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Hund
Hund | 16.03.09 | 14:18 Uhr
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Kind-Hund bitte niemals ohne Aufsicht lassen!
Aus Erfahrung heraus weiß ich, wie ungern junge Eltern so was hören. Leider glauben immer noch viele Hundehalter, Ihr Hund beschützt das Neugeborene (Menschenkind).
Kind-Hund bitte niemals ohne Aufsicht lassen!
Lange habe ich überlegt, ob ich es mir aus beruflicher Sicht leisten kann, gerade in der eigenen Region, einen Artikel wie diesen zu schreiben.
Aus Erfahrung heraus weiß ich, wie ungern junge Eltern so was hören. Leider glauben immer noch viele Hundehalter, Ihr Hund beschützt das Neugeborene (Menschenkind).
Es mag oft den Anschein haben, aber dem ist NICHT so.
In 80 % der Fälle werden Kind und Hund ohne größere Zwischenfälle nebeneinander aufwachsen. Aus meinem beruflichen Alltag heraus bemerke ich aber, das die Zahl der grob fahrlässigen Eltern stark ansteigt.
Erst gestern konnte ich eine Situation im letzten Augenblick entschärfen. Ein Kind, ca. 5 Jahre alt, stand hinter einem Hund am Kiosk und fing an, das Tier mit einer Hand zu ärgern.
Sie fuchtelte vor der Schnauze herum.
Da die Mutter unmittelbar daneben stand, sprach ich sie an und machte sie darauf aufmerksam. Kaum eine Reaktion! In mir kroch langsam aber sicher die Wut hoch und da der arme Hund angeleint in der "Falle" saß, versuchte ich der Kleinen so ruhig es mir möglich war, diese Situation zu erklären. Leider erreichte ich aber nur das Gegenteil, das Mädchen drehte auf und fing an, den Rüden zu betatschen.
Worauf Ihre Mutter nur sagte: "Das ist aber ein braves Hundi!"
Sehr böse antwortete ich Ihr: "Ja und wenn er gleich aus Panik schnappt, sind Sie die erste die brüllt, dafür sollte man ihn einschläfern!"
Meine Reaktion war mit Sicherheit nicht die klügste, aber ich bin schließlich auch nur ein Mensch!
Im selben Moment, indem die Frau auf 180 kam wollte die Kleine den Golden Redriever aus Verlegenheit umarmen. Das konnte ich gerade noch verhindern indem ich Sie zur Seite schubste und zwar exakt in dem Moment, indem der Hund nach Ihr schnappte. Die Kleine weinte, die Halterin kam schreiend aus dem Nachbarsladen gelaufen, die Mutter schimpfte und mir tat das Tier leid, denn er saß zitternd in seiner Ecke zwischen Radständer und Mülleimer....
Am liebsten hätte ich ihn mitgenommen.
Die Halterin hat alles aus dem Laden beobachtet, aber das was Ihr dazu eingefallen ist war: "Sowas hat er noch nie gemacht!" Ich war sprachlos....! Als die alte Dame anfing, Ihr ängstliches Tier dafür zu schimpfen, konnte ich nur schnellst möglich das Geschehen verlassen. Andernfalls hätte ich mich vergessen!
Auch ein Golden Redriever ist kein "kinderlieber Familienhund". Leider lässt dieses Image sich gut vermarkten und wird in Werbung und Medien verantwortungslos breit getreten. Was dabei oft in Vergessenheit gerät ist der nötige Respekt sowohl vor dem Kind als auch vor dem Hund. Tierliebe wird aus menschlicher Sicht gerne und oft genannt, aber Liebe funktioniert nun mal nicht ohne den respektvollen Umgang miteinander.
Tiere stellen immer eine Bereicherung dar, solange der nötige Respekt und die Verantwortung, dem Tier gegenüber (unter Anleitung der Eltern) gelebt wird. Was mir bei diesem Thema am Herzen liegt ist, das ca. 80000 Kinder jährlich in Deutschland von (meistens) den eigenen Hunden gebissen werden. Die Dunkelziffer wird doppelt so hoch geschätzt.
