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Leben
Politik & Gesellschaft | international | Leben 
Leben |  11.11.09 |  15:58  Uhr

Mauern, Grenzanlagen, Schutzzäune
von Magistrator | Erkrath |  210 mal gelesen
Es gibt immer noch Gebiete, in denen es eine geteilte Welt gibt – manchmal sinnlos, manchmal haben sie aber auch einen Sinn.
Vor 20 Jahren geschah etwas, was ich eigentlich für ausgeschlossen hielt: Die Mauer, die Deutschland 28 Jahre in Ost und West trennte, wurde löchriger und löchriger, bis sie schließlich ganz fiel. Ein freudiges Ereignis, das zu Recht gefeiert wurde.

Doch es gibt auch Mauern, die nach wie vor Welten trennen - damit meine ich jetzt nicht die Mauern in den Köpfen - und sogar welche, die erst in der Neuzeit errichtet wurden. Auch Schutzzäune und Grenzanlagen sorgen in manchen Regionen dafür, dass immer noch Menschen voneinander getrennt werden. Einige dieser Schutzeinrichtungen halte ich für sinnlos, andere aber auch für notwendig.

Die Exklaven (Teile politischer Gebiete, die vom Rest des Gebietes räumlich getrennt und nur über andere Gebiete zu erreichen sind) Ceuta und Melilla, zwei spanische Städte, die aber auf nordafrikanischem Gebiet liegen, haben ein großes Problem. Weil beide Städte zur EU gehören, aber aufgrund ihrer Lage über Sonderrechte verfügen, sind sie ein begehrtes Ziel illegaler Einwanderer, die auf eine Weiterreise nach Europa hoffen. Um dies zu verhindern, erbauten die spanischen und marokkanischen Behörden in den 1990ern einen 8,2 und einen 10,9 km langen Schutzwall.

Hier bin ich sehr zwiespältig. Einerseits sehe ich ein, dass Europa nicht alle Flüchtlinge aufnehmen kann, die wahrlich nicht ohne Grund die Flucht aus ihren Heimatländern auf sich nehmen; andererseits ist Europa aber nicht für die Gründe der Flucht verantwortlich und auch nicht in der Lage, alle, die dies möchten, einreisen zu lassen. Da die Flüchtlinge illegal immigrieren möchten, kann ich allerdings schon verstehen, dass dies verhindert werden soll. Und eine andere Lösung, als den Schutzwall zu errichten, sehe ich hier nicht.

In Israel wird seit 2002 an einem elektronisch überwachten Schutzzaun mit integrierten Betonverstärkungen gebaut, der nach israelischen Planungen über 700 Kilometer lang sein soll, um sich von den Palästinensergebieten im Westjordanland abzugrenzen. Der offizielle Grund ist die Absicht, Angriffe der Palästinenser auf das israelische Kernland abzuwehren. Durch unregelmäßig angebrachte Toranlagen ist es den Palästinensern möglich, mit einer offiziellen Erlaubnis der israelischen Behörden nach Israel zu gelangen. Wenn es stimmt, was die dortigen Behörden behaupten, ist die Zahl der Anschläge in den Bereichen, in denen der Schutzwall bereits errichtet wurde, erheblich zurückgegangen.

Ob das so stimmt, weiß ich nicht, aber der Logik der israelitischen Politiker mag ich nicht folgen. Die Auseinandersetzungen zwischen Palästina und Israel liegen mach meiner Meinung eindeutig im Verhalten der israelitischen Politiker begründet, die bisher keinerlei wirklich ernsten Willen gezeigt haben, die Auseinandersetzungen in diesem Gebiet friedlich beizulegen. Hier wird nach dem Motto verfahren, dass die Palästinenser das zu tun haben, was Israel will und weil dies nicht geschieht, wird der Schutzwall errichtet, um das palästinensische Volk noch mehr zu drangsalieren. Um nicht missverstanden zu werden: Auch die Palästinenser zeigen oft wenig Willen, sich auf friedliche Lösungen mit den Israelis einzulassen, was ich genauso verurteile, aber der größere Aggressor ist für mich Israel. Deshalb halte ich die israelische Sperranlage für sinnlos.

Zwischen Mexiko und den USA verläuft eine 3144 Kilometer lange Grenze mit insgesamt zwanzig Übergängen, die zu den meistfrequentierten der Welt gehört. Diese Grenze bereitet den US-Amerikanern erhebliche Probleme. Denn die illegale Einwanderung in die USA ist schon seit Jahren ein ständiges Thema beider Staaten, weshalb diese Grenze sehr stark überwacht wird. Neben der Grenzpolizei versuchen 6000 Angehörige der Nationalgarde, der illegalen Grenzübertritte Herr zu werden. Um dieses Problem besser in den Griff zu bekommen, soll der bereits bestehende Grenzzaun auf 1125 Kilometer erweitert werden, was der mexikanische Präsident mit dem Bau der Berliner Mauer verglich.

