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Wirtschaft & Soziales | sonstiges 
sonstiges |  01.12.09 |  20:58  Uhr

N'joki
von emmerzhausen | Haan |  217 mal gelesen
28 Jahre, vier Kinder, 6-Tagewoche für 70 Dollar...
N'joki ist Kenyanerin. Sie arbeitet bei Sher-Agencies, einem niederländischen Unternehmen, am Naivasha See ca. 70 Kilometer nordwestlich von der Hauptstadt Nairobi.

Sie ist nur eine von ca. 5000 Arbeitnehmern des Unternehmens, davon 70% Frauen. Bücken gehört zu ihrer Arbeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Afrikanern wohnt sie richtig komfortabel: ein Häuschen mit Strom und Wasseranschluß. Der Menschenrechtsrat von Kenya hat ihrem Arbeitgeber ein besonderes Gütesiegel bescheinigt. Dies gilt nicht automatisch für die anderen im Raum des Naivasha Sees engagierten Unternehmen mit ca. 95.000 ähnlichen Arbeitsplätzen.

N'joki ist Blumenpflückerin und arbeitet in den Gewächshäusern ihrer Blumenfarm. Kennenlernen werden wir uns persönlich nie, weder in Kenya, dem 'Land des weißen Berges (Kima ja Kegnia) an der Ostküste Afrikas, noch in Deutschland. Außerdem gibt es viele N'jokis, aber auch eine Verbindung...

Vor 14 Tagen stand ich in unserem Lidl-Markt an der Kasse und wollte gerade bezahlen, als mein Blick auf einen Eimer mit langstieligen gelben Rosen fiel. Frisch sahen sie aus, als seien sie gerade erst gepflückt worden. Feste noch geschlossene Blüten. Davon nehme ich einen Strauß mit, beschloß ich spontan.

48 Stunden brauchen sie für ihre ca. 6000 Kilometer lange Reise in den deutschen Supermarkt. Jeder dritte in Europa verkaufte Blumenstrauß komme aus Kenya, las ich später im Internet.

"Das sind Super-Rosen," sagte meine Frau heute zum wiederholten Mal. "Sie sehen immer noch schön aus. Du hast mir eine Freude damit gemacht."

Danke, N'joki!
 
Meinungen von Lesern zu diesem Artikel
Rosa Canina | 02.12.09 |  07:34  Uhr
RE: N'joki
Seit ich weiß, wie die meisten Schnittblumen heranwachsen, unter welchen Bedingungen die Menschen arbeiten, die dafür sorgen, dass ständig beim Discounter Blumensträuße verschleudert werden, seither kaufe ich so etwas nicht mehr.

Meine Freundin hatte mal eine Geschäftsbeziehung zu einer Pantage, auf der Schnittrosen gezüchtet wurden. Allerdings fair gehandelt. Da kostete eine Rose 3 - 3,50 Euro. Das war zwar Luxus, aber dort habe ich hin und wieder mal eine gekauft.

Mittlerweile leiste ich mir höchstens ein paar abgeschnittene Blüten meiner Alpenveilchen in der Vase. Sehen auch hübsch aus.

Gruß vonne Rosa
Roberto Bianco | 02.12.09 |  07:12  Uhr
RE: N'joki
Lidl ist der übelste Dreckladen der Republik. Da wird bestimmt keine FAIRER Handel vorliegen.
mirte | 02.12.09 |  05:02  Uhr
RE: N'joki
Man kann nur hoffen, dass N'joki in einem der "fairen" Betriebe arbeitet, denn ansonsten sind es nicht nur die Dornen, die der armen Frau zu schaffen machen, sondern vor allem die Pestizide, die immer noch eingesetzt werden, um Pflanzen zu ihrer vollen Schönheit erblühen zu lassen. Diese Gifte wirken nicht nur direkt schädigend auf die Haut und die Atmung ein, sondern zusätzlich indirekt über verseuchtes Wasser - und dies leider immer noch, obwohl man inzwischen auch in Kenia sensibler geworden ist und nicht nur an den (dringend nötigen) Profit denkt.

Außerdem entziehen diese Pflanzungen sowohl der Bevölkerung als auch den zahlreichen Tieren das rare saubere Trinkwasser. Die weite Anlieferungsstrecke per Flugzeug ist zusätzlich umweltschädigend, Hauptumschlagplatz ist London, - aber wer mag daran beim Anblick einer zauberhaften Rose denken - ich schließe mich da keineswegs aus.

Mit freundlichem Gruß

mirte
Linda Bohrmann | 01.12.09 |  23:39  Uhr
RE: N'joki
Schön und zugleich traurig. Wie viel Mühe und zerkratzte Hände reden von den Knospen


schöne Adventstage Siglinde
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