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Großbritannien
Politik & Gesellschaft | Europa | Großbritannien 
Großbritannien |  14.11.09 |  10:53  Uhr
Amadeus 57
Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
von Amadeus 57 | Wiesbaden |  126 mal gelesen
Um 1500 geht ein großes Rumoren um in Europa. Bevor die alten Gewissheiten verschwinden, steigern sie noch einmal ihre Intensität.
(Ich fang noch mal neu an und werde die nächsten 130 Jahre etwas anschaulicher und breiter erzählen)


Während der Vater Henry VII eine frühe Version der Staatsräson (der ragione des Macchiavelli, der ihn bewunderte) vertrat, ist der Sohn, der achte Heinrich, ein Renaissance-Individualist. Das immer antiquiertere ritterliche Ideal schätzte den Einzelkampf und ein aristokratisches Konzept von Ehre, das sich im Fehderecht niederschlug und langsam in die Gepflogenheiten des Duellierens übergeht. Henry VIII übernimmt solche Vorstellungen in der Version à la mode vom herzoglichen Hof von Burgund, erinnert sich, dass die englische Krone einst große Teile des zukünftigen Frankreichs kontrollierte und wird immer wieder für ihn und England ergebnislose Kriege gegen französische Könige führen, die eine moderne Auffassung von Herrschaft und „Staat“ pflegen, angefangen bei Francois I, dem Förderer von Leonardo da Vinci, und bis hin zu Henri IV, dem Zeitgenossen der ersten englischen Elizabeth, dem bekanntlich Paris eine Messe wert ist. Das hindert den englischen König aber nicht, wie seine Zeitgenossen zusätzlich zum ritterlichen Gefolge immer mehr Söldner anzumieten, eine internationale Schar, für die nicht mehr ritterlicher Zweikampf, sondern das Schlachtengemetzel nach Bezahlung Lebensunterhalt und Lebensinhalt wird.

Die Kriege führen den König zwar von einem finanziellen Engpass zum nächsten, andererseits beschäftigen sie den Hochadel, der dort in seinem ritterlichen Element ist und darum wenig Gelegenheit zu Opposition hat. Wenn sie nicht in den Krieg ziehen, werden sie an den immer prächtigeren Hof gelockt, der am Ende mit Hampton Court seine prachtvolle und kostspielige bauliche Ausformung bekommt. Am Hof werden sie dann vom König mit hohen Ämtern versorgt, die es ihnen gestatten, ihren Reichtum zu halten und auszubauen. Die wenigen, die ihren Adel für älter und angesehener halten als den der Tudors und das dann auch noch zeigen, werden rücksichtslos hingerichtet nach inszenierten Prozessen.

An der Verherrlichung Henrys VIII lässt sich sehr gut das Arbeiten einer national(istisch)en Geschichtsschreibung beobachten, die ignoriert, dass er „Staats“-Interesse zugunsten privat-persönlicher Interessen hintanstellt, mit seinen kriegerischen Eskapaden und seinem Wunsch nach einem persönlichen Status im Konzert der europäischen Mächte immer wieder den öffentlichen Haushalt ruiniert und selbst die Beute seines immensen und beispiellosen Raubzugs gegen Klöster und Kirche sofort wieder verschwendet. Wir nähern uns dem modernen Staat mit seinem expandierenden Geldbedarf und seiner zunehmenden Geldgier.

Henry VIII wird am Ende außer einer erstarkten Kriegsmarine ein explosives Gebräu aus sozialen und religiösen Problemen hinterlassen, einen mittellosen Staat und eine größere Schicht erheblich verarmter Bevölkerung. In der Erinnerung der betroffenen Menschen wird sein Regime als eines persönlichen Terrors und barbarischer Willkür weiterleben, aber die Nachwelt propagandistischer Geschichtsschreibung wird aus ihm einen „großen Herrscher“ machen. Eine Abkehr davon ist erst derzeit im Gange. Nach zwei kurzen Zwischenspielen von Halbgeschwistern wird die erste Elizabeth eine Art Problem-“Containment“ betreiben müssen, das aber bis auf ihre “Sozialgesetzgebung“ die Problemlösungen nur aufschiebt. Sie wird das mit Selbstdarstellung, Glanz und Gloria so verdecken, dass sie bis heute Schulkindern als „große Elizabeth“ dargeboten wird.

