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Goch
Ansichten vom Krieg in Goch

Goch. Eine Ausstellung zeigt Arbeiten der ermordeten Fotografin Anja Niedringhaus. Von Anja Settnik

Sie ist nicht erst seit ihrem gewaltsamen Tod berühmt. Schon kurz nach der Jahrtausendwende gelangten die Arbeiten der Fotojournalistin Anja Niedringhaus in renommierte internationale Museen. Für ihre Fotoserie aus dem Irak-Krieg bekam sie den Pulitzerpreis. Seit dem Attentat am 4. April 2014 verbindet mit ihrem Namen wohl jeder etwas: in Ausübung ihres Berufes gestorben, in dem Land, das sie so sehr liebte. Ein 25-jähriger afghanischer Soldat, der dafür zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, hat die damals 48-Jährige erschossen. Das Museum Goch widmet der Fotografin jetzt eine Ausstellung mit dem Titel "Geliebtes Afghanistan". Sie ist ab sofort und noch bis zum 6. November zu sehen.

Die Rechte an all ihren Fotos hat die Agentur AP, was für das Museum Goch ein Problem war. "Gemeinhin zahlen wir ja nichts für Ausstellungen, in diesem Fall war das aber nötig", erklärt Direktor Stephan Mann. In mehreren örtlichen Unternehmen fand er Sponsoren, die sein Anliegen unterstützen, denn die Präsentation passt sehr gut zum Selbstverständnis des Hauses, das sich der zeitgenössichen Kunst verschrieben hat und den gesellschaftlichen Diskurs aktueller Themen ganz bewusst ins Museum hineinholen will. "Wir alle sind tagtäglich mit Flüchtlingen aus Ländern wie Syrien, Irak oder Afghanistan konfrontiert und müssen darauf reagieren. Das Drama von Krieg und Heimatlosigkeit ist ganz dicht an uns herangerückt. Wir sind praktisch gezwungen, uns mit den Fremden und ihrer Kultur auseinanderzusetzen", findet Mann.

Anja Niedringhaus, die bei ihrer Arbeit oft zwischen die Fronten geriet und mehrfach schwer verwundet wurde, hat nicht nur den Krieg mit Terror und Gewalt, zerbombte Häuser und verstörte Menschen fotografiert. Ihre künstlerischen Bilder sind auch Liebeserklärungen an die Menschen, denen sie sehr nahe kam, weil sie nicht nur tagesaktuelle Reportagen machte, sondern oft monatelang mit ihnen lebte. Sie selbst sagte: "Die interessanten Geschichten passieren oft nicht im Feuergefecht. Ich bin viel mehr am Leben der Leute vor Ort interessiert als an der Ballerei." Das Mädchen hinter seinem Lesebuch, die trauernde Frau vor ihrem zerstörten Haus, waffenstarrende Soldaten im Wohnzimmer, aber auch begeisterte Kinder, die im Türrahmen eines ausgebombten Hauses schaukeln - all das gehört zum Kriegsalltag.

Quelle: RP
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