Alle Kultur-Artikel vom 23. April 2014

Sommerfolk von Simone Felice

Als Multitalent muss man Simone Felice bezeichnen: Romane schreibt er, Bilder malt er, Mitglied der Felice Brothers ist er. Mit seinem zweiten Soloalbum namens "Strangers" (Team Love) hebt er seine Songkunst auf ein neues Niveau. Federleicht und beschwingt klingen diese Sommerfolksongs, die sich stilistisch etwa an Tom Petty & the Heartbreakers orientieren. Kenner seiner Hauptband werden bemerken, dass hier vieles noch glatter, noch zugänglicher klingt. Die altehrwürdige BBC bringt den Namen Simone Felice bereits mit Cohen und Dylan in Verbindung. mehr

Salzburg

Salzburg: Alward gibt Leitung der Osterfestspiele ab

Der Intendant der Osterfestspiele Salzburg, Peter Alward, will im kommenden Jahr seinen Posten aufgeben. Er werde seinen am 30. Juni 2015 auslaufenden Vertrag nicht verlängern, teilte Alward mit. Bis dahin wolle er alles dafür tun, ein "geordnetes Haus" zu hinterlassen. Dirigent Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle sowie der Aufsichtsrat der Festspiele bedauerten Alwards Entscheidung. Seine Verdienste um den künstlerischen Neustart der Osterfestspiele seien enorm, hieß es. mehr

Neue Alben

Andreas Kümmert Here I Am

Er sieht nicht aus wie der typische Castingshow-Heini, dafür singt er besser als alle anderen Möchtegern-Stars. Andreas Kümmert (27), "Voice of Germany" 2013, löste bei der Jury hysterische Reaktionen aus, und tatsächlich ist sein Album eine sehr gelungene Pop-Soul-Swing-Platte, der man den Einfluss von Juror Max Herre deutlich anhört. Hier wurde melodiöser Charts-Pop nicht neu erfunden, aber Kümmerts gefühlvolle Stimme und die Gute-Laune-Musik machen Lust auf Picknick und Cabrio-Fahrten. mehr

Douglas Dare Whelm

Das britische Plattenlabel Erased Tapes ist bekannt für Musik, die stets auf dem schmalen Grad zwischen Klassik und Pop wandert. Hier veröffentlicht mit Douglas Dare nun ein Ausnahmepianist, dessen Album "Whelm" ausnahmslos empfohlen werden kann. Die Welle des düsteren Dubstep, durch James Blake losgetreten, ebbt zwar wieder ab. Dare aber weiß dem Genre aber eine neue Dimension zu verleihen: Songs wie "Nile" oder "London's Rose" sind dunkel wie die Nacht - Dares warme Stimme bringt das Licht. Gänsehaut. mehr

Selbstzerstörung mit Cloud Nothings

Das Ideal von Grunge bestand aus missbilligender Ablehnung mit einem Maximum an selbstzerstörerischer Hingabe. Seit 20 Jahren ist dieser Grunge nun tot. Plötzlich kommen da Cloud Nothings. "Here and Nowhere Else" heißt das neue Album des jungen amerikanischen Trios und ist ein kompromissloses Manifest unangepasster Teenage Angst; widerspenstig und wütend, getrieben von geschrammeltem Lo-Fi-Lärm und unbändiger Kraft. Das wunderbare Äquivalent zu einem Gitarrenverstärker, der direkt neben einem explodiert. mehr

