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Debatte
Politik & Gesellschaft | Deutschland | Debatte 
Debatte |  16.11.09 |  09:53  Uhr

NUMERIS STULTORUM
von Jurij Below | Frankfurt |  366 mal gelesen
Die UNO und anderen internationalen Organisationen haben immer Lust auf Boykott aus verschiedenen Gründen fast gegen alle Länder der Welt.
Stultorum infinites est numerus (Horaz) oder kurz wiederholt am Foro Romano „NUMERIS STULTORUM“ seiner Zeit als Jargon für Plebs bewertet bedeutet einfach, dass es in der Welt Unzahl der Dummköpfe, die wissen nicht, was sie wollen. Der Begriff Boykott geht auf den Kapitän Charles Cunningham Boycott zurück, einen in Irland lebenden englischen Grundstücksverwalter, der durch eine durch die irische Landliga 1880 organisierte Aktion während des Land Wars unterlag und keine Pächter mehr fand. (so Wikipedia).

Aber schon in der Antike ganz selten z.B. während der Kriege wurde so ähnliches getrieben um die einem Dritten zu erpressen. Dann kam es häufiger im Mittelalter und seit Captain Boycott begann seinen Triumphzug der Boykott als Lieblings Druckmittel durch die Welt. Von Teeboykott in Boston und Boykott der jüdischen Händler in Berlin bis zu merkwürdigen Boykott von U-Bahn gegen die Mauer vor 48 Jahren in West-Berlin.

Von mir rausgesuchten Boykotte die bei der UNO gemeldet haben in der Statistik die seit 2006 nicht mehr aktualisiert wurde und ebenfalls bei den anderen Internationalen Organisationen wie etwa Green Peace, a. i., WJC und zahlreichen Bürgervereine unserer Zeit bietet ganz neue Gründen außer kommerziellen und Sorgen um die Menschenrechte.

Es ist faszinierend mal bei UNO Webseite herum zu stöbern und bei dem Thema Boykott mal unter die Lupe nehmen: was es für Anlässe für einen Boykott der Länder noch gibt. Schauen Sie selbst an, sie finden nicht nur Deutschland, sondern auch Andorra oder Vatikan und noch ein paar exotischen kleinen Ländern der Welt, die nicht jeder bei Namen kennt. Manchmal die Gründe entsprechen tatsächlichen Problemen, manchmal aber seltsamen Begründungen, die etwas komisch sind.

Mit Rot habe ich gekennzeichnet die gut motivierte Boykott Appelle, mit Blau - die seltene und mit Grün die seltsamen. Manchen wurden sehr schwer zuzuordnen, sie blieben Schwarz.

Afghanistan für die stark eingeschränkten Rechte der Frauen.

Ägypten für sein autoritäres Regime unter Präsident Mubarak.

Albanien für seine Unterstützung der Terroristen der UCK.

Algerien für die Beteiligung von Regierungstruppen an Menschenrechtsverletzungen im Zuge des Bürgerkrieges.

Andorra für die fehlende Trennung von Religion und Staat. Eines der beiden Staatsoberhäupter ist immer der Bischof von Urgel (Spanien).

Angola für die Beteiligung von Regierungstruppen an Menschenrechtsverletzungen im Zuge des Bürgerkrieges.

Antigua und Barbuda für die Benachteiligung Barbudas, die zu Separationsbestrebungen führten.

Äquatorialguinea für die Militärdiktatur unter Teodoro Obiang Nguema Mbasogo.

Argentinien für seine bisher unzureichende Aufarbeitung des Landes als Fluchtpunkt von hohen Nazi-Funktionären und Nazi-Kollaborateuren in der Ägide des „Landesvaters“ Perons.

Armenien für seine Besetzung eines großen Teils der Fläche des Nachbarlandes Aserbaidschans und der teilweisen Vertreibung der ansässigen einheimischen Bevölkerung.

Aserbaidschan für die undemokratische Art des Präsidenten Alijew seinen Sohn als Nachfolger einzusetzen.

Äthiopien für seinen Krieg mit Eritrea.

Australien für seine restriktive Asylpolitik.