Der Reformationsversuch von Wiclif im 14. Jh. wurde niedergemacht durch König, Lords und Commons ebenso wie die weniger intellektuelle evangelische Bewegung der Lollarden, niederer Adeliger, Händler und Handwerker, die die gemeinsame Bibellektüre den kirchlichen Veranstaltungen vorziehen. Damit ist aber der reformatorische Zug in der Kirche und im Untergrund nicht mehr aufzuhalten. Mit seiner Bibelübersetzung hatte der englische Reformator langfristig wirksamen Sprengstoff in Klerus und Laienschar hineingebracht. Man kann sich jetzt seine eigene Meinung darüber bilden, was richtiges Christentum sei.

Bevor die Religion langsam an Wirkmächtigkeit verliert, kommt es zu einer Serie von Reformationen, in denen sich nie vorher so breit vorhandene intensive Frömmigkeit entlädt. Dabei wird wie schon früher in den am Rande der Kirche existierenden Orden stärker Ernst gemacht mit der Nachfolge Christi, der imitatio, wie das Thomas à Kempis betitelt. Nur sind es jetzt, wie zum Beispiel in den Niederlanden, viel mehr Laien, die von der neuen Frömmigkeit, der devotio moderna ergriffen werden.
Ernst machen mit persönlicher Frömmigkeit heißt einmal immer öfter, die Mittlerrolle der Kirche abwerten. Am radikalsten wird das Luther tun, den manche den ersten neuzeitlichen Individualisten genannt haben: Der gnädige Gott und der gläubige Christ treten in unmittelbaren, persönlichen Kontakt zueinander. Im Kern werden damit alle Sakramente und Institutionen überflüssig. Frömmigkeit ist Heiligkeit genug.

Dann verschwindet langsam die Gleichsetzung menschlicher Triebhaftigkeit mit Sündhaftigkeit. Luther zerschlägt den gordischen Knoten mit der ehemaligen Nonne Katharina Bora und folgt des Paulus Aufforderung, den Sexus durch die und in der Ehe zu bändigen. Für Thomas Morus, den Kanzler des Gegenreformators Henry VIII, wird er damit ziemlich wortwörtlich, wenn auch auf Latein, zum Schwein, dass in der Scheiße (merda) suhlt, ein Affe (simium) ist, ein Esel (asinus), ein Säufer (potista). Der ähnlich anal fixierte und derbe Luther - wir sind im Zeitalter von Rabelais - gibt mit gleicher Münze zurück. Thomas More selbst hatte die Ehe zum selben Zweck dem Kloster vorgezogen, allerdings zweimal eine wohlhabendere und sozial besserstehende Frau geheiratet. Ein Mönchsgelübde hatte er vorher auch nicht abgelegt.

Der religiöse Individualismus entwickelt nun das moderne Gewissen, die alte "conscientia", den herrschaftlichen Mitwisser im Oberstübchen, zu einem Debattierclub zwischen richtig und falsch. Was Freud später das "Über-Ich" nennt, den gestrengen Zensor, der in der Regel väterliche, patriarchalische Strenge über die Lebenslust senkt, wird zu einem Ort des Zweifels und der individuellen Suche. Richtig und falsch sind immer weniger vorgegeben, sondern müssen in der inneren Debatte herausgefunden werden, auch ein Prozess neuer Innerlichkeit.

Im äußeren Leben rebelliert Luther gegen den Vater, indem er nicht Jurist, sondern Mönch wird, und dann gegen den großen Vater in Rom, indem er danach bürgerlicher Familienvater wird, der sich seinen eigenen Glauben aus den heiligen Schriften eigenmächtig erschließt. Sein großer Gegenspieler Thomas Morus hingegen ergreift den Beruf des Vaters (Jurist) und wird dessen Ämterlaufbahn selbst noch einmal durchlaufen. Für ihn bleibt fromme Ehrerbietung gegenüber Vater und hergebrachten Institutionen wichtig: Ordnung gegen Unordnung, traditionelle Bindung statt individueller Freiheit, die er für Chaos hält. In den nächsten Jahrhunderten wird allerdings tatsächlich ein ungeheures Chaos über Europa hereinbrechen. Die Freiheit wird ihren Preis haben.

