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Tom Hanks
"Am Geburtstag gibt es Bier zum Frühstück"

Der 59-Jährige über seinen Film "Hologramm für den König", der am Donnerstag in die Kinos kommt. Von Mariam Schaghaghi

Berlin In seinem neuen Film spielt Tom Hanks den Manager Alan Clay, der nach Saudi-Arabien reist, um dort Geschäfte zu machen. Regie führte Tom Tykwer, mit dem der Schauspieler schon einmal gedreht hat. Hanks ist nach Berlin gekommen, um dort gemeinsam mit Tykwer die Filmpremiere zu feiern.

Das ist bereits der zweite Film, den Sie mit Tom Tykwer drehen. Was fasziniert sie an ihm?

Hanks Seit "Lola rennt" ist er für mich ein Gott. Dann lernte ich ihn während der Dreharbeiten zu "Cloud Atlas" kennen. Er jobbte mit 13 als Filmvorführer, reiste später nach San Francisco oder Detroit, um sich dort Filme anzuschauen, und zeigte Freunden im eigenen Kino bis früh morgens Filme. Das ging solange, bis er anfing, selbst zu drehen.

Stimmt, Tykwer war erst Filmvorführer, dann Manager des Moviemento-Kinos in Kreuzberg.

Hanks Außerdem kleidet er sich wie ich. Wir haben auch dieselbe Philosophie, welche Filme der größte Genuss sind: Filme von Lina Wertmüller und Stanley Kubrick, bizarre Werke, auf die sonst Filmstudenten stehen. Bei "Cloud Atlas" habe ich nur eine Woche mit ihm gedreht. Daher habe ich sofort zugegriffen.

Ist "Ein Hologramm für den König" ein Film über den Niedergang Amerikas?

Hanks Und wie. Und ein Typ wie meine Figur Alan Clay ist mitverantwortlich. Er hat gedacht, dass es eine gute Idee sei, amerikanische Traditionsfahrräder nicht mehr in Chicago, sondern in China herstellen zu lassen. Natürlich geht's um den globalen Kapitalismus. Zunächst aber ist an dieser Story nichts Glamouröses: Ein Typ hat ein Projekt. Erst hakt's furchtbar, dann klappt's doch, dabei lernt er ein paar Leute kennen.

Aber der Schauplatz Saudi-Arabien, wo der Film auch spielt, soll doch nicht nur die wenig glamouröse Story aufwerten?

Hanks Nein, gerade für Amerikaner ist Saudi-Arabien ein ziemlich entfernter Ort. Unser Kenntnisstand darüber, wie es dort zugeht, entspricht etwa dem aus "Lawrence von Arabien": Man reitet auf Kamelen und bringt sich gegenseitig mit Schwertern um. Andere Vorurteile lauten: Dort scheffelt jeder Millionen mit Öl, reist um die Welt und fährt Mercedes. Und jeder ist Fundamentalist und will uns umbringen. Diese Vorurteile werden der Komplexität von Saudi-Arabien nicht gerecht. Wenn wir es richtig anstellen, können wir zeigen, dass die Menschen dort weder seltsam noch anders drauf sind als wir.

Hat sich Ihr Blick auf den Islam durch diesen Dreh verändert?

Hanks Was Extremisten unter dem Deckmantel des Islam anstellen, ist abscheulich. Bahnhöfe und Flughäfen in die Luft zu jagen, ist widerwärtig. Fundamentalistischen Terror finde ich entseelt und unmenschlich. Doch die meisten Moslems haben nichts damit zu tun. Sogar in Saudi-Arabien gibt es Moslems, die Chicago-Songs lieben und dennoch fünfmal am Tag beten.

Blicken Sie bei den Themen ihrer Filme immer total durch?

Hanks Ja, meist. Ich streite mich auch gern mit den Drehbuchautoren. Filme sind komplizierte kinematographische Puzzles. Wenn ich das Drehbuch lese, sehe ich sofort, wo Lücken klaffen. Und ich wünsche mir, dass diese Wissenslöcher auch bei mir gestopft werden.

Wie feiern Sie Ihren 60. Geburtstag im Juli?

Hanks Ohne große Sause. Ich freue mich, wenn die Kinder kommen. Ich werde umherstolzieren und bestimmen, was getan wird. Das könnte damit losgehen, dass alle die Klamotten falsch herum anziehen müssen, mit der Naht nach außen, und Bier zum Frühstück bekommen.

Quelle: RP
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