Bahamas für die jahrelange Abschiebung und Abweisung haitianischer Bootsflüchtlinge.

Bahrain für die Marginalisierung der schiitischen Mehrheitsbevölkerung.

Bangladesch für die jahrelange Unterdrückung der Bevölkerung in den „Chittagong Hill Tract“.

Belgien für die unaufgearbeitete blutige Kolonialgeschichte im Kongo.

Belize für die massiven Steuererhöhungen, die Anfang 2005 zu Unruhen führten.

Bhutan für die Vertreibung der nepalesischen Bevölkerung.

Bosnien-Herzegowina für die ungenügende Aufarbeitung der Kriegsgräuel auf allen drei Seiten.

Bolivien für die jahrzehntelange Marginalisierung der indigenen Bevölkerung durch die europäischstämmige Bevölkerung.

Botswana für die Marginalisierung der San-Bevölkerungsgruppe.

Brasilien für die unzureichende Verfolgung der Morde an Straßenkindern.

Brunei für seine fehlende Demokratie.
Bulgarien für seine jahrzehntelange Marginalisierung und Bulgarisierungsversuche gegenüber dem muslimischen Bevölkerungsteil.


Burkina Faso für die vermutliche Unterstützung der „Union der Patrioten für die totale Befreiung der Elfenbeinküste“ (UPLT) im Nachbarland Elfenbeinküste.

Burundi für seinen Anteil am Bürgerkrieg im benachbarten Kongo.

Chile für die Enteignung der Mapuche unter Pinochet und der ausstehenden wirklichen Restitution.

China, Nationalrepublik für seine jahrzehntelange Unterstützung von terroristischen antikommunistischen Gruppen durch die „Antikommunistische Weltliga“ (z.B. der Contras in Nicaragua).

China, Volksrepublik (1) für seine Unterstützung von Ländern wie dem Sudan zur Sicherung des Rohstoffbedarfs (Erdöl).
China, Volksrepublik (2)für seine massive Zensur im Internet.

Costa Rica für die Zerstörung des Regenwaldes durch Monokulturen (Bananenplantagen).

Dänemark für seine restriktive Asylpolitik.

Deutschland, weil es sich bis heute weigert an die Überlebenden und Verwandten der Opfer von Massakern z.B. in Italien oder Griechenland Reparationen zu zahlen oder noch lebende NS-Täter ans Ausland auszuliefern.

Dschibuti für die jahrelange Marginalisierung der Afar-Bevölkerung.

Elfenbeinküste für die fremdenfeindliche Politik des Präsidenten Gbagbo, die u. a. in den Bürgerkrieg führte.

El Salvador für die unaufgearbeiteten Gräuel, die während des Bürgerkrieges stattfanden.

Eritrea für seinen Krieg mit Äthiopien.

Estland für die eingestellten Ermittlungen gegen den in Venezuela lebenden estnischen NS-Kollaborateur Harry Männil, der während der deutschen Besatzung Estland 1941 bis 1944 Mitglied der mit den Nazis kollaborierenden als Mitglied der estnischen Staatspolizei gewesen war.

Fidschi für die Marginalisierung des indischen Bevölkerungsteils.

Finnland für den Neubau von Atomkraftwerken.

Frankreich für seine Unterdrückung der Unabhängigkeitsbewegung auf Neukaledonien.

Gambia für die unaufgearbeiteten Morde 2000 an mindestens 14 Personen bei einer Straßenschlacht zwischen studentischen Demonstranten und der Polizei.

Georgen für seinen Anteil am Bürgerkrieg in den Landesteilen Abchasien und Südossetien.

Griechenland für seinen Anteil am Bürgerkrieg auf Zypern.

Großbritannien und Nordirland für die jahrzehntelange Marginalisierung der katholischen Bevölkerung in Nordirland.

Guatemala für die Marginalisierung der indigenen Bevölkerung.

Guyana für die lebenslangen Haftstrafen für Schwule und Lesben.

Honduras für die Straflosigkeit für an Menschenrechtsverletzungen, während früherer Militärregimes, verantwortliche Personen.

