränen (Moment, ich verhaspel mich da gerade…..äääh).
Zahlen „lügen“ aber eben doch. Denn sie sind Auslegungssache. Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung.
Auslegung? Nein, Darstellung.
Aber wem sag ich das?
Wer von uns kennt nicht die gefärbten Bilanzen namhafter Firmen, die „ihre“ Zahlen gerade so in die Öffentlichkeit entlassen haben, wie sie es gerade brauchten.
Schwarz.
Rot.
Gold.
Nach zwanzig Jahren Maschinenbau zahlengebeutelt….Annette
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