Auf Grund meiner Arbeit (Problemhundetherapeutin) weiß ich, das diese GERINGE Zahl für Anpassungsfähigkeit unserer Hunde spricht und keinesfalls auf einen verantwortungsbewussten Umgang der Eltern zurück zu führen ist.
Zum Glück beißen Hunde in letzter Instanz und auch nur, wenn sie ihr Leben oder überlebenswichtige Ressourcen bedroht sehen. Sonst wären die Zahlen weitaus höher. Darum mein Appell an alle Eltern, die glauben es gibt den "Kinderlieben Familienhund" tatsächlich!
Sie tun ihrem Kind und dem Hund keinen Gefallen, wenn sie sich aus der Verantwortung stehlen. Kind und Hund bitte niemals unbeaufsichtigt im Zimmer lassen.
Ein Hund handelt IMMER Artgerecht und aus Hundesicht wird gerade ein Kleinkind NIEMALS als gleichwertig und erst recht nicht als ranghöher angesehen!
Die Gefahr das ein Kind etwas beansprucht, was aus Hundsicht diesem Rudel Mitglied "Kind" nicht zusteht, besteht immer! Der Hund ist ein Raubtier und jedes Raubtier ist bereit, seine Ressourcen, auch unter Aggression zu verteidigen, WENN die Aussicht auf Erfolg besteht und/oder der Streitwert das Risiko des Kampfs hoch genug ist.
Der Hund, der niemanden an den Kinderwagen lässt, "beschützt" Ihr Kind nicht, NEIN er kontrolliert es! Machen Sie die Augen auf.
Mir sind Hunde oftmals näher als Menschen und es liegt mir fern, Ihnen die "Schuld" dafür geben zu wollen! Vielmehr mache ich den Menschen für den Nicht-Artgerechten Umgang mit Hund und Kind verantwortlich.
Wenn ich meinen Kundenkreis betrachte und mir bewusst wird, WIE wenig Wissen manche Halter haben, gruselt es mich!
Menschen machen sich bei einem Autokauf viel mehr Gedanken, als über den Hund. Über das Kind gerechte, bio lackierte Holzspielzeug liest man überall, doch das der Hund ein Raubtier ist, will niemand wahrhaben.
Wem nützt das erkämpfte Tierschutzgesetz, wenn niemand bereit ist, danach zu handeln und für Artgerechte Haltung zu sorgen. Ebenso in der Kindererziehung!
Wo bleibt der gesunde Menschenverstand in unserer angeblich so hoch technologisierten und sozialisierten Gesellschaft, frage ich mich oft!
In diesem Sinne.... bitte unterschätzen Sie diese Gefahr nicht!
Mit freundlichen Grüßen
Cathrin Laurenz von CAT4DOGS
Foto: ©andileno02087-Pixelio
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Meinungen von Lesern zu diesem Artikel
RE: Kind-Hund bitte niemals ohne Aufsicht lassen!
So ist es tatsächlich.... kleine Kinder krabbeln halt hinterher und es reicht doch schon, dem Hund eine Ressource (Ball, Kochen..) weg zu nehmen..... Der Hund sieht das Kind halt nicht als "gleichwertig" an und es ist normales Hundeverhalten, wenn er dies nicht akzeptieren würde. "Raubtier"- Hund verteidigt Ressourcen unter Aggression, wenn es nötig erscheint. Das tut ein Kleinkind übrigens auch.....
RE: Kind-Hund bitte niemals ohne Aufsicht lassen!
Manchmal ist es gar nicht so einfach, dem Hundehalter klar zu machen, dass es nicht niedlich ist, wenn der (kleine) Hund dem Kleinkind durch das Gesicht schleckt oder dauernd an ihm hochspringt. Kenne es aus der eigenen Familie - da reicht doch eine Bewegung, die den Hund erschreckt und schon beisst er dem Kind aus Angst ins Gesicht. Okay, zugegeben sehe ich das besonders argwöhnisch, seitdem ich selber Papa bin.
RE: Kind-Hund bitte niemals ohne Aufsicht lassen!