Indien für die Vertreibung der Bevölkerung in Kashipur wegen einer Industrie-Ansiedlung.

Indonesien für die unaufgearbeiteten Pogrome gegen die chinesischstämmige Bevölkerung.

Irak für die Beteiligung religiöser Fundamentalisten an der Regierung.

Iran (1) für die Verfolgung und Entrechtung der Bahai-Religionsgemeinschaft.
Iran (2)wegen der Holocaustleugung.

Irland für das fortbestehende Abtreibungsverbot.

Island für den Bau des Wasserkraftwerkes am Vatnajökull.

Italien für die jahrelange Beteiligung extrem rechter Parteien wie der Lega Nord an der Regierung.

Jamaika für die Diskriminierung von Homosexuellen. Laut Wikipedia wurden allein in den letzten fünf Jahren über 30 Jamaikaner aufgrund ihrer Homosexualität ermordet.

Japan für die ungenügende Aufarbeitung japanischer Gräueltaten im zweiten Weltkrieg, zum Beispiel die nicht geleistete Reparation an koreanische Zwangsprostituierte („Trostfrauen“).

Jemen für die Dominanz des nördlichen Landesteils.

Kambodscha für die weitgehend straflose Amnestisierung der „Roten Khmer“.

Kamerun für die Marginalisierung des kleineren anglophonen Bevölkerungsteils durch den frankophonen.

Kanada für die jahrelange Zwangadoption der Kinder der indigenen Bevölkerung.

Kasachstan für die staatliche Repression gegenüber kritischer Medienberichterstattung.

Katar für seine Internet-Zensur.

Kenia für eine Gesetzgebung, die lediglich die Genitalbeschneidung an unter 16-Jährigen verbietet.

Kirgisistan für seinen zunehmend autoritär regierenden Präsidenten Askar Akajew.

Kolumbien für die Zusammenarbeit des kolumbianischen Militärs mit rechten Paramilitärs, die dann oft Menschenrechtsverletzungen betreiben.

Komoren für die Marginalisierung der Inseln Anjouan und Mohéli, was dort zu Separationsbemühungen führte.

Kongo (Demokratische Republik) für die Beteiligung der Verantwortlichen während des Bürgerkrieges an der Beteiligung.

Korea (Demokratische Volksrepublik) für seine massive repressive Bevölkerung gegenüber der Bevölkerungsmehrheit.

Korea (Süd) für seine unaufgearbeitete Finanzierung der pro-terroristischen „Antikommunistischen Weltliga“.

Kroatien für seine teilweise positive Bezugsnahme auf das faschistische kroatische Ustascha-Regime.

Kuba für die Todesurteile gegen drei Entführer einer kubanischen Passagierfähre.

Kuwait für die fehlende Demokratie.

Laos für die Menschenrechtsverletzungen des Regimes gegenüber den Minderheiten im Land.

Lesotho für die jahrelange Verharmlosung der Immunschwächekrankheit Aids durch die Regierung.

Lettland für die Hofierung lettischer SS-Angehöriger als Freiheitskämpfer durch die Regierung.

Libanon für die Beteiligung der fundamentalistischen und terroristischen Hisbollah an der Bevölkerung.

Lybien für die Förderung und Finanzierung deutscher Rechtsextremisten.

Liechtenstein für den demokratischen Rückschritt mit der Machterweiterung für den Fürsten.

Litauen für die Ermittlung gegen den ehemaligen jüdischen Partisan, der heute Vorsitzender von Yad Vashem ist.

Luxemburg dafür, dass der Großherzog formal über weit reichende exekutive und legislative und damit letztlich undemokratische Befugnisse verfügt.

Madagaskar dafür, dass der frühere Präsident Ravalomanana trotz fehlender Mehrheit vom Verfassungsgericht zum Sieger erklärt und durch bürgerkriegsähnliche Zustände mit 30 bis 40 Toten an die Macht kam.

Malaysia dafür, dass sein Premier Mahathir am 16. Oktober 2003 das bislang größte globale Islam-Gipfeltreffen in Kuala Lumpur mit einer antisemitischen Rede eröffnete.

