Berlin (RPO). Der krebskranke Regisseur Christoph Schlingensief ist auf dem Weg der Besserung und voller Tatendrang: Bereits im Januar soll der Bau des von ihm geplanten Operndorfs in Burkina Faso starten, heißt es in einem am Montag vom Goethe-Institut veröffentlichten Weihnachtsbrief des 49-Jährigen.
In dem Schreiben teilt er auch gesundheitliche Fortschritte mit: Seine Medikamente wirkten zur Zeit prächtig und hätten die Metastasen im verbliebenen rechten Lungenflügel zum Verschwinden gebracht.
Das Goethe-Institut unterstützt Schlingensiefs Projekt "Ein Festspielhaus für Afrika". Nach intensiver Suche habe Schlingensief in Burkina Faso den Ort gefunden, an dem sein Operndorf 2010 gebaut und eröffnet werden solle, teilte das Institut mit.
Die Stunde Null
In dem mit "Stunde Null" überschriebenen Brief heißt es weiter, die Regierung in Burkina Faso habe "ein wunderbares, spirituell aufgeladenes Gelände von sechs Hektar Größe übergeben". Ein Freund aus Burkina Faso habe die Pläne fertiggestellt. Er benutze einheimische Materialien. Viele Freiwillige aus Burkina Faso sorgten für die Realisierung.
"Zunächst wird die Schule gebaut für 500 Kinder und Jugendliche, mit der Besonderheit, dass es Film- und Musikklassen gibt", heißt es in dem Brief. Der Theatersaal, von der Ruhrtriennale gestiftet, sei bereits in Containern verpackt auf dem Weg zur Verschiffung. Die Weihnachtszeit sei für ihn in diesem Jahr wirklich eine fröhliche Zeit, fügte Schlingensief mit Blick auf seinen verbesserten Gesundheitszustand hinzu.
Schlingensief schrieb, für das Projekt seien Spenden zusammengekommen, "die nicht nur den Bau des Operndorfes ermöglichen, sondern auch seinen Betrieb für eine gute Weile absichern können". Die Wochenzeitung "Die Zeit", die am Dienstag erscheine, habe ihm die Weihnachtsausgabe ihres gesamten Feuilletons zur Verfügung gestellt. Es enthalte umfassende Informationen über Anfänge, Gründe und Hintergründe des Projekts.
Zu weiteren Unterstützern des Projekts zählen den Angaben zufolge die Kulturstiftung des Bundes, der Autor Henning Mankell, der Sänger Herbert Grönemeyer und der Regisseur Roland Emmerich.
"Kirche vermittelt mir keine Freude"
Allerdings schenkt der Glaube Schlingensief keine Freude: Er geht mit den christlichen Kirchen hart ins Gericht. "Leider habe ich den Glauben nicht wirklich als Hilfe empfunden", sagte Schlingensief dem Magazin "Cicero".
In den Gemeinden gebe es zwar wunderbare Mitglieder und gute Hilfsprojekte. "Im Großen und Ganzen habe ich aber das Gefühl, dass die Kirche mir keine Freude vermittelt", kritisierte er. Sowohl die katholische als auch die protestantische Kirche hätten sich "auf eine Art Abgesang" eingelassen: "Alles kommt mit einem Wimmerton daher."
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Quelle: apd/felt