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Berlin
Berlinale zeigt Film über die rätselhafte Oda Jaune

Berlin. Wie die Witwe des Malers Jörg Immendorff Düsseldorf den Rücken kehrte und nach Paris zog. Von Philipp Holstein

Einmal wird sie gefragt, ob sie an die eine große Liebe glaube. Sie antwortet mit "Ja", und als die Interviewerin auch noch wissen möchte, ob sie dieser schon begegnet sei, sagt Oda Jaune ebenfalls "Ja". Es sieht aus, als müsse sie dabei ein bisschen weinen.

"Wer ist Oda Jaune?" heißt der Dokumentarfilm, der auf der Berlinale seine Premiere erlebte, und die Regisseurin Kamilla Pfeffer, deren Abschlussarbeit an der Kunsthochschule für Medien in Köln dieses Werk ist, unternimmt darin eine Annäherung an jene Künstlerin, die viele noch immer vor allem als Witwe des Malers Jörg Immendorff kennen. Dabei hat sie ein eigenes Werk vorzuweisen, ein verstörendes Werk voller irritierend schöner Ansichten monströser und deformierter Menschenwesen. Es wird von der Galerie Daniel Templon in Paris betreut, wo auch Roy Lichtenstein und Andy Warhol verkauft wurden.

Oda Jaune ist 36 Jahre alt, sie kam als Michaela Danowska in Sofia zur Welt, und sie war 17, als ihre Familie nach Deutschland zog. Ihre Schwester studierte bei A.R. Penck an der Düsseldorfer Kunstakademie, so lernte sie Jörg Immendorff kennen. Ihr Vater war Graphiker, sie malte schon als Kind in seinem Atelier, und schließlich wurde sie Meisterschülerin bei Immendorff.

In einer der stärksten Szenen des Films beschreibt sie jenen Tag im Jahr 1999, als sie Immendorff bat, ihr einen neuen Namen zu geben. Er gestaltete einen Reisepass für sie, Oda Jaune stand darin; "oda" ist altdeutsch für "Schatz", und "jaune" heißt auf Französisch gelb - Immendorffs Lieblingsfarbe. Als Heimatstaat für seine spätere Frau wählte Immendorff "Gyntiana", Henrik Ibens märchenhaftes Land, in dem es keine Grenzen gibt. Nach Immendorffs Tod 2007 hielt sie es an der Stephanienstraße in Düsseldorf nicht mehr aus, erzählt sie. Sie zog mit ihrer Tochter Ida nach Paris und hielt sich von der Öffentlichkeit fern. Sie malte, und der Film zeigt sie in ihrem französischen Atelier. Sie hadert zunächst mit den Dreharbeiten, sie könne nicht malen mit dem Kamerateam im Rücken. Aber Pfeffer macht das gut, sie setzt Jaune vor eine schwarze Wand und befragt sie frontal. "Wie alt fühlst Du Dich?" - "Wie zehn, das ist das beste Alter." "Hast Du ein Talent zum Glücklichsein?" - "Ja." Jaune antwortet mit dieser hohen Stimme, die einen zunächst verwirrt, und allmählich gerät man in den Bann dieser Frau, und man hätte gern ein Glas von jenem Zaubertrank, in den sie als Kind gefallen sein muss. Sie wirkt, als würde sie einen anderen Kosmos bewohnen: esoterisch, spirituell, Diffusion als Lebensprinzip. Wenn man es gut meint mit ihr, könnte man auch sagen: Sie wirkt frei.

Freunde und Weggefährten kommen zu Wort, Jonathan Meese etwa, Lars Eidinger und Thomas Ostermeier. Einmal soll Jaune ihre Lieblingsgeschichte erzählen, und sie erzählt das Märchen vom Prinzen, der eine Frau liebt. Die Frau glaubt ihm nicht und will als Liebesbeweis das Herz von des Prinzen Mutter. Der Prinz liebt auch seine Mutter und erzählt ihr von der Bitte. Die Mutter sagt, er solle ihr Herz nehmen; sie wolle, dass er glücklich ist. Mit dem Herz der Mutter rennt der Prinz zur Frau, er stolpert aber und fällt hin. Das am Boden liegende Herz fragt den Prinzen: "Ist dir auch nichts passiert?" Am Ende scheitert dieser tolle Film an der Lösung des Rätsels Oda Jaune. Und es macht Freude, ihm dabei zuzusehen.

Quelle: RP
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