Malediven dafür, dass nach oppositionellen Demonstrationen gegen das Regime des Präsidenten Regimegegner in den Gefängnissen verschwanden und der Präsident seit 26 Jahren totalitär herrscht.

Mali für die Marginalisierung der Tuareg-Bevölkerung, was 1990-1995 zu Aufständen führte.

Malta für die massive Jagd auf Zugvögel in dem Land mit der höchsten Jägerdichte in Europa.

Marokko für andauernde Besetzung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (Westsahara).

Marshall-Inseln für die Vermietung des Bikini-Atolls als atomares Endlager.

Mauretanien für das Fortdauern der 1981 offiziell verbotenen Sklaverei.

Mazedonien für die Beihilfe zur Entführung des Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri Ende 2003 durch den mazedonischen Inlandsgeheimdienst.
Mexiko für die jüngsten Menschenrechtsverletzungen begangen bei der Niederschlagung des Streiks in Oaxaca.

Moldau für die gescheiterten Frieden mit der Separatistenrepublik Transnistrien.

Myanmar (Burma) für die blutige Unterdrückung der demokratischen Bewegung.

Namibia für die homophoben Äußerungen des Präsidenten.

Nauru für die Beherbergung eines australischen Asyllagers.

Nepal für die blutige „Aufstandsbekämpfung“ im Bürgerkrieg.

Neuseeland für die jahrzehntelange Marginalisierung der Maori-Bevölkerung.

Nicaragua für ein Strafrecht, die Homosexualität verbietet und dafür, dass der neue Vizepräsident von Nicaragua der Ex-Contra Jaime Morales Carazo ist.

Niederlande für die Passivität der niederländischen Soldaten während des Massakers in Srebrenica (Bosnien-Herzegowina).

Niger für die Marginalisierung der Tuareg-Bevölkerung, was zu Aufständen führte.

Nigeria für die Marginalisierung und Unterdrückung der Bevölkerung im Niger-Delta.

Norwegen für den hohen Stimmgewinn der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (Fremskrittspartiet) 2005 mit 22,1% der Stimmen.

Österreich, weil es sich weigert mehrere NS-Kriegsverbrecher (z.B. die KZ-Wächterin Erna Walisch) an das Ausland auszuliefern bzw. ihnen den Prozess zu machen.

Oman für die fehlende Demokratie.

Pakistan für das autokratische Regime von Pervez Musharraf.

Papua-Neuguinea für die jahrelange blutige Unterdrückung der Bevölkerung auf Bougainville.
Paraguay für die blutigen Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten in der Hautstadt Asuncion am 16.09.2002 bei einer Demonstration gegen den Staatspräsidenten Luis Angel Gonzales Macchi.

Peru für das jahrelange autoritäre Regime unter Präsident Fujimoro und dessen Beteiligung an den zivilen Opfern Bürgerkrieg.

Philippinen für die Menschenrechtsverletzungen im Anti-Guerilla-Kampf gegen die muslimischen Separatisten und die „kommunistische“ New People’s Army.

Polen für die homophoben Äußerungen von Regierungsmitgliedern.

Ruanda für seine fördernde und direkte Einwirkung im Bürgerkrieg im Nachbarland Kongo.

Rumänien für die jahrzehntelange Marginalisierung der Roma-Bevölkerung.

Russische Föderation für die autoritäre Regierung und deren Einschränkung von Presse- und Meinungsfreiheit.

Samoa (-West) für den undemokratischen Einfluss der Häuptlingsaristokratie.

Sao Tome und Prinzipe für die, durch einen Putsch an die Macht gekommene, Militärregierung.

Saudi-Arabien für die massive Unterdrückung des weiblichen Bevölkerungsteils.

Die Schweiz für die Akzeptanz des Rechtspopulisten Blocher in der Regierung.

Senegal für die jahrelange blutige Unterdrückung der Bevölkerung der Casamance.
Serbien, dafür, dass es nicht genügend zur Ergreifung der als Kriegsverbrecher gesuchten Radovan Karadzic und Ratko Mladic unternimmt.

Simbabwe für die Unterdrückung der Opposition.

Singapur für seine äußert restriktiv bis Persönlichkeitsmanipulierende Gesetzgebung.