Richtig... sehr oft sehe ich sogar Kinder mit Inlineskates an Flexileinen, auf Skateboards, Rollern etc. und natürlich auch zu Fuß.... Ganz egal, ob ein Terrier am anderen Ende hängt, denn der hat ebenfalls Zähne und man kann außerdem niemals sicher sein, ob nicht ein großer Hund ihnen begegnen wird... Fakt ist, das ein Hund gern auf diese Art und Weise der Hunderunde verzichtet! Da bin ich sehr sicher..... und es ist Brandgefährlich für die Kinder!
RE: Kind-Hund bitte niemals ohne Aufsicht lassen!
Als Hundehalter mit langjähriger Erfahrung, und Mutter mit inzwischen dem Kleinkind-alter entwachsenen Sprösslingen, kann ich da nur zustimmen.
Ein wichtiger Artikel- denn niemals agiert ein artgerecht gehaltener, und verantwortungsbewusst erzogener Hund aus sich heraus beissend. Da ist immer menschliches Fehlverhalten, und fehlendes Rudeldenken im Spiel; noch schlimmer sind diejenigen die einen " gefährlichen " Hund zur Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins brauchen...
Allerdings denke ich, dass auch ein Kind vom Hund als ranghöheres Tier angesehen werden kann, wenn das Rudelgefüge stimmt.
Selbst immer wieder erlebt, auch im Zusammenleben mit diversen Problemhunden.
Trotzdem- Kinder und Hund nie ohne Aufsicht, zumindest nicht, wenn sie klein sind.
Gruß Lunamond
RE: Kind-Hund bitte niemals ohne Aufsicht lassen!
Es stimmt, Kinder und Hunde sind Rivalen um die Rangordnung im Rudel. Sie können unter Aufsicht viele Spaß miteinander haben. In der Hundeschule, in der ich mit der Leonbergerin bin, gilt die strickte Regel: Der Hundeführer muss über 15 Jahre alt sein.
Für Familienhund und ihre Famiien gibt es "Kind und Hund"-Kurse in den Ferein
Viele Grüße, Ronja
RE: Kind-Hund bitte niemals ohne Aufsicht lassen!
Ein sehr wichtiger Artikel.
Ich gehe mal davon aus, dass ich einen ganz guten Hundeverstand besitze. Aus diesem Grunde habe ich bei meinen eigenen Hunden immer sehr aufgepasst, sie als Welpen sozusagen erstmal vor Kindern geschützt.
Heute sind meine beiden Hunde sehr duldsam, wenn ein Kind sie streicheln möchte.
Allerdings nie ohne meine direkte Anwesenheit und ich kann richtig sauer werden, wenn meine Hunde einfach ohne zu fragen angefasst werden.
Eine Situation steckt mir noch in den Knochen. Letzte Woche kamen mir beim Hundelaufen zwei kleine Mädchen entgegen. Vielleicht 9 Jahre alt. Sie hatten einen mittelgroßen Mischling (ca. 25 kg) an der Leine und wurden von diesem durch die Botanik gezerrt.
Man sah natürlich sofort, wer ie Führung in diesem Gespann hatte - der Hund.
Als ich die Kinder sah, leinte ich meine Hunde sofort an und wollte das Kind-Hund-Gepann auf der anderen Seite passieren lassen.
Auf gleicher Höhe stürzte sich der Mischling sofort auf meine beiden, riss das Mädel um und ich hatte den Salat. Meine beiden angeleint, der Aggressor frei laufend und uns angreifend, ein heulendes Mädel und ein anderes gelähmt vor Schreck. Ich konnte noch so eben meine beiden an einen Weidezaun befestigen, den Angreifer auf Abstand halten und schnappte mir schließlich den Mischling und band ihn an einen anderen Zaunfahl.
Danach konnte ich mich um die Mädels kümmern.
Völlig unverantwortlich die Kinder mit einer solchen Kanone loszuschicken. Zum Glück ist nicht viel passiert, bis auf ne kaputte Hose und ein aufgeschlagenes Knie.
Hätte viel mehr passieren können. Auch das die Schuldfrage geklärt war, hilft ja nicht wirklich bei solchen Situationen.
Lieber Gruß Rosa
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