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Berlin
Auch Schinkels Bauakademie soll wiedererstehen

Berlin. 62 Millionen Euro hat der Deutsche Bundestag für die Rekonstruktion in Berlins Mitte bewilligt. Von Frank Dietschreit

Wir müssen uns Hans Kollhoff als glücklichen Menschen vorstellen. Der Star-Architekt, der traditionelle Formensprachen liebt und in seinen Bauten gern klassizistische Motive aufgreift, ist gerade dabei, sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Denn seit vielen Jahren kämpft Kollhoff als Präsident der "Internationalen Bauakademie Berlin" für die Rekonstruktion der von Karl Friedrich Schinkel 1836 in Berlins Mitte errichteten "Bauakademie". Die wurde einst wegen ihrer revolutionären Konstruktionsweise bewundert: Als erstes bedeutendes profanes Rohziegel-Gebäude in Preußen schrieb der Bau Architektur-Geschichte und diente als Hochschule zur Ausbildung von Baumeistern.

Das ist lange her. Denn das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Gebäude wurde von den Bauherren des Realen Sozialismus als historisch kontaminierte Altlast entsorgt und musste dem Neubau des DDR-Außenministeriums weichen. Weil aber das Gedächtnis der Geschichte lang ist und die Rache der Sieger keine Gnade kennt, teilte der monströse Ministeriums-Bau sein Schicksal mit dem an Stelle des alten Hohenzollern-Schlosses errichteten "Palast der Republik": beide Gebäude wurden nach der Wende plattgemacht. Während aber sich Bund, Berlin und private Sponsoren nach langem Tauziehen darauf einigten, das Schloss unter dem weltläufigen Namen "Humboldt-Forum" wieder aufzubauen, fanden sich für die Rekonstruktion der nur ein paar Steinwürfe entfernten "Bauakademie" bislang weder Geldgeber noch mögliche Betreiber - geschweige denn ein tragfähiges Konzept zur Nutzung einer Schinkel-Kopie. Daran änderte auch die auf die triste Brache installierte Musterfassade nichts, die das alte Ziegelstein-Gebäude in schönstem roten Schein imaginierte.

Jetzt aber hat die unablässige Lobby-Arbeit von Hans Kollhoffs Verein "Internationale Bauakademie" sowie die Argumentationshilfe des von Wolfgang Schoele geführten "Fördervereins Bauakademie" Früchte getragen: Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages bewilligt 62 Millionen Euro zum Wiederaufbau des Schinkel-Baus und spricht von einem "starken Bekenntnis des Bundes zur historischen Mitte Berlins". Damit sie das werden kann, müsste aber Klarheit darüber herrschen, was sich im Inneren der im historisch korrekten Outfit recycelten Bauakademie ereignen könnte - so sie denn, wie geplant, 2021 ihre Pforten öffnet. Während Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in der Bauakademie ein Berliner Architekturmuseum einrichten möchte und manche Politiker mit dem Gedanken spielen, dort die Bibliothek unterzubringen, die im Humboldt-Forum keinen Platz fand, zielt Kollhoff auf ein Kompetenzzentrum für innovatives Bauen. Eine Stätte, an der "über Architektur geforscht, debattiert und vielleicht sogar gelehrt wird. Ich kann da oben natürlich eine schöne Schinkel-Stube einrichten und vielleicht zieht das die Besucher an, aber ich glaube, das muss ein Ort werden, wo eine lebendige Auseinandersetzung um die Architektur gepflegt wird, eine Auseinandersetzung zwischen der Gesellschaft und den Architekten, da ist genug Zündstoff."

Um Fakten zu schaffen, hat der Haushaltsausschuss des Bundes für 2017 eine Million Euro für die Planung des Wiederaufbaus lockergemacht. Ein Betreiber wird sich hoffentlich bald finden, ebenso Sponsoren, die sich ihr kulturelles Engagement öffentlichkeitswirksam erkaufen. Der historisierende Wieder-Aufbau von Berlins Mitte geht weiter. Die Hauptstadt, die sich "Labor der Zukunft" nennt, setzt beim Bauen auf Vergangenes. Keine architektonischen Experimente, nirgends.

Quelle: RP
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