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Eröffnung in Berlin am Samstag: Berliner Akademie der Künste ganz neu

zuletzt aktualisiert: 19.05.2005 - 08:23

Berlin (rpo). Sein Entwurf ist umstritten, elf Jahre lang gab es Grabenkämpfe um seine Ansichten zur "neuen" Akademie-Gestaltung. Doch Architekt Günter Behnisch hat sich durchgesetzt - am Samstag wird der gläserne Bau am Pariser Platz eröffnet. 

Besucher und Journalisten stehen auf der Terrasse der Akademie der Künste am Brandenburger Tor in Berlin.  Foto: AP
Besucher und Journalisten stehen auf der Terrasse der Akademie der Künste am Brandenburger Tor in Berlin. Foto: AP

Unter Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder wird das 56 Millionen Euro teure Gebäude mit einem Festakt eingeweiht. Die Akademie kehrt damit zurück in die restaurierten Ausstellungshallen ihres 1907 entstandenen und 1945 größtenteils zerstörten Vorgängerbaus.

Mit seiner gläsernen Fassade symbolisiert das 1994 von Behnisch entworfene Gebäude Offenheit, Transparenz und gleichzeitig kühle Distanz. Das Innenleben der Institution ist so für alle einsehbar - ähnlich wie der auch von Behnisch entworfene Bonner Bundestagsbau. Allerdings wirkt das Gebäude am Pariser Platz fremd - wie ein dreidimensionaler, multimedialer Zukunftsentwurf - stehen hier doch sonst Bauwerke wie das Hotel Adlon mit seinem beigen Stein und den historisierenden Fassaden.

Der 56 Millionen teure Neubau wird am Samstag feierlich eröffnet. Foto: AP

Der extreme Stilbruch war Grund für etliche Verzögerungen, Kämpfe und Skandale um den geplanten Neubau. Mit der Moderne müsse Schluss sein, lautete Anfang der 90er Jahre eine weit verbreitete Parole. Gefordert wurde von einigen gar die originalgetreue Rekonstruktion des Berlins von 1939, inklusive Schloss. Der CDU/SPD-Senat unter Eberhard Diepgen wählte einen Kompromiss: Neubauten im ungefähren Aussehen des verschwundenen Alten.

Behnisch hatte da mit seinem modernen Entwurf zunächst wenig Chancen. Seinen Vorstellungen nach sollten die zu konservierenden Überbleibsel der alten Akademie in ein gläsernes Gehäuse gesetzt werden. Um dieses Zentrum sollten die neuen Nutzflächen entstehen. Das stand dem Gewünschten zunächst unversöhnlich gegenüber.

Erst als sich der damalige Bundespräsident Roman Herzog und Kanzler Schröder für Behnischs Entwurf aussprachen, konnte dieser realisiert werden. Nach dem Fassadenstreit konnte im Mai 2000 Walter Jens als Ehrenpräsident der Akademie den Grundstein legen. Der aktuelle Präsident Adolf Muschg kann sie nun eröffnen.

Faszinierende Aussichten

So gewöhnungsbedürftig der Anblick des Hauses von außen ist, sein Inneres ist gelungen: Im Foyer scheint auf dünnen Stelzen ein Balkongang zu schweben, der über schräg anlaufende Treppen zu erreichen ist. Von hier aus gibt es einen faszinierenden Blick auf den Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor, auch der Reichstag ist zu sehen. Zentral sind die historischen Ausstellungssäle untergebracht.

Im Eingangsfoyer gibt es ein Café und einen Buchladen. Im ersten Obergeschoss sind Bibliothek und Lesesaal des Archivs untergebracht, darüber der Plenarsaal, der sich zu der mehrgeschossigen Halle hin öffnet. Von hier aus ist auch ein Skulpturengarten zugänglich. Darüber sind die Büros des Präsidenten und seiner Mitarbeiter untergebracht. Unter dem Dach gibt es eine Clubetage und eine große Dachterrasse. In den Untergeschossen liegen die Magazine des Archivs. Trotz des neu gewonnen Platzes: Ihr altes Haus im Stadtteil Tiergarten wird die Akademie behalten und weiter nutzen.

Was genau macht die Akademie der Künste?

Die Akademie der Künste (AdK) ist eine internationale Gemeinschaft von Künstlern. Sie hat das Ziel, Kunst bundesweit zu fördern, sowohl neue künstlerische Tendenzen zu vermitteln als auch das kulturelle Erbe zu pflegen. Die AdK veranstaltet unter anderem Kunst- und Dokumentationsausstellungen, Workshops, Konzerte, Vorträge, Lesungen, Film-, Theater- und Tanzaufführungen. Wesentlicher Bestandteil ist ihr umfassendes Archiv. Seit Januar 2004 ist die Akademie in Trägerschaft des Bundes.

Die AdK beruft ihre Mitglieder in geheimer Abstimmung. Kriterium für die Aufnahme: Ihr Werk muss auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, der Baukunst, der Musik, der Literatur, der Darstellenden Kunst oder der Film- und Medienkunst anerkannt sein.

Die Geschichte der AdK ist bewegt: 1696 wurde sie als "Academie der Mahler-, Bildhauer- und Architectur-Kunst" nach den Vorbildern von Rom und Paris durch Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg gegründet. Damit ist sie eine der ältesten Kulturinstitutionen Deutschlands. Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie zu einem öffentlichen Forum für Kunst- und Kulturdiskussionen und war damit maßgeblich an der Modernisierung Preußens beteiligt.

In der NS-Zeit zwangen die Nationalsozialisten 40 Künstler, unter ihnen Thomas und Heinrich Mann, zum Austritt. Die Akademie wurde aus ihrem Haus am Pariser Platz vertrieben, dafür zog Albert Speer als "Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt" mit seinem Stab hier ein. 1950 wurde die Akademie der Künste in Ost-Berlin neu gegründet, vier Jahre später im Westteil.

1992 votierte die West-Akademie für einen Zusammenschluss. 2003 wurde Adolf Muschg zum Präsidenten gewählt und Nachfolger von György Konrád. Ehrenmitglieder sind unter anderem Johann Wolfgang Goethe, Karl Friedrich Schinkel, Max Liebermann, Käthe Kollwitz, Heinrich und Thomas Mann, Bertolt Brecht und Heinrich Böll.

Quelle: ap

 
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