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Kunstmuseen
Auf Augenhöhe mit Kindern

Düsseldorf. Kunstmuseen müssen sich heute verstärkt um den Nachwuchs kümmern. Und die Häuser lassen sich immer wieder Neues einfallen. Von Klas Libuda

Das Wallraf-Richartz-Museum hat die "Republik der Kinder" ausgerufen. Im zweiten Stock des Kölner Museums sollen junge Besucher Rembrandt künftig auf Augenhöhe begegnen. Für mindestens ein Jahr haben die Ausstellungsmacher zwölf bis zu 400 Jahre alte Barockgemälde tiefer gehängt.

Während nun also im Rest des Museums eine Schau über die syrische Ruinenstadt Palmyra sowie ein aufwendig rekonstruiertes Altarbild zu sehen sind, gibt es in einem Saal inmitten der Barock-Abteilung Kunst für Kinder. 20 Zentimeter tiefer als gewöhnlich hängen die Werke dort, auf einer Höhe von nur noch 1,45 Meter zwischen Fußboden und Bildmitte. "Wer Kinder hat und mit ihnen ins Museum geht, weiß: Die Bilder hängen eigentlich immer zu hoch", sagte Museumsdirektor Marcus Dekiert zur Ausstellungseröffnung. Darum dachte man sich die "Republik der Kinder" aus.

"Zwei springende junge Löwen" von Frans Snijders oder ein in Rot gewandetes Kind mit Hund und Vogel von Nicolaes Maes sind zu sehen. Zwölf Exponate insgesamt, Motive mit denen Kinder möglichst etwas anzufangen wissen sollen. Um die Eindrücke zu verarbeiten, kann man sich in einen der bereitgestellten Sitzsäcke fallenlassen. Wer will, kann zudem eigene Werke einsenden, die dann in die Schau integriert werden.

Um die Gunst von Kindern wird seit Jahren gerungen, auch Sportvereine und Musikschulen wissen davon ein Liedchen zu singen. Wer den Nachwuchs früh an sich binden möchte, muss etwas zu bieten haben. Das haben auch die Museen erkannt. Im Bürokratendeutsch wird der Versuch, Kinder ihrem Alter entsprechend abzuholen und fürs Museum zu begeistern, Kunstvermittlung genannt. Kein Haus kommt ohne aus. Die Häuser lassen sich immer Neues einfallen: vom Audioguide für Kinder über den Mal-Workshop und die Taschenlampenführung bis zur Kindergeburtstags-Feier.

Es bringe nichts, mit Kindern durchs Museum zu gehen, sich hinzustellen und zu sagen: "Das ist ein Picasso!" - sagt Museumspädagoge Thomas Janzen von den Kunstmuseen in Krefeld. Darum steht heute praktische Arbeit im Mittelpunkt vieler kunstpädagogischer Angebote. Es gehe in erster Linie nicht darum, Kinder zu künftigen Museumsgängern zu erziehen, sagt Fritz Emslander, stellvertretender Direktor des Museum Morsbroich in Leverkusen, also darauf zu hoffen, dass sie als Erwachsene zurückkehren. "Es geht darum, den Kindern direkt etwas zu vermitteln. Wir wollen das Zutrauen in die eigene Kreativität fördern."

Im Museum Morsbroich können Schulklassen, inspiriert von der Kunst, in der hauseigenen Werkstatt experimentieren; die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf hat gemeinsam mit der Uni Köln ein Angebot für Kinder ab zwei Jahren entwickelt. "Die Kinder besuchen die Künstlerräume im K21 und experimentieren sehr körperbetont mit verschiedenen kreativen Techniken", sagt Julia Hagenberg, die die Abteilung Bildung leitet. Die Kunst tiefer zu hängen sei indes vorerst nicht geplant. "Wenn Bilder für jüngere Kinder zu hoch hängen, bieten wir Hocker an."

Im Duisburger Lehmbruck-Museum ist mit "Blackbox" noch bis Juni eine Schau zu sehen, die vom Haus als "eine Ausstellung der Kunstvermittlung" beworben wird. Im Mittelpunkt steht die Wahrnehmung mit allen Sinnen. Und im renovierten Kaiser-Wilhelm-Museum, das im Juli eröffnet, soll ein "lebendiger Kommunikationsraum" eingerichtet werden, sagt Thomas Janzen. Besonders kinderaffin sollen die Räumlichkeit werden, auch Möglichkeiten, selbst auszustellen, kann sich Janzen vorstellen. Die Vermittlung wird bald selbst zur Kunst.

Trotz all der Angebote: "Manchmal reicht es auch, einfach mal mit den Eltern durchs Museum zu spazieren", sagt Janzen. Die Erwachsenen allerdings sollten darauf achten, dass sie die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder nicht überschätzen. "Sonst vergällt man den Kindern das Museum noch." Dann wird es umso schwieriger, sie später einmal zurückzugewinnen. Zumal sie in den Jugendjahren ohnehin kaum zu greifen sind für die Museen. "In der Pubertät bricht das Interesse bei vielen erst einmal weg", sagt Fritz Emslander. Erst als Erwachsene kommen manche zurück. Allerdings nur bedingt.

"Wer bis zu seinem zwölften Lebensjahr nie im Museum war, kommt später wohl auch nicht mehr", sagt Claudia Thümler, die die Kunstvermittlung am Lehmbruck-Museum leitet. Um das Interesse in der Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenenalter aufrecht zu erhalten, hat das Duisburger Museum ein Programm für Jugendliche eingerichtet. Es heißt "Jugend trifft sich". Die offene Gruppe kommt alle zwei Wochen zusammen. Die Kunstvermittler lassen sie dann einfach machen. Besonders schwierig seien die 14- bis 16-Jährigen zu erreichen, sagt Thümler. "Vielleicht sollten wir es gar nicht mehr versuchen, die einzuladen. Vielleicht kämen sie dann lieber."

Zurück nach Köln, nachhören im Wallraf-Richartz: Das Museum zieht nach nun mehr zwei Wochen "Republik der Kinder" eine erste positive Bilanz. Man könne sich sogar vorstellen, die Hängung auf Augenhöhe in der regulären Barocksammlung auszuweiten, sagt ein Museumssprecher. Denn das käme nicht nur bei Kinder gut an.

Auch Erwachsene seien sehr erfreut gewesen.

Quelle: RP
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