Alle Kultur-Artikel vom 27. Januar 2015

Dichten nach Auschwitz

"Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch", befand der Philosoph, Soziologe und Musiktheoretiker Theodor W. Adorno (1903-1969) in seinem Aufsatz "Kulturkritik und Gesellschaft", der 1949 geschrieben und 1951 erstmals veröffentlicht wurde. Der Satz wurde unterschiedlich interpretiert: als generelles Verdikt gegen jegliche Dichtung nach dem Holocaust, als konkretes Darstellungsverbot von Gedichten über Auschwitz und die Konzentrationslager oder als bloße Provokation. Das über die Lyrik gefällte Urteil wurde auf die Literatur oder die Kunst übertragen. Adorno erklärte und modifizierte die Aussage mehrfach. Der Satz wurde über Jahrzehnte hinweg von Philosophen, Literaturwissenschaftlern und Schriftstellern kontrovers diskutiert und rief den Widerstand von Lyrikern auf den Plan. mehr

Stimmen aus dem Auschwitz-Prozess im WDR-Radio

Sonntag lief auf WDR 3 eine Radiocollage aus Stimmen, die kommentarlos aneinandergeschnitten waren. Diese O-Töne riefen das Grauen von Auschwitz wach. Nur kurze Sätze sprachen die Frauen und Männer, alle Zeugen im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963-1965). Es waren Juden, die schilderten, was Auschwitz für sie bedeutete und was es ihnen angetan hatte. Auf der anderen Seite waren es ehemalige Angehörige der Waffen-SS, die mit wenig Schuldbewusstsein an das tödliche Unternehmen erinnerten. Dieses Hörspiel ist so kostbar, dass wir es als Download empfehlen, kostenlos unter "http://goo.gl/GHez6r" und bei www.rp-online.de/kultur. mehr