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Köln
1300 Euro für Achenbach-Bild

Köln. Das Bergpanorama aus der JVA Essen wurde nun in Köln versteigert. Von Annette Bosetti

Jetzt dürften die Lager leer sein, die geheimnisumwitterten Depots voll mit der Kunst, die der verurteilte ehemalige Kunstberater Helge Achenbach über Jahrzehnte aus Freude sammelte oder aus Kalkül bunkerte, um sie weiterzuverkaufen oder Geschäfte damit zu machen. In Köln kam jetzt nach zwei publikumswirksamen Auktionen der Rest der Achenbach-Sammlung unter den Hammer. Nur noch wenig Interesse herrschte an der gar nicht so uninteressanten Ware. Maximal saßen 50 Bieter bei Van Ham im Saal. Es blieb bei kleinen Preisen: Einer von zig Immendorff-Affen ging für 18.000 Euro weg, eine Imi-Knoebel-Mappe für nur 12.000 Euro, und selbst die mit bis zu 50.000 Euro höchstdotierten Lose von Fotokünstler Thomas Struth liefen nicht so richtig heiß.

Die Überraschung des Tages war in jeder Hinsicht das als Sonderlos deklarierte Bild "Spirit of Freedom". Achenbach hatte es in einem Malkursus in der JVA angefertigt und - nach Aussage seines Anwalts - nur unter großen Mühen aus der JVA herausgebracht. Der Erlös soll der Düsseldorfer Flüchtlingshilfe zugutekommen. Aber Los 221 floppte. Nicht einmal das Mindestgebot von 3500 bis 5000 Euro erzielte das Bergpanorama des als Künstler bisher nicht hervorgetretenen Achenbach. Es ging für 1300 Euro an einen unbekannten Online-Bieter. Zum Ersten, Zweiten und zum Dritten.

Am Auktionstag selbst hatte man das Bild nach der Vorbesichtigung wohlweislich wieder verpackt und in die hinteren Regale geschoben. Wie einen Ladenhüter, als der es sich dann auch erwies. Offensichtlich hat sich Achenbach wieder einmal selbst überschätzt, etwas als Kunst ausgegeben, was tatsächlich wenig mit Kunst zu tun hat. "Wer will denn so etwas kaufen?" Das raunte ein Mann seiner Nachbarin in der letzten Bieter-Reihe zu und sprach von einem doppelten Malus: dem Namen des "Künstlers" und der mangelhaften Qualität.

Es könnten immer noch Werke vereinzelt auftauchen, Auktionen werde es sicher nicht mehr geben. Das sagte Achenbach-Anwalt Urs Breitsprecher am Ende der Auktion. Für Van-Ham-Inhaber Markus Eisenbeis war der Exklusivvertrag zum Versteigern der Insolvenzmasse des Kunstberaters ein Glücksfall. Dank der Prominenz des Sammlers und dank der Güte und des Volumens der verschiedenen Achenbach-Sammlungen gab es gesteigertes Interesse an allen Auktions-Events, die seit Sommer 2015 liefen. Van Ham hat nach eigenen Angaben 11,65 Millionen Euro eingespielt. Dank des auch durch die Achenbach-XXL-Auktion in Düsseldorf und Köln erwirtschafteten Auktionsrekordes im Jahr 2015 hat sich das Auktionshaus mit Markus Eisenbeis an der Spitze auf den dritten Platz in der Rangliste deutscher Auktionshäuser schieben können.

Die Forderungen der Gläubiger, die wegen Betrugs gegen Achenbach erstritten wurden, belaufen sich auf mehr als 20 Millionen Euro.

Quelle: RP
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