Die Rückkehr der Pixies

Die Legende besagt, dass Charles Michael Kitteridge Thompson IV (später Black Francis) 1986 beschloss, eine Band zu gründen, als er in Neuseeland weilte, um einen Blick auf den Halleyschen Kometen zu werfen. Wenn man bedenkt, dass Neuseeland in der neueren popkulturellen Zeitrechnung als "Mittelerde" und damit Hobbit-Heimat gilt, hat der spätere Bandname Pixies (zu deutsch: Kobolde) schon beinahe prophetischen Charakter. Jedenfalls formierte sich in Boston noch im selben Jahr mit Black Francis, Joey Santiago (Gitarre), Kim Deal (Bass) und David Lovering (Schlagzeug) ein gigantisches Quartett, das bereits mit den beiden ersten Platten "Come On Pilgrim" (1987) und "Surfer Rosa" (1988) einen wahrlich kometenhaften Erfolg feierte. Die Pixies standen für brachialen (Surf-) Gitarrensound, eine bis dato unerhörte Laut-Leise-Dynamik (die später von Nirvana-Sänger Kurt Cobain zum Vorbild für "Smells Like Teen Spirit" erklärt wurde) und den markerschütternden Sprechgesang von Black Francis. mehr

Bela B Bye

Die Ärzte machen mal wieder Pause, und Schlagzeuger Bela B (51) hat mal wieder ein Soloalbum veröffentlicht. Auf "Bye" versucht er sich im Country- und Folk-Genre, es flirren Ukulelen, es grüßt Quentin Tarantino, es ist alles sehr ironisch. Allein: Die Musik erinnert eher an eine Jam-Session und enthält selten einen roten Faden, sie wabert vor sich hin und ist deshalb schnell vergessen. Die Vorab-Single und schöne Schlussmach-Ode "Abserviert" gehört noch zu den charmanteren Songs, ist aber ebenso verzichtbar wie das gesamte Album. mehr

Rätsel Der Sphinx

Falscher Verein

Er wurde in Steinwurfweite einer berühmten deutschen Uniklinik geboren (die stets nur nach dem Stadtteil, nie nach der Stadt genannt wird) - und wenn er jemanden von einem Flughafen abholen soll, sieht er seinen Nachnamen stets mehrfach auf der riesigen Anzeigetafel. Das ärgert ihn, ist Zufall und hat nie etwas mit ihm persönlich zu tun. Sein Nachname ist sowieso künstlich. Den originalen Vornamen hat er behalten; der originale Nachname steht einzig im Pass und erinnert eher an ein Bild von Caspar David Friedrich. Der Künstlername spielt auch auf ein akustisches Phänomen an, das in seiner Profession nicht bedeutungslos ist. Übrigens - was das Phänomen der geografischen Rivalität betrifft - favorisiert der Mann einen Fußballverein, der sich soeben gerettet hat, während der Club seiner Heimat tief im Morast steckt. Das ist dem Mann egal. - Die Sphinx fragt: mehr

Berlin

Claus Peymann will nicht nach Wien

Claus Peymann (76), ehemaliger Intendant des Burgtheaters, hat eine Rückkehr zu der Wiener Bühne ausgeschlossen. Viele Theaterbesucher, aber auch Politiker, Journalisten und Mitglieder des Burgtheaters hätten ihn in den letzten Tagen gebeten, nach Wien zurückzukehren und die Burg zu "retten", erklärte der Intendant des Berliner Ensembles. "Dazu heute ein klares Nein. Ich stehe für diesen Posten nicht zur Verfügung." Peymann war von 1986 bis 1999 Intendant des Burgtheaters. Das Berliner Ensemble werde die letzte Station seiner Arbeit als Theaterdirektor sein, so Peymann. Im März war Burgtheater-Intendant Matthias Hartmann entlassen worden. Ihm wird eine Mitschuld an der schlechten finanziellen Lage der Bühne gegeben. Übergangsweise leitet Karin Bergmann das Haus. mehr

Elektro-Chansons von Dillon

Die in Berlin lebende Brasilianerin Dominique Dillon de Byington ist eine Meisterin der Reduktion. Auf ihrem Album "The Unknown" schafft sie allein mit ihrer Stimme und einem in Moll gespielten Piano eine beklemmende Intensität, die nur ab und zu von Subbeats und elektronischen Texturen aufgebrochen wird. Das klingt mal wie Björk, mal wie James Blake oder Lykke Li. Wer sich auf Dillon und ihre poetischen Elektro-Chansons einlässt, wird mit ebenso feinsinnigen wie berührenden Soundkollagen belohnt. mehr