Richtfest: Amalia Bibliothek: "Ikone unserer Kulturnation"
zuletzt aktualisiert: 25.10.2005 - 09:25Weimar (rpo). Eine Richtkrone hängt ein Jahr nach dem verheerenden Brand über der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Das neue Dach wurde exakt nach dem Vorbild der historischen Konstruktion auf einer Fläche von 26,8 Metern Länge und 14,5 Metern Breite wiedererrichtet. Etwa 100 Kubikmeter Holz wurden dafür verbaut, teilte die Stiftung Weimarer Klassik mit.
Kulturstaatsministerin Christina Weiss sagte am Montag in Weimar zum Richtfest, was mit vereinten Kräften wiederaufgebaut werde, sei mehr als nur ein schönes spätbarockes Gebäude zur Aufbewahrung von kostbaren alten Buchbeständen. Die Bibliothek sei "eine Ikone unserer Kulturnation". Beim Brand des zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Hauses wurden rund 50.000 kostbare Bücher vom 16. bis zum 20. Jahrhundert vernichtet, darunter 90 Prozent der fürstlichen Musikaliensammlung. Rund 62.000 weitere Bände wurden durch Feuer oder Löschwasser geschädigt.
Weiss sagte, es sei ihr politisches Bekenntnis, dass sich eine Kulturnation den antiquiert anmutenden teuren Betrieb von Bibliotheken auch künftig leisten müsse. "Hier standen und stehen zwischen Hunderttausenden von Buchdeckeln die Ideen und Überzeugungen, die zu unserem geistigen Fundament gehören", betonte Weiss. Seit dem 2. September des vergangenen Jahres seien enorme Anstrengungen unternommen worden, um die Folgen des Brandes zu beseitigen. "Es geht um die Kraft der Visionen für unsere Kulturnation."
Der thüringische Kultusminister Jens Goebel sagte, die Bibliothek werde noch lange Zeit auf bürgerschaftliches Engagement angewiesen sein. Bisher seien durch rund 20.000 Spenden von Einzelpersonen rund zehn Millionen Euro für die Buchrestaurierung aufgebracht worden.
Fertigstellung für 2007 geplant
Die Bibliothek soll 2007, im 200. Todesjahr von Herzogin Anna Amalia, vollkommen wiederhergestellt sein. Die Kosten von rund zwölf Millionen Euro stellen zum größten Teil der Bund und das Land Thüringen zur Verfügung.
Fertig sind neben der Dachkonstruktion auch die Schalung sowie die 15 Gauben des Mansard- und des Spitzdaches. Von Mitte November an soll die Dachdeckung mit Thüringer Schiefer, dem dafür verbürgten Material, beginnen und im Februar 2006 abgeschlossen sein.
Mit der Sanierung wird der 1565 als Wohnhaus errichtete und im 18. Jahrhundert zur Bibliothek umgestaltete Bau nach Angaben der Stiftung als Zentrum für das alte Buch wiedererstehen. Der Rokokosaal, der zu den schönsten Bibliotheksräumen Mitteleuropas zählt, und der Renaissancesaal im Erdgeschoss sollen dann für Ausstellungen aus der Schatzkammer der Bibliothek zur Verfügung stehen. Bei der Farbgestaltung will man wieder das Blau verwenden, das der Saal unmittelbar nach dem Bau erhalten hatte.
Bis zum nächsten Sommer muss das noch immer völlig durchnässte Mauerwerk getrocknet werden, wie die Stiftung weiter mitteilte. Auf rund 200 Grad erhitzte Heizstäbe, die im Abstand von 40 Zentimetern tief in den Mauern stecken, sollen den Trocknungsprozess beschleunigen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