Damit wird der Staat zunehmend seines religiös-kirchlichen Zusammenhangs beraubt. Zwar werden aus Luthers Rebellion zunächst autoritäre protestantische Staatskirchen, "Landeskirchen", aber da der entscheidende Chef meist ein weltlicher Fürst und Laie ist, wird Herrschaft nun zweckrational umgebaut bzw. überhaupt erst moderne Staatlichkeit entwickelt. Dabei wird Kirche zum Instrument des Staates, in protestantischen wie katholischen Landen. Der Arm des Papstes wird bald nur noch soweit reichen wie seine propagandistischen Möglichkeiten im immer schrilleren Konzert der weltlichen Mächte.
Ungefähr zu der Zeit, als Henry VIII die Annullierung seiner Ehe durch den Papst braucht, werden die (christlichen?) Landsknechte des persönlich frommen Kaisers Karl V im Sacco di Roma Rom verwüsten, die Frauen schänden, den Männern auf der Straße die Gedärme aus dem Leib reißen, während sich der Papst in der Engelsburg verkriecht. Seitdem ist klar, wo die Macht liegt und wie sie im Zweifelsfall wirksam wird. Und Karl V wird seinen Enfluss geltend machen, dass Henry VIII die Annulierung der Ehe mit Karls Tante durch selbigen Papst nicht bekommt.

Die Antipathien der neuen frommen Minderheit richten sich in England vor allem auf das Mönchstum, tragende Säule der mittelalterlichen Kultur. „Ihren Pächtern und Untergebenen erschien das Kloster nicht als heilige Gemeinschaft, sondern als Eigentum besitzende Körperschaft“, wie A.R.Myers schreibt*. Wenn dann die Anzahl der Bediensteten im Kloster die der Mönche übertraf, die sich aus der körperlichen Arbeit der Klosterregel auf das mehr meditative Element zurückgezogen hatten oder gar in Luxus schwelgten, entwickelte sich Zorn.

Die „Missstände“ in Kirchen und Klöstern auf den britischen Inseln waren nicht größer als anderswo. Was aber in der englischen Geschichtsschreibung erst einmal haften geblieben ist, ist ihre propagandistische Ausnutzung durch König und Kanzler. Die Unterwerfung der Kirche unter die weltliche Herrschaft und die Zerstörung der Klöster wird der Krone und den von ihr Privilegierten immerhin Reichtümer und Machtmittel bringen, aber sie macht religiöse Probleme zu politischen Streitfragen und sie verschärft die Gegensätze zwischen arm und reich. Alles das wird sich in Verfassungskonflikten im 17.Jahrhundert niederschlagen.

Neben den antimonastischen (gegen die Orden gerichteten) Tendenzen intensiviert sich ein aus Anti-Papalismus genährter Anti-Klerikalismus ähnlich wie in Deutschland, allerdings auch nur bei einer kleinen Minderheit. In England führt das zu verstärktem Nationalismus (wir Engländer und der ausländische Papst), in Deutschland immerhin zu vereinzelten Ansätzen in diese Richtung, wie bei Ulrich von Hutten. Das über-nationale Papsttum, das sich immer noch als Weltmacht begreift, versucht natürlich auch bis in England hinein zu regieren. Die englischen Könige sind allerdings längst dazu übergegangen, „ihre“ Bischöfe selbst einzusetzen (und nur noch die Zustimmung der Päpste einzuholen) und sich fast wie Kirchenoberhäupter zu verhalten.