Slowakei für die Regierungskoalition, an der auch die extrem rechte „Slowakische National-Partei“ beteiligt ist.

Spanien dafür, dass die Urteile des Diktators Franco noch nicht aufgehoben sind.

Sri Lanka für die Beteiligung an dem blutigen Bürgerkrieg mit der LTTE, einer Organisation der tamilischen Minderheit.

St. Kitts und Nevis für die Marginalisierung der Insel Nevis, die in einer erfolglosen Unabhängigkeitsbestrebung von Nevis mündete.

Südafrika für die repressive Behandlung von „illegalen“ Einwanderern aus Mosambik.

Sudan für die blutige Unterdrückung der Bevölkerung der Dhafur-Region.

Surinam für den Ausverkauf des einheimischen Regenwaldes zur Abholzung.

Swasiland für seine fehlende Demokratie in der letzten absoluten Monarchie Afrikas.

Syrien für die jahrzehntelange Beherbergung des Eichmann-Gehilfen Alois Brunner, der Ermordung von über 100.000 Juden beteiligt war.

Tadschikistan dafür, dass der 2006 wieder gewählte Emomalij Rahmonow vor der Wahl die Gegenkandidaten systematisch einschüchterte.

Tansania, dafür, dass in dem Konflikt zwischen den beiden größten Parteien nach den Wahlen 2000 etwa 30 CUF-Anhänger bei Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften starben.

Thailand für die repressive Politik gegenüber der muslimischen Bevölkerung in Süd-Thailand.

Timor-Leste (Osttimor) für die repressive Antwort auf Proteste in der Bevölkerung.

Togo für sein autoritäres Regime mit seinen massiven Menschenrechtsverletzungen.

Tonga für seine fehlende Demokratie.

Tschad für die Unterdrückung der Rebellion in der Tibesti-Region.

Tschechische Republik für die Marginalisierung der Roma-Bevölkerung.

Tunesien für die staatliche Repression gegenüber kritischer Medienberichterstattung.

Türkei für die Marginalisierung und Unterdrückung der kurdischen Bevölkerung.

Turkmenistan für sein totalitäres Regime unter Saparmurad A. Nijasow.

Uganda für den starken Einfluss des Militärs.

USA (1) für die Nicht-Entschädigung der vietnamesischen Opfer des „Entlaubungsmittel“ Orange Laut (verwendet im Vietnamkrieg).
USA (2) für Duldung von rechstextremistischen Organisationen wie etwa Aryan Nations und Duldung im Internet über 6.000 anti-semitischen Webseiten

Usbekistan für die blutige Niederschlagung der Proteste in der Stadt Andijon im Ferganatal im Mai 2005, bei der 400 bis 600 Menschen durch usbekisches Militär erschossen wurden.

Vanuatu für die ungeklärten Besitzansprüche zwischen Vanuatu auf die kleinen Matthew- und Hunterinseln.

Vatikanstadt für die komplette Ausgrenzung von Frauen in dieser Theokratie.

Venezuela für die politische Anbiederung an den Iran und die Bedienung antisemitischer Klischees durch den Regierungspräsidenten Chavez („Christusmörder“).

Vereinigten Arabischen Emirats für die Marginalisierung der „Gastarbeiter“-Bevölkerung.

Vietnam für die Marginalisierung der Minderheiten.

Weißrussland für das autoritäre Regime unter Präsident Lukaschenko.

Zentralafrikanische Republik für ihre Putsch-Regierung.

Zypern für die mangelhafte Verständigung zwischen den beiden Landesteilen.

So viel von Marginalisierung, fehlender Demokratie und kein Wort von Medien-Kontrolle und Globalisierung der Finanzen und Wirtschaft. (Ach, ja - bei Boykott wird nicht an privaten Personen gedacht, sondern an unabhängigen Staaten!?) Auch ein Kreig, der Putin in Tschetschenien führte - gab keinen Anlass zum Boykott. Ich will absichtlich die Intiatoren der Boykotts hier nicht nennen, denn sowieso keine der Boykotts zustande kam. Aber man kann daran denken: wieviel Geld so tollen (außer rotmarkierten) Vorschäge gekostet hat.

