Alle Kultur-Artikel vom 27. Mai 2015
Kurzkritiken

Minimalistisches von Steve Reich

Bisweilen bekommen CDs und die Musiker ihren Ritterschlag vom Komponisten selbst. Der hört die neue CD und lässt - angewandtes Marketing - eine paar empfehlende Zeilen springen. Die klebt die Plattenfirma dann aufs Etikett. Bei Steve Reichs famoser Minimal-Komposition "Music for 18 musicians" stimmt die Laudatio des Meisters mit jedem Wort. Das Ensemble Signal aus New York unter Brad Lubman betreut diese extrem kleinteilige, aber großartig strömende Musik absolut perfekt. Es klingt wie Ebbe und Flut an einem märchenhaften Ozean - im Zeitraffer. w.g. mehr

Zum Gruseln: Bach auf dem Synthesizer

Es gab in den 70ern mal eine Phase, da war es angesagt und galt als spacig, klassische Musik durch den Synthesizer-Wolf zu drehen. Opfer dieser Attacken war auch der große J. S. Bach, dem derlei Streiche natürlich nichts anhaben konnten. Nun kommt der neue Moog Modular 55 Synthesizer, der indes auch nur eine dumme Maschine ist, wenn ihn Einfaltspinsel bedienen. Im Hintergrund der CD "Bach To Moog" strippen die Streicher der Sinfonia Carcovia, und man fühlt sich abwechselnd wie in der Tropfsteinhöhle von Attendorn und auf dem Mount Everest. Blubbernd! Gruselig! w.g. mehr

Swjatoslaw Richters kreative Umgebung

Eine berührende CD mit zwei Streichquartetten: Eines hat Theophil Richter (1872-1941) komponiert, der Vater des Pianisten Swjatoslav Richter. Das andere stammt von Felix Blumenfeld (1863-1931), dem Onkel von Richters Klavierlehrer Heinrich Neuhaus. Hier hängt alles trotz erweiterter Harmonik von Herzen zusammen, und tatsächlich ist das hier Musik von berückender Herzlichkeit, ohne je gefühlig zu sein; Blumenfeld war immerhin Schüler von Rimski-Korsakow. Eine CD auch für verwöhnte Leute, die schon alles an Musik zu haben meinen. w.g. mehr