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Essen
Bei Patti Smith klettern die Fans über die Sitzreihen

Essen. Es ist ein hochemotionaler Abend in der Essener Lichtburg: Patti Smith, die Punk- und Poetry-Ikone der 70er Jahre, gibt vor ausverkauftem Haus ein großartiges Konzert. Zuletzt klettern die Zuschauer gar über die Sitzreihen Richtung Bühne, um dem Idol nah zu sein. Und beim Hinausgehen fallen sich zwei Frauen in die Arme und rufen: "Oh, wie war das schön!" Von Falk Janning

Das Publikum, das sich zu diesem Abend mit der 69-Jährigen eingefunden hatte, war kunterbunt: Herren mit grauem Pferdeschwanz haben Abiturientinnen zur Sitznachbarin; die Hippie-Frau mit den wallenden Gewändern sitzt neben dem jungen Dandy im maßgeschneiderten Anzug, der Normalo neben dem Punker. Mit tosendem Applaus wird schließlich Smith empfangen, die gar nichts von einer großen Pop-Heroin hat. Sie wirkt natürlich und entspannt, sie trägt die langen Haare struppig. "Ich wusste gar nicht, wie schön die Bäume sind", sagt sie und widmet dem alten Kinosaal ihr erstes Lied.

Gut gelaunt plaudernd steht sie anschließend auf der Bühne. Sie vermag mit ein paar Gedichtzeilen immer noch eine unglaubliche Energie zu verströmen. Eindringlich trägt sie Allen Ginsbergs "Footnote to Howl" vor - sie röhrt. So muss es in den 70ern im New Yorker Club CBGB's gewesen sein.

Sie spielt dann "Dancing Barefoot", und vor "Frederick" stellt sie ihren Gitarre spielenden Sohn Jackson Smith vor. Tränenrührend ist ihre beschwörende Hymne "We shall live again" - ihre überbordende Energie reißt mit. Zwischen den Stücken ist die Dichter-Sängerin zurückhaltend. Die Musik aber gewinnt im Laufe des Abends stetig an Schärfe, Smith verbindet perfekt Punk und Hippietum. Ihr Alter merkt man ihr in den zwei Stunden in keinem Moment an. Zu "People have the power" hält es niemanden mehr auf seinem Sessel.

Es folgen zum Schluss die Hits "Because the night" und "Gloria". Pattie Smith ist da ganz die alte Kämpferin, die mit großem Optimismus ihre Botschaft herausschreit, dass es sich lohnt, für eine bessere Welt einzutreten. Die Fans sind längst entfesselt und klettern nun nach vorne.

Quelle: RP
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