Wie gerecht oder mindestens sinnvoll diese Boykotts in der Mahnungsliste sind, sollten Sie selbst entscheiden. Meine Lieblingsboykotte: betreffen Andorra und Vatikanstaat.

Liebe Grüße aus Frankfurt- JB

P.S. Ich habe keine Selbszensur betrieben. Es ist so ein Land, die in der Presse zu oft im Sinne des Boykotts genannt wird, von keiner etablierten Institutionen Lust auf Boykott hervorgerufen hat.
 
Meinungen von Lesern zu diesem Artikel
Jurij Below | 17.11.09 |  23:10  Uhr
RE: NUMERIS STULTORUM
Lieber Amadeus!
Es geht doch nicht um meine oder Deine Privatbyokotte (übrigens, ich habe noch nie eine Privatperson "boykottiert"- obwohl schon keinen Kontakt mehr gesucht).

Also hier ist die Rede von Vielfalt der politischen Bürokraten bei der UNO und anderen Weltorganisationen, die das ganz seriös meinen.
Einem Bericht New York Times zufolge:

Es ist in New York 23:00. Sieben Fenster auf 23. Stock der UNO Gebäude noch ist ganz hell. Die Expertenkommission tagt da seit 16:00 Uhr und diskutiert vom Sinn und Unsinn der Iran Boykott (Vorschlag: Israel). 39 Personen beschäftigen sich damit... Und das noch weitere drei Tage gedauert. Entscheidung: von UNO ist NEIN, Israel soll/kann/darf/muss selbst machen... (Sinngemäß).

Weiter in diesem Bericht der Autor Wance L. Borrmann erzählt über die Kosten solch aktiver intellektuell-hochwertigen Arbeit. 39 Personen machen das im Auftrag der UNO und verdienen damit je 200 Doll./Std.

Borrmann präsentiert in diesem fast satirischem Stück als Paradebeispiel Andorra Boykott und fügt dazu: "...wenn es UNO direkt an Andorra den Betrag, welcher sie an die Experten bezahlt hat, dann Bischof und Kardinal (von Spanien und Frankreich) lieber so was wie Schweizer Garde (Vatikan) ohne Boykott selbst organisierte und die Sache wurde längst vom Tisch".

Borrmann zum Schluss schlägt ganz gnadenlos zu: "noch besser wäre: die ganze Armee von Armen aus Leiteinamerika nach Andorra zu schicken - dann wäre nicht mehr nötig entsprechenden Behörden von Frankreich und Spanien, die auch was kosten, weiter zu finanzieren.

Also: Difficile est satiram non scribere (Es ist schwer, keine Satire zu schreiben). So habe ich auch mit der Aufstellung NUMERIS STULTORUM gemeint. Nur wenigen wissen, dass jeder deutsche Bürger auch UNO finanziert...
Amadeus 57 | 17.11.09 |  20:52  Uhr
RE: NUMERIS STULTORUM
Lieber Jurij, was soll ich da sagen. Ich boykottiere Olympiaden und ähnliches dadurch, dass ich das ignoriere. Ich boykottiere genauso den Medienzirkus (außer opinio, das, reagiert aber eher darauf). Ich boykottiere auch schon mal Wahlen. Ich boykottiere das Fernsehen. Ich boykottiere Wahlkampfveranstaltungen. Das langt dann doch. Dafür rauche ich, trinke Alkohol, esse Schweinefleisch und ... und das langt dann auch.
Ich kann jetzt nichts extra noch mal boykottieren, was ich sowieso schon boykottiere. Würde ich auch nicht, weil mir die Zeit dafür fehlt, die ich durch das Boykottieren gewinne und nicht auf Boykotte verwenden möchte. Und Boykotte nützen eh nur was, wenn die ganz Mächtigen dazu aufrufen um dann die Entbehrungen auf uns kleine Schäflein abzuladen.
Grüßen boykottiere ich nicht, Amadeus
Jurij Below | 17.11.09 |  19:13  Uhr
RE: NUMERIS STULTORUM
Liebe Leser!
was hindert sie trotz der Neugier zu diesem Thema eigene Meinung zu sagen?