Die Missstandsdebatte am Ausgang des Mittelalters führt dann bald zu einem Zustand gesteigerter moralischer Unduldsamkeit. Für die alte Kirche war die Fehlbarkeit von Priester und Mönch getrennt von der Unfehlbarkeit seines Amtes oder Status. Sittliche Verfehlung und Sündhaftigkeit war zu vermeiden, aber zugleich zutiefst menschlich und begründete geradezu die Heilmittel (Sakramente) der Kirche. Die neue Frömmigkeit tendiert aber zu schon möglichst irdischer Unfehlbarkeit durch einen makellosen Lebenswandel. Da dieser größter Anstrengungen und unerfreulicher Entbehrungen bedarf, wird über die Fehler des Nachbarn nicht mehr mittelalterlich grob und derb gelacht, sondern sie werden nun mit der Säure einer neuen Rechtschaffenheit übergossen, die die eigene erst so richtig attraktiv macht. Das ist aber eine Entwicklung, die erst im 17. Jahrhundert voll durchschlägt, und das besonders in protestantischen Gefilden.

Mit William of Ockham etwas vor Wiclif beginnt die gedankliche Abtrennung der Wissenschaften (scientia), dessen, was man glaubt, wissen zu können, von der Theologie, von dem, was man nur glauben kann, aber in der Scholastik versucht hat, vernünftig zu durchdringen. Im 15. Jahrhundert wird Englisch endlich auch Sprache der Oberschicht und der Literaten. Ein gemeinsames Verständigungsmedium entsteht, wenn auch noch wie in Deutschland oder Italien in sehr unterschiedliche Dialekte unterteilt. Schon 1362 wird das Parlament zum ersten Mal wenigstens auf Englisch eröffnet. Moderne Nationen sind nichts ohne die Durchsetzung einer Nationalsprache, handfeste Klammer zwischen Regionen und Volksgruppen. In Nord- und Mittelitalien setzt sich das Toskanische von Florenz durch, in Deutschland ein niederdeutscher Dialekt zwischen Hannover und Magdeburg, in England das Londoner Idiom, wenigstens ein Stück weit das Kastilische auf der iberischen Halbinsel. Mit Sprache behaupten die Reicheren das Supremat gegen die Ärmeren, die militärisch Mächtigeren gegen die Unterlegenen, ansonsten die Vielen gegen die Wenigen, heute der Kommerz gegen das Nischendasein des nicht völlig kommerzialisierten Bewusstseins.

Wie die größeren adeligen Grundherren, die zu Rentiers werden, im Winter ihren Wohnsitz in London nehmen, und nur noch im Sommer ihren Landsitz als Sommerfrische benutzen, gehen auch die aristokratischen Bischöfe und Äbte zu dieser Praxis über und überlassen ihre Aufgaben weithin Vertretern. Der aristokratische Teil der Kirche auf dem Weg in die Renaissance ist nicht nur in Avignon und Rom, sondern auch in England dabei, sich zum Teil in Luxusleben selbst aufzulösen. Wohlhabende englische Kaufleute übrigens zieht es im Sommer hinaus aufs Land, wo sie sich das Leben eines Landedelmannes mit Adelspatenten veredeln lassen.

(Im nächsten Teil werde ich mich mit der 'Utopia' des Thomas More/Morus beschäftigen, einer Satire auf ideale Verfassungen und seitdem so genanntes utopisches Denken, die zugleich eine Anklage gegen Zustände der Zeit ist)

*A.R.Myers: England in the Late Middle Ages (Reprint 1991 der revidierten Auflage von 1978, Harmondsworth, m.Ü.)
 
Meinungen von Lesern zu diesem Artikel
Amadeus 57 | 22.11.09 |  09:06  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
Liebe Aylin, wenn happynow die Chefphilosophin der Liebenswürdigkeit ist, bist du auf jeden Fall die Chefpoetin des Lobes hier und außerdem noch liebenswürdig. Mit euch beiden gibt es doch schon keinen Grund mehr, über opinios herumzumeckern.
Mit Freud und Dank, dich wieder hier drunter zu sehen,
Amadeus
sweetsmilesunshine | 21.11.09 |  22:59  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
Es ist eine Sünde, wenn man deine mühevoll zusammengestellten, für unser Erkenntniss, sehr kostbare historische Geschichte, die man bisher in dieser verständlichen Art, die ganz bestimmt eine enorme Anstrengung/Arbeit über Zigmehrere Literrarische/Historische Zeitgeschichte, sich zu einem "Ganzen Werk" heraus kristalisiert, die selbst einem Laien wie mir und bestimmt auch Vielen mehr Lesern zum besseren Verständniss unserer Vergangenheit dient, ja, ich gehe sogar soweit: als "Bestseller Buch" verdient!, in einem Buchverlag zu erscheinen.
Dieses Kunstwerk niederzumachen versucht, als "FAG" Hauptmitglied wie derjenige, der auf Platz 4 steht, der sich einen respektlosen Kommentar in einen seiner Artikel -unkontroliert- von sich gab.

