| 10.15 Uhr

Fulda
An der neuen Bibel geht die Ökumene spurlos vorbei

Fulda. Die neue Einheitsübersetzung der Bibel trägt ihren Namen zurecht - jedenfalls nach römisch-katholischem Verständnis. Denn die neue, gestern auf der Deutschen Bischofskonferenz erstmals vorgestellte Ausgabe der Heiligen Schrift soll einheitlich für das gesamte deutsche Sprachgebiet und einheitlich für Menschen katholischen Glaubens gültig sein. Von Lothar Schröder

Ökumenische Spuren finden sich also nicht, die ohnehin noch nie allzu prägend gewesen sind: Als sich ab 1962 katholische Theologen daran machten, die Bibel neu zu übersetzen, beteiligten sich zunächst auch evangelische Kollegen. Das reichte fürs Neue Testament und die Psalmen. Diese Einheitsübersetzung wurde neben der Lutherbibel auch für den Gebrauch in der evangelischen Kirche freigegeben, doch griff man auf sie zumeist nur auf ökumenischen Veranstaltungen zurück.

Vor elf Jahren verabschiedete sich die protestantische Kirche dann im Zwist mit den katholischen Glaubensbrüdern vom Großprojekt. Was blieb, ist der Name der "Einheitsübersetzung", die jetzt in neuer Gestalt vorliegt. Wobei das Werk, an dem jetzt auch schon wieder zehn Jahre getüftelt wurde, nicht mehr als eine "Revision" ist, eine Art Überprüfung also, die meist über Verbesserungen sprachlicher Nuancen nicht hinausgeht. Den Anschluss an die Gegenwart wollte man nicht verlieren. Und so ist beispielsweise "betroffen", das von den Experten für emotional zu abgegriffen erachtet wurde, durch "traurig" ersetzt worden. Petrus wird fortan nicht mehr von "Verwerfung", sondern von "Zurückweisung" in Bezug auf die ungläubigen Juden sprechen, bei Jesaja wird einmal eine "Jungfrau" durch "junge Frau" ersetzt und so weiter.

Vielen Bibellesern werden die Änderungen kaum auffallen, allenfalls in Fragen der sogenannten Geschlechtergerechtigkeit. Werden etwa in den Apostelbriefen Männer und Frauen angesprochen, so ist nicht mehr nur von "Brüdern" die Rede, sondern von "Brüdern und Schwestern". Von der schon zehn Jahre alten wie auch umstrittenen "Bibel in gerechter Sprache" ist das neue Werk dennoch meilenweit entfernt. Veröffentlicht wird die überarbeitete Einheitsübersetzung Anfang 2017 - also pünktlich im Lutherjahr. Dann ist auch die evangelische Kirche auf dem Buchmarkt prominent vertreten: mit einer überarbeiteten Lutherbibel. Wo immer Fortschritte in der Ökumene noch zu erwarten sind, in der Übersetzung der Heiligen Schrift sind sie erst einmal nicht zu finden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Fulda: An der neuen Bibel geht die Ökumene spurlos vorbei


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.