Zugegeben: ich habe nur eine kleine Auswahl von Boykott-Vorschläge aufgelistet. Mich würde interessieren ob ich allein finde alldas als Unfug oder doch ein Boykott prinzipiell einen Sinn hat.

Manche Boykotte z.B. wegen der Olympische Spiele insbesondere in der UdSSR nach Einmarsch von bereits agionisierte kommunistischem System dort nur teilweise ernst genommen wurden. In dem Fall aber trotzdem die Russen einen solchen Protest des Westens als Hilfserklärung wahrgenommen haben und in der Tat dieser Boykott hat Untergang dieses Landes wesentlich beschleunigt.


Momentan Vorbereitung der Pisten bei Sotschi sieht so aus. September 2009 Foto: privat

Nun Olympische Winterspiele in Sotschi 2014 sollen stattfinden.

Sotschi war ein beliebter Kurort als ( „Nizza“ des Kaukasus genannt) in der Sowjetzeit und liegt nördlich von Abchasien und Georgien am Schwarzen Meer. Das ganze Gegend durch drei Kriege (gegen Tschetschenien 1996-2004 und Georgien 2009) sind völlig zerstört, selbst Flughafen noch nicht in Betrieb genommen, herum sind Tausende Flüchtlinge aus Tschetschenen, Abchasien und ganze Menge von russischen Armee mit ihrer Raketen und Panzern.

Der Krieg geht weiter sporadisch. Moskau überall wie in sowjetische Zeiten Marionettenregierungen für scheinbar unabhängigen Autonomrepubliken installiert, aber zu erst scheiterte in Georgien. Nun erschweren die Kosaken reibungslosen Nachschub vom russischen Militär. Moskau will unbedingt wieder in Kaukasus über 39 Nationen herrschen.

Elend, Wirrwarr, tägliche Partisanen Schüsse und absolut demoralisierte „Kinder-Armee“ (Soldaten 18-19) und noch dazu Deserteure, die schnell durch Georgien und Armenien durch die Türken täglich fliehen. Viele Orte sind ohne Strom, Eisenbahnverkehr der seit 1890 meist von Deutschen ausgebaut wurde momentan nur streckenweise funktioniert, Eisenbahnstationen liegen in Trümmern.

Was soll das mit der Winterolympiade ausgerechnet dort wo täglich noch dazu Politiker, Journalisten und Rechtsanwälte getötet werden. Moskau hat in einer Erklärung versichert, dass die Streitkräfte werden um reibungslose Verlauf der Spiele sorgen. Aber wie die Grenze zu Abchasien ist nur 4 Km von Sotschi Stadtzentrum entfernt. In der Stadt selbst überwiegend gemischte Bevölkerung (von insgesamt etwa 300.000) verständigt sich nicht durch Russisch sondern durch Georgisch.

Über 6.000 Russen haben nach Krieg in Georgien Sotschi panikartig verlassen und wagen nun nicht zurück zu kommen. Selbst die patriotisch gesinnten Russen wegen des Sanitärkordons von Kosaken, die streben nach Kosaken Donrepublik (Kosakia) zu der Sotschi auch angehört, glauben nicht daran, dass Winterolympiade die am 7. Februar 2014 beginnen soll, störfrei verlaufe - denn ganz bestimmt 3 Kaukasus, sowie Ukraine, 3 Baltische Staaten und 5 Mittelasiatische Staaten werden diese boykottieren. Geschweige von Partisanen von Tschetschenien, die herum in Asyl leben und schell die russischen Stellungen angreifen. Immerhin, nach russischen Angaben, 800.000 Soldaten „den Frieden sichern“.

Zwei Boykotte (1933 - „Don’t buy German Goods“ und 1938 - „Kauft nicht bei Juden“) haben es bereits schwere Folgen gehabt.

Aber vielleicht wenn die Alliierten doch statt Aufrüstung die „UdSSR“, lieber die Tyrannei und Völkermord boykottiert hätten, dann hätten wir mindestens keine Mauer in Berlin gehabt.
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