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Berlin
Angelika Schrobsdorff fand im Leben wenig Trost

Angelika Schrobsdorff ist tot: Autorin fand im Leben nur wenig Trost
FOTO: dpa
Berlin. Es war ein erfolgreiches, aber wohl auch ein tieftrauriges Leben. "Ich habe keine Worte mehr, ich bin einsam, leer, einsam, einsam, einsam", gestand die Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff schon vor Jahren. Ihre vielen beliebten Bücher ließ sie nicht als Trost gelten. Wie nun bekannt wurde, ist die Autorin am Samstag mit 88 Jahren in Berlin gestorben.

Nach langer Zeit in Paris und fast einem Vierteljahrhundert in Jerusalem war Schrobsdorff vor zehn Jahren in ihre alte Heimat zurückgekehrt. "Es stirbt sich bequemer in Berlin und leichter in der eigenen Sprache", sagte sie damals in einem Gespräch mit der "Berliner Zeitung". 1927 als Tochter eines wohlhabenden Berliner Bauunternehmers und einer Jüdin in Freiburg geboren und zunächst behütet im Grunewald aufgewachsen, floh sie 1939 mit ihrer Mutter vor der Nazis nach Bulgarien - die Familie väterlicherseits wollte die "jüdische Belastung" loswerden.

Die Zäsur durch Krieg und Nazizeit beschrieb Schrobsdorff später in dem Bestseller "Du bist nicht so wie andre Mütter" (1992). 1947 kehrte sie nach Deutschland zurück und begann wenige Jahre später zu schreiben. Nach einer gescheiterten Ehe mit dem französischen Filmemacher Claude Lanzmann ("Shoah") wandert Schrobsdorff 1983 nach Jerusalem aus. Doch auch dort wird sie nicht wirklich glücklich. Weil sie "aus Gerechtigkeitssinn", wie sie sagt, für die Palästinenser Partei ergreift, gilt sie bei den Israelis bald als Nestbeschmutzerin und Querulantin.

Verbittert kehrte Angelika Schrobsdorff 2006 nach Berlin zurück. "Ich bin nicht gekommen, um hier zu leben, sondern um hier zu sterben", sagte sie einmal.

(dpa)
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