Sorry, Edi-das-fand-ich-echt-nicht gut!

Lieber Amadeus, grandios! Einfach klasse! Auch dieser hier! Die Zeitreise mit Luther und seinem Gegenspieler Thomas Morus, dem zunächst die fromme Ehrerbietung gegenüber Vater und hergebrachten Institutionen wichtig ist: Ordnung gegen Unordnung, traditionelle Bindung statt individueller Freiheit, die er für Chaos hält. Aber ihm dann etwas später, selbst ein Chaos, in seinem eigenen Leben, so scheint es, erfährt....

Gespannt auf Teil II. :-)))

LG und gute Nacht wünscht allen
Aylin
sweetsmilesunshine | 17.11.09 |  22:24  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
@Bärbär... uuuuiii :-)) lieber aufmerksamer Bär, dem nichts entgeht.... melde mich gehorsamst und viel zu spät, am Geschichts-Unterricht. Hier bin ich. :-))

Naja, dachte unser lieber Amadeus wollte eine historische Verschnaufpause machen, um für uns tiefer in unsere Vergangenheit nachzureschaschieren und habe nicht damit gerechnet, das er sooo schnell ist, das bereits Teil III schon fertig ist. Respekt und Freude auch über eure (deine, happynow, zwillinge, mirte, gerhard, hbi. nuznixx, Autor selbst, etc.) Kommentarwelle, in allen drei Teilen. :-))

Habe sie eben alle gelesen, ohne die Artikel, jedoch gerade kopiert und es weckt natürlich meine Neugierde auf den Inhalt! :-))

Mein Kommentar hierzu, werde ich am WE. schreiben, da ich zeitlich wirklich knapp bin. Leider. Aber ich freue mich sehr auf diese Fortsetzung und verbleibe mit,

freundlichen Grüßen :-)))

Aylin :-))
Amadeus 57 | 17.11.09 |  15:29  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
Liebe happynow, du bist die Chef-Philosophin der Liebenswürdigkeit.
Amadeus, der sich da gerne vor deinen Lehrstuhl setzt.
happynow | 17.11.09 |  14:56  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
Ja du hast recht ich bin froh und dankbar, dass ich unseren Gott jetzt so erfahren durfte und immer wieder darf, als mir zur Seite stehender immer gleichbleibender Beschützer, der einzig Vollkommene der mich immer liebt egal wie ich auch bin und was ich tue, wenn ich mich ihm anvertraue werde ich einfach heil. Und nicht der furchtbar mächtige und zornige alte Mann, der mich nur mag wenn ich so funktioniere wie die Kirche und meine Eltern es wollen.

Und " Wenn also die traditionellen Bindungen schwinden, muss man mehr selbst entscheiden, dafür kann man sich entscheiden, Unfug oder Schlimmeres wie dein Beispiel nicht mitzumachen.
Ich persönlich bin davon überzeugt, dass jede Entwicklung auch einen Haken hat, andererseits ist Leben Entwicklung, also: was wollen wir machen"

30.) Es liegt an meinem Sinn, ob ich lebe oder mich leben lasse.
Es liegt an jedem Wort das aus meinen Mund kommt, ob es aufbaut oder zerstört.
Es liegt an meiner Hand, ob sie streichelt oder schlägt.
Es liegt ganz allein an mir. Ich kann zwar die Schuld den anderen zuweisen, dieses befreit mich aber nicht von der Verantwortung die ich für mein Tun übernehmen muss.
aus happynows Erkenntnissen.

