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Duisburg
Ballettchef Schläpfer öffnet dem Choreografen-Nachwuchs die Bühne

Duisburg. In "Young Moves" zeigen Tänzer des Ballett am Rhein erste eigene Choreografien. Das neue Format hat morgen Abend im Theater Duisburg Premiere. Von Dorothee Krings

Michael Foster ist Tänzer. Doch womöglich ist das nur die erste Etappe auf dem Weg zu einem anderen Ziel. Eigentlich wollte er nämlich immer Choreograf werden. "Ich dachte, dass ich erst selbst das Handwerk lernen sollte, ehe ich Stücke entwerfe", sagt der 29-Jährige, der seit 2013 in Martin Schläpfers Compagnie Ballett am Rhein Tänzer ist. Schon als Kind hat er in seinem Zimmer Choreografien entworfen und den Eltern im Wohnzimmer vorgeführt. "90er Jahre, Jazz-Style", sagt er, rutscht seitlich auf den Stuhl, stützt einen Ellenbogen auf die Lehne und lacht. Mit 15 begann er in seiner Heimatstadt Tulsa in Oklahoma seine Tanzkarriere, die ihn nach der Ausbildung bald nach Deutschland führte, zunächst nach Hannover, dann in die Compagnie von Duisburg-Düsseldorf. Den Traum vom Choreografieren aber gab er nicht auf.

Schon in Hannover zeigte er erste eigene Kreationen und produzierte Tanz-Videos. Doch nun wartet die große Bühne auf ihn: Foster ist einer von sechs Tänzern des Ballett am Rhein, die ab Samstag im Theater Duisburg eigene Choreografien zeigen dürfen - getanzt von ihren Kollegen aus der Compagnie. "Young Moves" heißt das neue Format, mit dem Martin Schläpfer nun jedes Jahr Mitgliedern seines Ensembles die Bühne für eigene Arbeiten öffnen will. Das Publikum kann an diesen Abenden die Bewegungssprache junger Choreografen kennen lernen und erleben, welches Ausdrucks-Potenzial in der Compagnie schlummert.

"An vielen Häusern wird die Nachwuchsarbeit als Nebenherprojekt betrieben", sagt Foster. "Darum ist es eine große Freude, dass wir mit dem Ballett am Rhein unter professionellen Bedingungen arbeiten und uns auf einer großen Bühne präsentieren können." Zwar sei die gesamte Compagnie nach einer anstrengenden Spielzeit am Ende ihrer Kräfte, aber "Young Moves" sei bei aller zusätzlichen Belastung für alle ein Herzensprojekt.

Für seinen ersten großen Auftritt als Choreograf hat sich Foster für ein Schlagzeug-Konzert des Amerikaners Michael Torkes entschieden, ein Stück, das er vor zehn Jahren kennen lernte und an dessen Übersetzung in Tanz er nun schon seit einem Jahr arbeitet. "Wenn ich Musik höre, sehe ich Tanz", sagt Foster. Aber er gehe dann nicht alleine in den Ballettsaal, um Bewegungsabläufe auszuklügeln, sondern entwickle seine Arbeiten mit den Tänzern zusammen. "Für mich muss Tanz zeigen, was Musik im Inneren eines Tänzer bewegt", sagt Foster, "dessen Persönlichkeit muss eine Rolle spielen." Ihn beschäftigt Tanz als Ritual, als urmenschliche Ausdrucksform. Angst, unter dem Einfluss jener großen Choreografen zu stehen, mit denen er als Tänzer gearbeitet hat, hat er nicht. "Es gibt nur eine begrenzte Zahl von Schritten, genau wie es in der Musik nur eine gewisse Zahl von Tönen gibt", sagt Foster, "man kann diese Schritte nicht neu erfinden, aber man kann neu mit ihnen umgehen." Für ihn ist das ein Vorgang, bei dem er sehr viel von sich preisgibt. Entsprechend aufgeregt ist er nun. "Als Choreograf steht man noch ungeschützter vor dem Publikum als als Tänzer", sagt Foster. Trotzdem freut er sich auf die Premiere - auf den nächsten Schritt zu seinem eigentlichen Ziel.

"Young Moves", 18., 25. Juni und 1. Juli, 19.30 Uhr, Theater Duisburg, Kartentelefon: 0203 28362100

Quelle: RP
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