Nicht alles, was die US-Amerikaner veranstalten, findet meinen Beifall, aber hier handeln sie richtig. Wie jeder Staat haben auch die USA das Recht, illegalen Einwanderungen einen Riegel vorzuschieben, und wenn es nicht anders geht, muss dies halt mit einer verstärkten Grenzsicherung geschehen.

Dann gibt es noch zwei Grenzen, für die ich kein Verständnis habe, nämlich die in Zypern und Korea. Besonders die seit 1953 bestehende Grenze zwischen Nord- und Südkorea erinnert mich stark an die Berliner Mauer. Auch hier prallen zwei völlig unterschiedliche Systeme aufeinander, die offenbar partout nicht zusammenkommen können. Leider sieht es nicht so aus, als ob das nordkoreanische Volk, dem es ziemlich dreckig geht, die Kraft für eine friedliche Revolution wie seinerzeit in der ehemaligen DDR aufzubringen. Und die nordkoreanische Staatsführung tut absolut nichts, um die Situation für die Bevölkerung wenigstens etwas zu verbessern und ist auch ziemlich untätig, was die Verbesserung der Beziehungen zu Südkorea betrifft.

Die sogenannte „grüne Linie“, die seit 1974 auf einer Länge von 180 Kilometern auf Zypern die griechische von der türkischen Bevölkerung trennt, ist auch eine Grenze, die bei mir auf Unverständnis stößt. Hier hat nach meiner Meinung die Türkei die Schuld daran, dass diese Linie immer noch besteht. Ich vermisse jeglichen Willen, den von ihr militärisch besetzten nördlichen Teil der Insel, der von den Türken „Türkische Republik Nordzypern“ genannt wird, zu verlassen. So wird das nichts mit dem EU-Beitritt.

Leider ist es so, dass die Grenzanlagen, die ich für sinnlos halte, aufgrund politischer Entscheidungen bestehen. Ginge es nur nach den Wünschen und Sehnsüchten der jeweils einheimischen Bevölkerung, bin ich davon überzeugt, dass ein friedliches Zusammenleben oder wenigstens Nebeneinander ziemlich reibungslos klappen würde. Denn ich glaube fest daran, dass sowohl die Griechen und die Türken auf Zypern, die Nord- und die Südkoreaner und sogar die Palästinenser und Israelis keine Auseinandersetzungen wollen. Aber das Volk wird ja nicht gefragt.



Recherchequellen:
spiegel.de
focus.de
uni-kassel.de
dig-frankfurt.de
welt.de
tagesschau.de
Wikipedia

Bildquelle:
www.pixelio.de,
fotografiert von Babajaga
© Babajaga / PIXELIO
 
Meinungen von Lesern zu diesem Artikel
henkipenki | 12.11.09 |  07:33  Uhr
RE: Mauern, Grenzanlagen, Schutzzäune
Interessant, die Recherchen zu lesen, begegnen wir dem Trennenden aber mit Gleichmut, die Zeit wird es richten - der Limes, der Hadrianswall und auch die Chinesiche Mauer haben ihren Sinn verloren, all das nützt wenig, denn die Gedanken sind frei und irgendwann wird man die beschriebenen Trennungslinien als Touristenatraktion besichtigen können !
Klaus Blochwitz | 11.11.09 |  17:32  Uhr
RE: Mauern, Grenzanlagen, Schutzzäune
Es ist ein trauriges Thema, Trennung von Mensch und Land aus politischen Gründen.

Ein sehr interessanter Artikel voller Fakten!

MfG Klaus aus Nettetal
Amadeus 57 | 11.11.09 |  17:23  Uhr
RE: Mauern, Grenzanlagen, Schutzzäune
Ich finde es angesichts des Memoriam über den deutschen Mauerfall grundsätzlich gut, einmal daran zu erinnern, wo diese verdammten Dinger noch überall sind. An ein paar Stellen würde ich heftig korrigieren: Wenn z.B. in Nordkorea einer auch nur leise das Maul aufmacht, ist er fast schon tot. Nix friedliche Revolution, das ist noch einen Batzen barbarischer, als es in der DDR war.
Dieses monströse Mauerdings zwischen Israelis und Palästinensers zerschneidet zum Teil viel mehr, als du hier beschrieben hast. Andererseits ist inzwischen dort die Situation so verfahren, dass ich nicht daran glaube, dass sich die Leute nach einem Mauerfall in die Arme fallen würden. Leider ganz im Gegenteil inzwischen. Und in Zypern, wo ich die Rolle der türkischen Politik für übel halte, hatte erstmal der Erzbischof Makarios mit seinem griechischen Mist angefangen und das kommende Elend provoziert. Dort traue ich der Bevölkerung auf beiden Seiten immer noch mehr zu, von den angesiedelten türkischen Kolonisten einmal abgesehen.
Amadeus
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