Wenn wir dieses ein paar Leuten vermitteln könnten und diese wiederum ein paar anderen und ...^_^

träumende Grüßchen von happynow, hach ja
Amadeus 57 | 16.11.09 |  18:27  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
Liebe happynow, was du da grübelst, haben glaube ich auch schon andere nicht aufgelöst: Wir leben heute als Einzelwesen, formal gebunden "nur" noch durch Gesetze, von denen es dafür aber reichlich gibt - und genießen z.B. die Freiheit, das zu glauben, was wir persönlich für richtig halten. Dein Gott ist zum Beispiel offenbar ein liebenswerter, er passt zu dir und du bist persönlich davon überzeugt, dass "er" so ist. Der Gott vieler mittelalterlicher Menschen war streng, hart und gegenüber den nicht Gläubigen grausam (dachte man). Sie suchten ihn sich nicht so aus, also stellten ihn sich nicht selbst so vor, sondern die Kirche setzte ihn ihnen vor.
Andererseits tendiert persönliche Freiheit (die ich nicht missen möchte) zu individueller Willkür, Beliebigkeit und dann auch sozialer Bindungslosigkeit, Verantwortungslosigkeit, nicht immer, aber als Regel. Dann muss überall ein sich immer tiefer überall einmischender Staat alles regulieren.
Wenn also die traditionellen Bindungen schwinden, muss man mehr selbst entscheiden, dafür kann man sich entscheiden, Unfug oder Schlimmeres wie dein Beispiel nicht mitzumachen.
Ich persönlich bin davon überzeugt, dass jede Entwicklung auch einen Haken hat, andererseits ist Leben Entwicklung, also: was wollen wir machen.
Lieber Gruß an happynow von Amadeus
happynow | 16.11.09 |  17:56  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
Wohl finde ich das die "traditionelle Bindung", sofern ich diese ohne eigene Überlegung übernehme, weil es halt schon immer so gemacht wurde, den lebendigen Glauben tötet. Ich übernehme , indem ich in Traditionen lebe, sämtlich fehlgeleiteten Irrsinn, z.B.: Ehrenmorde.

grübelnde Grüßchen von happynow
happynow | 16.11.09 |  17:40  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
"Wir nähern uns dem modernen Staat mit seinem expandierenden Geldbedarf und seiner zunehmenden Geldgier."
Nur ein Abschnitt aus deinem wohlgeratenen Text, den ich so Wort für Wort auf`s heute übernehmen kann, har.

Ansonsten, ein äußerst spannender Beitrag ...

herzliche Grüßchen vpon happynow
Bärbär | 15.11.09 |  20:45  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
Na, top!

Es dankt - B.
Amadeus 57 | 15.11.09 |  20:32  Uhr
RE: Macht Gegen Macht - Glaube Gegen Glaube I.
Bärbär, die Normannen sprechen ihre Sprache, die Ureinwohner, die oben mitmischen wollen, sprechen sie mit. Die meisten sprechen weiter ihre angelsächsischen Dialekte. Das Normannisch-Französische gerät unter angelsächsischen Einfluss und die Angelsachsen nehmen immer mehr Französisches auf. Im frühen Spätmittelalter schreibt Chaucer die 'Canterbury-Tales' in einem Mittel-Englisch, das schon viel Französisches aufgenommen hat und für Deutsche darum immer unverständlicher wird. Mit der Erfindung des Buchdrucks wird abgesehen vom Lateinischen ein französisch-englischer Mischmasch verbreitet, in dem sich das germanische Element wieder überwiegend durchsetzt. Quantität siegt über Qualität.
Und als Endergebnis der inzwischen englisch-französischen Feindbeziehung merken die Engländer im 16. Jahrhundert nicht mehr, wieviel Französisches inzwischen in der Sprache ist, weil es angeglichen worden ist. Die Theaterautoren schreiben dieses Englisch, weil ihr zahlendes Publikum überwiegend keine Fremdsprachen kann. Und die Buchdrucker freuen sich über Texte im heimischen Idiom, weil die Auflage langsam wichtig wird (finanziell).
Freundlicher Gutenachtgruß, Amadeus

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