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Dortmund
500 Jahre Braukunst: große Schau in Dortmund

Dortmund. "Neu Gold" - in einer berauschenden Dortmunder Schau steht das Bier im Mittelpunkt. Von Veit-Mario Thiede

Das weithin sichtbare Wahrzeichen Dortmunds ist das "U". Genau betrachtet sind es vier "Us". Sie leuchten bei Nacht. Im Quadrat aufgestellt, bekrönen sie das Zentrum für Kunst und Kreativität. Der imposante Backsteinbau von 1926 war das erste Hochhaus im Ruhrgebiet. In ihm wurde die Bierwürze der Dortmunder Union Brauerei gekühlt und vergoren. Daher das "U" auf dem neuen Aufgaben zugeführten ehemaligen Lagerkellerhochhaus. Der Schauplatz passt also bestens zu einer Ausstellung, die anlässlich des Jubiläums "500 Jahre Reinheitsgebot" stattfindet.

Aufgeboten sind 200 Ausstellungsstücke. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf aktueller Kunst. Hinzu treten kulturgeschichtliche Anmerkungen zur Braukunst und zu Dortmunds bis in die 1970er Jahre währenden Rolle als Bierhauptstadt Europas. Neben Kohle und Stahl sorgte nämlich der in alle Welt exportierte Bierausstoß der Brauereien für Dortmunds Wohlstand. War Bier zusammen mit Kohle und Stahl das "alte" Gold der Stadt, soll das "Dortmunder Neu Gold" in der Kreativität bestehen. Bestes Beispiel für diesen Wandlungsprozess ist das vom Lagerkellerhochhaus zum Zentrum für Kunst und Kreativitat gewordene "U"-Gebäude.

Kulturhistorischer Höhepunkt der Schau ist sicherlich ein originales Druckexemplar des vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. und seinem Bruder Ludwig X. am 23. April 1516 in Ingolstadt erlassenen Reinheitsgebotes. Es ist Teil der Bayerischen Landesordnung und besagt bekanntlich, dass "zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen".

Präsentiert wird die folgenreiche Verordnung in einem ausladenden Wohnzimmerschrank, der der in den 1950er Jahren populären Gattung "Gelsenkirchner Barock" angehört. Das beschwört unbehagliche "deutsche Gemütlichkeit" herauf. Für eine komische Note sorgt jedoch die von Petra Fiebig entworfene Tapete mit Hirschköpfen. Die sind allesamt "verwackelt", so dass man meint, einen in der Krone zu haben.

Neue Klarheit verspricht der Beitrag des Amerikaners Tom Marioni. Seine im rechteckigen Wandrahmen gezeigte Videoinstallation "Golden Rectangle Beer" (2004) lädt zu besinnlicher Betrachtung ein. Bier wird eingeschenkt. Anschließend kann man ihm beim Abstehen zusehen. Aus der so gewonnenen Bierruhe reißen einen Iva Vachevas lärmend grellfarbige Gemälde heraus. Die in Berlin lebende Bulgarin gab ihnen Titel wie "Auf die Freundschaft" (2009). Enthemmte nackte Damen geben sich einer Sauforgie hin.

Und was ist das denn? Der Niederländer Dick Verdult macht sich mit seiner Krankenzimmer-Installation "Superfritz" (2015) über den Typus des unverwüstlichen deutschen Komasäufers lustig!

Ausgesprochen feierlich wirkt dagegen Michael Sailstorfers Beitrag "Hang over" aus dem vergangenen Jahr. Er besteht aus einem mit rund 300 Flaschen Bier bestückten Kronleuchter. Am 23. April dürfen die Besucher zur 500-Jahr-Feier des Reinheitsgebots die Bierflaschen austrinken. Aber Freibier kann man auch an jedem anderen Tag in der Ausstellung bekommen. Bereitwillig geben die Aufsichten ein Gläschen des eigens gebrauten Jubiläumsbieres aus.

Info Bis 1. Mai m Dortmunder U, Zentrum für Kunst und Kreativität, Leonie-Reygers-Terrasse. Di., Mi. 11-18 Uhr, Do., Fr. 11-20 Uhr, Sa., So. 11-18 Uhr. Informationen unter der Rufnummer 0231-5024723, Internet: www.dortmunder-neugold.de. Eintritt: sechs Euro

Quelle: RP
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